Tübingen/Ermstal / Alexander Thomys  Uhr
In einer Werkstatt im Ermstal haben zwei Männer Marihuana und Haschisch versteckt. Am Landgericht findet zur Zeit der Prozess gegen die beiden statt.

Mit einer erneuten Einlassung des Verteidigers Zlatko Prtenjaca wurde am gestrigen Donnerstag am Landgericht in Tübingen der Prozess gegen zwei Männer fortgesetzt, die von einer Autowerkstatt in einer Ermsgemeinde aus große Mengen von Marihuana und Haschisch gehandelt haben sollen. Der Rechtsanwalt, der einen 39-jährigen Kosovaren vertritt, welcher die Autowerkstatt betreibt, erklärte im Namen seines Mandanten, dieser habe für die Duldung der Lagerung der Drogen in seiner Werkstatt 2500 Euro versprochen bekommen. Von Hintermännern in Albanien, deren Namen die Angeklagten freilich eisern verschweigen.

Wie die Drogen verkauft wurden

Bekannt wurde am zweiten Prozesstag hingegen, wie die Drogendeals in der Autowerkstatt bekannt wurden: Eine „Vertrauensperson“ eines Rauschgiftermittlers aus Esslingen, der nun als Zeuge aussagte, habe diesem den entscheidenden Tipp gegeben, und zugleich eine Vertraulichkeitszusage von der Staatsanwaltschaft eingefordert. Diese allerdings wurde von der Staatsanwaltschaft Tübingen inzwischen widerrufen, da der dringende Verdacht besteht, dass der V-Mann selbst im Vorfeld seines Tipps rund 40 Kilogramm Marihuana von den Angeklagten gekauft haben soll. Statt diese aber zu bezahlen, hoffte der Tippgeber wohl darauf, seine Schulden durch die Haft der Angeklagten ad acta legen zu können.

Durchsuchung in Autowerkstatt

Wie es nach dem Tipp weiterging, berichteten mehrere Polizeibeamte der Rauschgiftermittlungsgruppe Reutlingen der zweiten großen Strafkammer des Landgerichts um den vorsitzenden Richter Christoph Sandberger. Ein Polizeikommissar etwa, der sich bei der Durchsuchung der Autowerkstatt um den 40-jährigen Angeklagten kümmerte – einen Albanen, der nach eigener Auskunft illegal in der Werkstatt lebte und arbeitete, nach Ansicht der Staatsanwaltschaft aber beauftragt war, mit einer Pistole und einem Stichwerkzeug auf die Drogen aufzupassen – beschrieb, dass der Mann von Beginn an jegliche Tatbeteiligung abstritt. „Er hat tatsächlich so gewirkt, als ob er dort an den Autos gearbeitet hätte“, erklärte der Beamte.

Der Werkstattbesitzer war nicht anwesend

Aus der Schilderung eines Polizeioberkommissars wurde deutlich, wie ernst die Polizisten den Hinweis auf die Drogenhöhle in der Autowerkstatt nahmen – und für wie gefährlich die Ermittler die Dealer halten. Mit einer Maschinenpistole bewaffnet habe er den Einsatz gesichert, erklärte der Angehörige der Rauschgiftermittlungsgruppe. Zuvor sei die Werkstatt beobachtet worden. So sei gesichert gewesen, dass sich zum Zeitpunkt der Durchsuchung dort drei Menschen aufgehalten haben. Der Werkstattbesitzer war nicht darunter.

Als dieser sich mit dem Auto genähert habe, sprang der Polizeioberkommissar über einen Zaun und erklärte dem 39-Jährigen dessen Festnahme. „Er hätte Zeit gehabt wegzufahren“, betonte der Polizist. „Aber er war relativ desinteressiert an unserer Maßnahme, er hat nicht nachgehakt, woher wir den Tipp bekommen hatten und war nicht aufgeregt“, erinnerte sich der Beamte. „Das war eigentlich völlig atypisch.“Durch Richter Sandberger verlesen wurde zudem der Laborbericht des Landeskriminalamtes, der exakt aufschlüsselte, welche Drogen in der Autowerkstatt gefunden wurden.

Die Werkstatt war dem Finanzamt unbekannt

Die Kriminaltechniker kamen am Ende auf rund 178 000 Konsumeinheiten. Verlesen wurde auch der Finanzermittlungsbericht, der durchaus erstaunliches an den Tag brachte: Der Werkstattbesitzer hat seit 2018 keine Konten mehr – und über seine Werkstatt lagen auch dem Finanzamt keine Bilanzen vor. Dagegen wurde bekannt, dass der 39-Jährige bereits zwei Unternehmen im Nürtinger Raum betrieben hatte – mit wenig Erfolg. In beiden Fällen wurde der 39-Jährige vom Amtsgericht Nürtingen wegen Insolvenzverschleppung verurteilt.Als Zeuge sagte auch ein gebürtiger Stuttgarter aus.

Paketweise Marihuana

Der 40-Jährige, der derzeit in Hettingen lebt, soll einen Teil der Drogen gekauft haben. Gegen ihn läuft daher ebenfalls ein Strafverfahren. Vor dem Landgericht sagte der beleibte Mann dennoch aus und bestätigte den Drogenkauf. Ein Paket mit sechs Kilogramm Marihuana habe er an sich genommen, „auf Kommission“. Über den Kaufpreis verhandelt habe man über den Messenger-Dienst Telegram. Er habe einen Teil der Drogen weitergegeben und dafür insgesamt 2600 Euro erhalten. Dieses Geld wurde aber nicht an den Werkstattbesitzer weitergereicht, sondern selbst ausgegeben. Wohl deshalb, so vermutet Staatsanwalt Alexander Hauser, sei der 40-jährige Angeklagte von den Hintermännern aus Albanien aufgefordert worden, „den Dicken“ ausfindig zu machen.

Verlobte verweigert die Aussage über Drogendeals

Ursprünglich hatte auch eine 30-Jährige den Werkstattbesitzer mit einer Aussage bei der Polizei belastet und diesen als ihren „Ex-Freund“ tituliert. Vor dem Landgericht berief sich die Frau, die ein Kind mit dem Angeklagten hat, nun darauf, mit dem Angeklagten verlobt zu sein. Sie machte daher von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch – womit auch ihre Aussagen bei der Polizei nicht gewertet werden können. Der Prozess wird am heutigen Freitag fortgesetzt.

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