WPR Genussreiches Sommer-Sonderkonzert

Reutlingen / Susanne Eckstein 11.07.2018

Freunde der WPR gibt es vermutlich Tausende; wer das Orchester kennt, gehört quasi automatisch dazu. Etwas Besonderes ist jedoch der als Verein eingetragene Freundeskreis: Seit 20 Jahren unterstützt er die Philharmonie, wenn die öffentlichen Mittel nicht ausreichen; sei es durch Förderung von Orchesterpraktika, Optimierung des Proberaums oder als Sponsor der Matinee-Reihe. Im Gegenzug genießen die Mitglieder Vergünstigungen, etwa die Möglichkeit, mit zu Auslandsauftritten zu fahren.

Wie hoch die Philharmonie ihren Freundeskreis schätzt, zeigte sich daran, dass zum 20-jährigen Jubiläum ein Extra-Konzert angesetzt wurde und Chefdirigent Fawzi Haimor trotz Grippe dafür aus den USA anreiste; Festrede, „Werbeblock“ und Werkeinführung übernahm locker und launig Intendant Cornelius Grube.

Junger Trompeter als Solist

Auch der Solist des Abends steht in enger Verbindung mit dem Orchester und dem Freundeskreis: Alexander Flamm erhielt seinen Unterricht unter anderem bei WPR-Trompeter Alfred Hepp, gefördert durch die Christel-Guthörle-Stiftung, deren Stifter wiederum im Freundeskreis aktiv sind.

Programm und Ausführung boten musikalischen Hochgenuss, getragen von äußerer Perfektion und innerer Sanglichkeit; zunächst die Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“ von Peter Tschaikowski. Die tiefgründige Einleitung der Holzbläser weckte Sehnsucht, die hinzutretenden Streicher zogen eine Bühne auf für das orchestrale Liebesdrama. Spannungsreich, lupenrein und gefühlvoll wurde es ausgetragen, der in der Partitur verborgene Sprengstoff effektvoll zu kontrollierter Entladung gebracht. Besser geht’s nicht!

Bei Johann Nepomuk Hummels Trompetenkonzert in E-Dur (der technisch schwierigeren Originalvariante) konnte man miterleben, wie sich ein eher einfach gestricktes Stück in ein Juwel verwandelt. Alexander Flamm gestaltete es mit nuancenreicher, biegsamer Tongebung durch, seine bewundernswert sichere Technik erlaubte ihm eine faszinierende tonliche und dynamische Differenzierung, ob in weich verhangenen Kantilenen oder virtuosen Figurationen, von riskanten Sprüngen bis hin zu den Trillerketten am Schluss, und dies durchweg mit bezwingender musikalischer Logik.

Als Sommer-Sinfonie par excellence füllte die Sinfonie Nr. 4, die „Italienische“, von Felix Mendelssohn Bartholdy den zweiten Teil des Programms. Hier boten Fawzi Haimor und das Orchester keine neue Deutung (oder wie 2016 eine andere Fassung), dafür eine vorzügliche „konventionelle“ Interpretation der Normal-Variante, gekennzeichnet durch Wärme, großen sanglichen Fluss und detailgenaue Ausdeutung. Daneben konnte, wer wollte, die sprechende, elegante Gestik von Chefdirigent Fawzi Haimor verfolgen: Sie inspiriert und spiegelt alle Wendungen der Musik.

Gleichzeitig mit dem Freundeskreis wurde auch eine langjährige Orchestermusikerin geehrt: Die Soloflötistin Wiltrud Böckheler geht nach 37 Jahren bei der WPR in den Ruhestand. Das Ständchen ihrer Kollegen in Form des Zwischenspiels aus „Cavalleria rusticana“ von Mascagni bildete auch eine stimmungsvolle Zugabe für das lang applaudierende Publikum.

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