Leserausflug Genau wissen, was man trinkt

Stuttgart / Von Michael Koch 21.07.2018

Ihr nächstes Bier werden sie ganz sicher mit noch mehr Sinn und Verstand genießen – und in Erinnerung an einen wunderschönen Abend auf den Spuren des Gerstensaftes. „Was da für ein Aufwand dahintersteckt“, staunte nicht nur einer der 50 Teilnehmer an der Brauereibesichtigung bei Dinkelacker, der größten Familienbrauerei in der Landeshauptstadt.

80 Millionen Liter Bier werden jährlich im Herzen der Landeshauptstadt gebraut. Vier bekannte Häuser sind heute unter dem Dach von Dinkelacker vereint: die 1861 gegründete Wulle-Brauerei, die Leicht-Brauerei, die später in Schwabenbräu überging, das 1888 von Carl Dinkelacker gegründete Haus und die 1903 von Daniel Sanwald ins Leben gerufene Sanwald-Brauerei. 250 Mitarbeiter produzieren und vertreiben heute 25 verschiedene Biersorten der genannten Marken.

Wie diese entstehen, und wo in der Produktion die Unterschiede liegen, das erfuhren die 50 Leser des Alb Bote, der Reutlinger Nachrichten und des Metzinger-Uracher Volksblatt/Der Ermstalbote bei einer von der Brauerei organisierten Führung.

Tatsächlich entscheidet sich beim ersten Arbeitsschritt, welche Sorte am Ende entstehen soll. Wenn Brauwasser und Malz miteinander vereint werden, wird durch die Temperatur und Dauer des Mischvorgangs das spätere Bier festgelegt. Bei Temperaturen von 110 Grad entsteht zum Beispiel dunkles Bier, bei 80 Grad das helle Pils. Die spätere Zugabe von Hopfen dient der Haltbarkeit des Bieres, vor allem wird damit auch der Geschmack festgelegt. Logisch, dass jede Brauerei da ihre Geheimnisse hat, die sie auch für sich behält.

Die fast fertigen Endprodukte werden in riesigen Tanks als trübes Kellerbier gelagert, vor der Abfüllung wird es dann noch ein letztes Mal filtriert. 39 Tanks, 25 Meter hoch, mit einem Fassungsvermögen von jeweils 400 000 Litern, stehen dafür zur Verfügung. Für den Versand wird aktuell ein neues, vollautomatisches Hochregallager am Standort gebaut.

320 Millionen frisches Wasser benötigt die Brauerei Dinkelacker jährlich, verwendet wird dafür, wie hier in vielen Haushalten auch, Bodenseewasser. Dazu kommen ausschließlich Zutaten aus der Region wie Hopfen aus Tettnang oder Sommergerste von der Schwäbischen Alb.

Nach der informativen Führung und einem Schlückchen vom frischen Kellerbier ging es für die Leser zum gemütlichen Teil über. Im Gewölbekeller der Brauereigaststätte  war eine Bierprobe vorbereitet, die bei erfolgreicher Verkostung mit einem Bierdiplom besiegelt wurde. Damit die Proben nicht zu Kopf steigen, wurde nebenher ein zünftiges Abendessen serviert.

Rund drei Stunden war man letztlich bei Dinkelacker zu Gast, Weisheiten hat man in dieser kurzen Zeit fürs ganze Leben gelernt. Nur ein Beispiel: „Wein auf Bier, das rat ich dir; Bier auf Wein, das lass sein“ sei für die Wirkung des Alkohols völliger Humbug. Der Spruch stamme vielmehr aus dem Mittelalter, als Wein das Getränk der reichen, Bier eher jenes der armen Bevölkerungsteile war. Wer sich also Wein auf Bier leisten konnte, der hatte sich gesellschaftlich nach oben gearbeitet – oder eben umgekehrt.

Nahezu begeistert trat die SWP-Reisegruppe  schließlich per Bus wieder die Heimreise nach Metzingen an. Bei einer Wiederholung der Aktion würden sich alle Teilnehmer wieder um einen Platz bewerben, wie sie glaubhaft versicherten. So oder so bleibt ihnen sicher aber dieser eine gesellige Abend in guter Erinnerung.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel