Im Schulhof der Seyboldschule in Metzingen war eine lange Tafel gedeckt - mit gentechnikfreien Speisen und Getränken. Rund 40 Besucher folgten im Laufe des Tages dem Aufruf, gemeinsam und öffentlich zu tafeln und so ein Zeichen gegen den drohenden Einsatz der Gentechnik auf Acker und Teller zu setzen.

2005 fand das gentechnikfreie öffentliche Tafeln zum ersten Mal statt - damals eine bundesweite Aktion, an der sich vor zehn Jahren mehr als 120 Städte in ganz Deutschland beteiligten. In Metzingen hat sich daraus inzwischen eine kleine Tradition entwickelt und jedes Jahr lädt der Arbeitskreis am Tag des öffentlichen Denkmals zum "Tafeln ohne Gentechnik" ein. Angenehme Temperaturen und fast trockenes Wetter, warme und kalte Getränke und ein reichhaltiges Speiseangebot - wie Reispfanne, Käse-Lauch- und Kürbis-Suppe, marinierte Champignons, Kürbis-Feta-Taschen, Salate und Kuchen: Das alles trug auch dieses Jahr zur guten Laune der Tafelnden bei. Es war genug für alle da, auch spontan vorbeikommende Bürger ohne Speisebeitrag waren an der Tafel willkommen.

Selbstverständlich kam auch das Informationsangebot nicht zu kurz. Anhand eines Quiz konnten die Besucher einiges über die Gentechnik in der Landwirtschaft erfahren. So mancher kam ins Stutzen und hätte nicht erwartet, dass derzeit keine einzige gentechnisch-veränderte Pflanze in Deutschland eine Anbauzulassung besitzt. In der EU besitzt derzeit nur der in Deutschland verbotene Gen-Mais MON810 eine Anbaugenehmigung. Dieser Zustand könnte sich jedoch bald ändern - auch deshalb, weil Deutschland sich im Februar 2014 bei der Abstimmung im EU Ministerrat über eine Anbauzulassung für den Gen-Mais 1507 nur enthalten hatte. Obwohl damals 19 von 28 Mitgliedsstaaten der EU gegen die Anbauzulassung stimmten, konnte ohne Deutschlands Stimmen keine qualifizierte Mehrheit gegen den Gen-Mais 1507 erreicht werden. Die endgültige Entscheidung liegt seither wieder bei der eher gentechnikfreundlich gesonnenen EU Kommission.

Der Schwerpunkt der Quiz-Fragen bezog sich auch auf die möglichen Folgen der derzeit geplanten Freihandelsabkommen mit Kanada beziehungsweise mit den USA für die Landwirtschaft. Viele Errungenschaften, die dem Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft und dem Wohle der Verbraucher dienen, widersprechen den Interessen der Agrarindustrie. Die Positionspapiere der Agrarkonzerne diesseits und jenseits des Atlantiks lassen laut Berichten des BUND keinerlei Zweifel daran, dass sie die Freihandelsabkommen nutzen wollen, um die ungeliebte Gentechnik-Gesetzgebung der EU in ihrem Sinne zu ändern. Auf der Wunschliste stehen unter anderem beschleunigte EU-Zulassungsverfahren, ein Ende der Saatgutreinheit (nach der gentechnisch verunreinigtes Saatgut nicht verkehrsfähig ist), die Abschaffung der Nulltoleranz für nicht zugelassene gentechnisch veränderte Organismen oder auch die Abschaffung der EU-Kennzeichnungsregeln. Auch das Vorsorgeprinzip ist der Agrarindustrie ein Dorn im Auge, hier prallen im Sicherheitsverständnis zwei Welten aufeinander: In den USA darf ein Produkt erst verboten werden, wenn Schäden entstanden sind und zweifelsfrei nachgewiesen ist, dass diese Schäden durch dieses Produkt entstanden sind. Wenn man weiß, dass zum Beispiel beim Asbest zwischen den ersten Hinweisen auf Gesundheitsschäden und dem kausalen Nachweis des Krebsrisikos 70 Jahre vergingen, dann kann die Lösung nur lauten, dass das Vorsorgeprinzip in der EU bewahrt werden muss. So lautete auch die Quiz-Lösung "Unfairhandelbar: EU-Vorsorgeprinzip erhalten!"