Calverbühl Gedränge am Winterquartier

Frühlingshaft war das Wetter und dementsprechend groß war der Andrang beim Tag des offenen Stalls der Ziegenfreunde. So viele Besucher wie nie haben den Silvestermorgen unterhalb des Calverbühls verbracht.
Frühlingshaft war das Wetter und dementsprechend groß war der Andrang beim Tag des offenen Stalls der Ziegenfreunde. So viele Besucher wie nie haben den Silvestermorgen unterhalb des Calverbühls verbracht. © Foto: Mara Sander
Dettingen / Von Mara Sander 02.01.2018

Zwei Ziegenherden mit 21 und 16 vierbeinigen Landschaftspflegern lockten am Sonntag hunderte von Zweibeinern zum Calverbühl. Dort ist jedes Jahr am Silvestertag der Ziegenstall für Besucher geöffnet. Bei nahezu frühlingshaftem Wetter kamen noch mehr Besucher als sonst und bevorzugten kühle Getränke statt heißem Glühwein, sodass trotz großer Vorräte Nachschub geholt werden musste.

Delikatesse Tannenzweig

 Im Stall selbst hielten sich mehr Besucher als Ziegen auf. Es gab Fotobücher anzuschauen und Vorlesegeschichten für die kleinen Ziegenfreunde. Die vierbeinigen Landschaftspfleger zog es nach draußen an die frische Luft. Den für sie dort aufgestellten „Tannenbaum“ fraßen sie schnell ab, denn frische, unbehandelte Tannenzweige scheinen eine Delikatesse für sie zu sein, sozusagen das Weihnachtsdessert. Das darf allerdings kein Grund für Spaziergänger sein, etwa Zweige als Mitbringsel anzubieten, denn die Tiere werden fachgerecht gefüttert. Alles Zusätzliche könnte sie krank machen, denn auch wenn sie die Zweige gerne fressen, haben sie empfindlichen Mägen.

 Die Ziegen machen Winterpause im Stall, nachdem sie im vergangenen Jahr wieder ihre Arbeit als Landschaftspfleger auf insgesamt etwa zehn Hektar Fläche, einem Großteil davon Naturschutzgebiet, erledigt haben. Der große Trubel beim Tag des offenen Stalls stört sie offensichtlich keineswegs, denn sonst würden sie nicht so friedlich und freundlich auf die vielen Menschen reagieren. Wie anders sie auch sein können, zeigt sich nur dann, wenn sie unter sich ihre Rangordnung ausmachen. Dann können sie schon mal mehr als nur „zickig“ auf andere Ziegen reagieren und diese regelrecht mobben und untereinander kämpfen.

 Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Ziege sich zur Geburt der Kitze von der Herde zurückzieht. Sie muss sich bei ihrer Rückkehr entweder ihren Rang zurück erobern oder mit der niedrigeren Rangordnung zufriedengeben. Der Nachwuchs wird dann in die Rangordnung miteinbezogen. Die Leitziege darf ihren Fress- und Liegeplatz frei wählen und boxt rangniedere Ziegen einfach weg. Menschen sollten besser nicht in die Kämpfe eingreifen. Das und mehr konnten die vielen hundert Besucher am Silvestertag von den Ziegenfreunden erfahren und wissen nun, dass die Rangniederen oft draußen stehen müssen. Darum haben die Ziegenfreunde den Außenbereich des Winterquartiers überdacht und dort Futterstellen eingerichtet, sodass die Tiere auch außerhalb des Stalles fressen können.

 Von „Zickereien“ war am Besuchstag nichts zu merken, denn die Tiere halten sich an ihre Rangordnung. Darum ist es auch gut, wenn sie nicht von den Besuchern gefüttert werden. So kann gar kein Futterneid entstehen.

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Hektar groß ist die Fläche etwa, auf der im vergangenen Jahr die Ziegen wieder ihre Arbeit als Landschaftspfleger erledigt haben. Ein Großteil davon liegt im Naturschutzgebiet.

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