Nach dem Training noch auf einen „Döner“ zum Türken um die Ecke: Zumindest die Schwimmer der DLRG Dettingen gönnen sich das gerne. Viele andere, die sich in den Vereinen der Ermsgemeinde einbringen, ebenso. Aber auch die Binokel-Runden in der „Traube“ gehören zur Ermsgemeinde wie Kirschen und Calverbühl. Im Gasthaus in der Neuffener Straße sitzen die Gäste noch um den Stammtisch – ein Brauch, der zusehends verschwindet im Zeitalter sterbender Dorfwirtschaften und schicker Speiselokale. Und dann wäre da noch der Mann, der den Leuten Viertele und Fladenbrot an den Tisch bringt: Ali, ein schwäbischer Türke, seit Jahrzehnten im Ermstal ansässig und längst Kult als Service-Fachkraft in der „Traube“. Wer dort einkehrt, geht „zum Ali“.

Das Drei-Sterne-Hotel mit 22 Zimmern soll verkauft werden

Wie lange noch? Das fragen sich jetzt nicht nur Stammgäste, sondern auch Urlauber und Geschäftsreisende, die seit Jahrzehnten regelmäßig in der „Traube“ logieren. Denn die Eigentümer-Familie will das Gasthaus mitsamt Drei-Sterne-Hotel verkaufen: 22 Zimmer, ein Restaurant mit Platz für knapp 40 Personen, dazu ein großer Biergarten – so werben die Besitzer auf Immobilienportalen im Internet um Interessenten.

Veranschlagt wurde im Internet ein Kaufpreis von 2,2 Millionen Euro

Veranschlagt haben sie für das Hotel-Gasthaus einen Kaufpreis von knapp 2,2 Millionen Euro. Die Eigentümer möchten sich gegenüber der SÜDWEST PRESSE nicht dazu äußern, weshalb sie ihre Zelte in der Neuffener Straße abbrechen. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu hören ist, wollen die Gastronomen noch einmal Neues wagen.

Die „Traube“ ist seit rund 15 Jahren in der Hand der jetzigen Besitzer. Zuvor hatten griechische Wirte dort die Geschäfte geführt. Einkehren können Gäste in dem Haus im Ortskern allerdings seit Jahrzehnten. Einst wurde dort auch deutsch gekocht.

In der Kelter sind nun Flüchtlinge untergebracht

Nun aber sucht mit der „Traube“ das zweite Dettinger Traditionslokal innerhalb kurzer Zeit nach neuen Herren. Vor gut zwei Jahren erst stiegen die Besitzer der beliebten Pizzeria „Kelter“ aus. Das nur wenige Meter von der „Traube“ entfernt liegende Lokal mit Fremdenzimmern hat bekanntlich die Gemeinde erworben, um dort eine Flüchtlingsunterkunft einzurichten. Derzeit wird dort nochmals ausgebaut und erweitert.

Interesse an der „Traube“ weist Dettingens Bürgermeister Michael Hillert entschieden von sich. „Die Gemeinde hat keine Motivation, sämtliche Lokale aufzukaufen“, sagt Hillert – und spielt auf den „Stern“ in der Ortsmitte an. Ein Lokal, das die Kommune ebenfalls erworben hatte, und zwar noch in der Ära seines Vorgängers Rudolf Beutler. Seit dem Tod der langjährigen Wirtin Else Röhm steht das Gasthaus leer. Gemeinderat und Verwaltung suchen nach Lösungen für den „Stern“, wobei der einst geplante Kindergarten kein Thema mehr sei. „Das Haus ist zu klein.“

Seit dem Tod der Wirtin steht auch der Stern leer

Kein Restaurantbetrieb mehr herrscht auch in einem weiteren Traditionslokal – in der „Krone“ in der Bahnhofstraße. Trotz mehrerer Wiederbelebungsversuche, auch mit Hilfe von Fernsehköchen, führen die Verantwortlichen das Haus nur noch als Hotel. Das gilt auch für den „Löwen“, einst renommiertes Restaurant im Ortszentrum.

Mit zwei italienischen Gaststätten, mehreren deutschen Lokalen und diversen Bistros ist die Gastronomie in Dettingen immer noch gut vertreten.

Dennoch hoffen viele, dass der „Traube“ nicht das selbe Schicksal blüht wie dem „Stern“ und der „Kelter“. Und dass es dort weiter einen Stammtisch gibt.

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Für knapp 2,2 Millionen Euro wird das Hotel-Gasthaus „Traube“ auf Immobilienportalen im Internet gehandelt. Seit wenigen Tagen suchen die Besitzer nach einem Nachfolger.