Vordere Alb Fusionieren, um zu überleben

Die Mitglieder der Raiffeisenbank Vordere Alb bei einer der Abstimmungen in der Generalsversammlung am Freitag in Hülben. Allerdings nicht beim Punkt „Verschmelzungsvertrag mit der Volksbank Ermstal-Alb“, da gab es nämlich teils düstere Mienen.
Die Mitglieder der Raiffeisenbank Vordere Alb bei einer der Abstimmungen in der Generalsversammlung am Freitag in Hülben. Allerdings nicht beim Punkt „Verschmelzungsvertrag mit der Volksbank Ermstal-Alb“, da gab es nämlich teils düstere Mienen. © Foto: Mara Sander
Hülben/Erkenbrechtsweiler / Von Mara Sander 29.04.2018

Wichtigster Tagesordnungspunkt  der vierstündigen Generalversammlung der Raiffeisenbank Vordere Alb am Freitag in der Hülbener Rietenlauhalle war die von den Geldinstituten vorgesehene Fusion der Raiffeisenbank Vordere Alb mit der Volksbank Ermstal Alb. Die anwesenden Mitglieder der Raiffeisenbank Vordere Alb stimmten dem Verschmelzungsvertrag mit 463 zu 29 Stimmen zu. „Wir wollen unsere Filiale behalten, darum stimmen wir zu“, sagten vor allem ältere Leute zur veränderten Situation für „ihre“ Genossenschaftsbank. Sie waren vorher eindringlich über die Notwendigkeit informiert und beraten worden.

 Bankenlandschaft in Unruhe

„Damit es hier in Hülben, Grabenstetten und Erkenbrechtsweiler auch zukünftig diese Bank gibt, ist dieser Schritt des Zusammenschlusses für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter der einzige Weg und von großer Bedeutung“, leitete Vorstand Hermann Sigel diesen Tagesordnungspunkt ein. Er erklärte, dass „die Bankenlandschaft in Unruhe geraten“ sei und sich in den kommenden Jahren massiv verändern werde. Nur über eine Kostenreduzierung könne der durch die Niedrigzinsphase fehlende Ertrag kompensiert werden. „Dazu beitragen würde eine Schließung der Geschäftsstellen in Grabenstetten und Erkenbrechtsweiler. Diese Maßnahme hätte jedoch nicht den erwünschten Langfristcharakter. Das Problem wäre nicht gelöst, sondern nur hinausgeschoben, so Sigel.

 Er nannte Eckpunkte für die Entscheidungen der Bankmanager, die mit 94,1 Prozent der gültigen Stimmen von den Mitgliedern bestätigt wurden. So sei trotz des „seitherigen soliden Wachstums in allen Bereichen“ das benötigte Zinsergebnis in den nächsten Jahren nicht mehr zu erreichen und Kostenreduzierung erforderlich. Die Bilanzsumme 2017 beträgt 108 553 326 Euro, der Bilanzgewinn liegt bei 152 641 Euro. Es wird eine Dividende von drei Prozent ausgeschüttet.

 „Aus der Position der Stärke heraus“ wolle man in eine gemeinsame Zukunft mit der Volksbank Ermstal-Alb gehen. Dadurch seien „erhebliche Kosteneinsparungen“ im Rechnungswesen, für Bilanzerstellung, Prüfungen, Verbands- und Versicherungsbeiträge, Controlling und Innenrevision möglich. „Nach unseren Hochrechnungen sind das jährliche Ersparnisse von mindestens 500­­­000 Euro“, so Sigel.

 Mit dem Mitarbeiterstab in einer größeren Einheit können auch die Aufgaben der Regulierungsanforderungen erfüllt werden, zum Beispiel bei den Wertpapieren, was in kleineren Einheiten nicht mehr möglich sei. Außerdem sei so die Umsetzung der digitalen Betriebsabläufe leichter zu bewerkstelligen. Es habe sich ein starker Wettbewerb insbesondere um die jungen Kunden entwickelt. „Hier gilt es, die Wettbewerbsfähigkeit durch die Optimierung der Kundenbetreuung zu erhalten“, sagte er zur „Erfordernis der innovativen Begleitung unserer Kunden auf dem Weg in die Digitalisierung“, der nicht unterschätzt werden dürfe.

 Im Herbst wirksam

Die Verschmelzung werde mit der Eintragung ins Genossenschaftsregister im Herbst wirksam. Für jeweils 75 Mitglieder kann die Raiffeisenbank künftig einen Vertreter in die Vertreterversammlung der Volksbank entsenden, insgesamt 37 Mitglieder. Im neuen Aufsichtsrat nach der Fusion gibt es einen von 15 Sitzen. Dazu wurde der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Schöner gewählt. Für die beiden Vorstandsmitglieder Helmut Schweiss und Hermann Sigel wurde Altersteilzeit vereinbart. In der aktiven Phase werden sie Führungsverantwortung übernehmen.

 Mit der Fusion wird die Geschäftsstelle in Hülben geschlossen und die Räumlichkeiten als Wohnung genutzt. Die Hauptstelle der Raiffeisenban in Hülben wird zur Kopfstelle der Volksbank auf der Vorderen Alb. Das frühere Vorstandsmitglied aus Hülben, Karl Buck, und Kundenberaterin Kerstin Mohr aus Hülben warben vor der Abstimmung intensiv für die Fusion.

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