Metzingen / Von Peter Kiedaisch  Uhr

In Metzingen eine bezahlbare Wohnung zu finden, scheitert oft an den simplen Mechanismen der Wirklichkeit: Es gibt fast keine. Zwar ziehen diverse Bauunternehmen im Auftrag privater Investoren ganze Häuserzeilen in Metzingen hoch, etwa in der Neuffener Straße, doch dort entstehen Luxuswohnungen. Selbst für Gut- und Normalverdiener sind die unbezahlbar. Deswegen geht die Stadt Metzingen jetzt einen ganz neuen Weg: Sie legt ein Zuschussprogramm auf und verspricht Neuvermietern eine Prämie von 5000 Euro.

Das Ärgerliche: In der Stadt hat es 300 unbebaute Grundstücke. Alle längst voll erschlossen, doch die Besitzer halten die Grundstücke aus welchen Gründen auch immer zurück.

Gegen Enteignung

Andere Kommunen haben dieselben Probleme, favorisieren aber andere Lösungen. Tübingens OB Palmer hat das Instrument der Enteignung ins Spiel gebracht und damit bundesweite Aufmerksamkeit erhalten.

So weit möchte Metzingens OB Fiedler nicht gehen, obwohl das Baurecht derlei drastische Maßnahmen zumindest theoretisch im Paragrafen 166 des Baugesetzbuches vorsieht. „Wir wollen mehr Wohnraum für ein soziales Miteinander“, sagt Fiedler, „nicht mit mehr Wohnraum das soziale Miteinander gefährden.“

An die Prämie von 5000 Euro sind freilich Bedingungen geknüpft. Es muss sich um privaten (gewerblicher ist ausgeschlossen) Wohnraum handeln, der seit mindestens neun Monaten nicht vermietet wurde. Die Vermietung erfolgt für mindestens fünf Jahre, die Mieter dürfen mit dem Vermieter nicht verwandt sein. Schließlich muss die Wohnung gewissen Mindeststandards genügen.

Stiftung braucht Geld

Das Schaffen von Wohnraum hat Fiedler seit seiner Ansprache beim Neujahrsempfang 2015 auf dem Schirm. Seitdem wurde die städtische Wohnbaugesellschaft gegründet. In der Flieder- und in der Ermsstraße entstehen auf deren Betreiben hin 40 Wohnungen. Ins Stocken geraten ist indessen die Communia, die die Idee einer Stiftung verfolgt. Die nämlich braucht Geld von Investoren, die aber derzeit nicht in Sicht sind. Solche Investoren könnten auch Unternehmer sein, die im Ringen um Fachkräfte zusammen mit der Communia bezahlbare Wohnungen in den Ring werfen könnten.