Musik Frisches Material und zärtlich gehauchte Balladen

Sandra Linsenmayer (rechts) und die Band „SaHaRa“ beim Auftritt in der Medienakademie in Metzingen.
Sandra Linsenmayer (rechts) und die Band „SaHaRa“ beim Auftritt in der Medienakademie in Metzingen. © Foto: Kathrin Kipp
Ermstal / Von Kathrin Kipp 19.12.2017

Sandra Linsenmayer aus Dettingen und Hans-Rainer Seelig aus Nürtingen haben sich vor drei Jahren zusammengetan, um ihr Publikum mit wohlig gespielten Coversongs zu unterhalten. Obwohl sie so sanfte Musik machen, von „Wish You Were Here“ bis „Ich lass für dich das Licht an“, haben sie sich bei einem Heavy Metal Event kennengelernt.

Ziemlich schnell haben sie dann beschlossen, zusammen Musik zu machen: Sandra Linsenmayer als Hochzeits-Sängerin und Mundart-Entertainerin, Hans-Rainer Seelig als eigentlicher Hardrock-Gitarrist bei der Band „Beetwood“ in Kirchheim. Aber auch bei der Formation SaHaRa kann er seine balladeske Seite ausspielen: „Mehr als staubtrocken“ wollen sie jedenfalls sein, daher auch der sandige Bandname, der sich aus den Anfangsteilen ihrer Vornamen zusammensetzt. Und so interpretiert SaHaRa Songs aus allen möglichen Stilrichtungen, meistens unplugged, aber immer mit viel Gefühl und Dynamik. Denn das Publikum soll möglichst mitfühlen, und zwar „alle Höhen und Tiefen der Songs“, meinen sie schmunzelnd.

Mit ihrer Minimalausstattung würden sich die beiden auch sehr gut als Straßenmusiker machen, davon leben müssen sie allerdings nicht: Sandra Linsenmayer verdingt sich als Kulturmanagerin beim Veranstaltungsring Metzingen, bietet „Stadtführungen im Gewand“ in Bad Urach und Münsingen an, und tritt mit einem schwäbischen Musik- und Geschichten-Programm auf. Bei dem Hans-Rainer Seelig manchmal sogar mitmischt, auch wenn er als Chemieingenieur normalerweise andere Sachen zusammenmischt.

Ein bisschen was Schwäbisches gab‘s auch bei der Live-Performance in der Metzinger Medien-Akademie vor rund 60 Zuschauern, wo die beiden vom Dettinger Percussionisten Marco Kammerer am Booster-Set (Cajon-Schlagzeug) unterstützt wurden. Und wo sie ihre lässig und unaufgeregt interpretierten Songs auf deutsch, englisch, österreichisch oder schwäbisch spielten. Mit der klangvollen akustischen Gitarre von Hans-Rainer Seelig und der herzhaften Stimme von Sandra Linsenmayer, die sich jeweils hingebungsvoll in ihre Songs hineindenkt, sie aber dennoch cool und mit viel Charme interpretiert. Und in den zweistimmigen Passagen mit Hans-Reiner Seelig wunderbar harmoniert, wenn man sich nicht gerade in einer gutgelaunten Frotzelei verliert. Es ist sowieso sehr gemütlich in der Medienakademie an diesem regnerischen Abend: „Have You Ever Seen The Rain?“, fragen sie deshalb. Seelig steht als Romantiker auf alles, auf das sich ein wenig schmachten lässt, und singt seine „Schleicher“, wie John Denvers „Leaving On A Jet Plane“ zärtlich gehaucht und ganz gefühlig. Aber sie singt auch frisches Material, wie „All About That Bass“, das davon handelt, dass Frauen immer photogeshoppte Magermodels sein müssen. Im lyrischen Teil gibt’s eine Heimathymne von Doris Osswald auf die Obstwiesen und Weinberge im Ermstal. Sandra Linsenmayer lässt das Publikum außerdem schwäbische Begriffe raten. „Flädrewisch“, „Gangodre“ und „Budderballe“: Eine dürre Frau, die Kniekehle und der Babyspeck.

Ihre rockige Seite entfaltet SaHaRa mit „Stairway To Heaven“ in doppelter Geschwindigkeit und mit gezerrtem Gitarrensolo. Die Band hat es auf der Treppe zum Himmel wirklich eilig, aber man müsse ja auch „ein wenig verrückt sein“, um auf der Welt klarzukommen, findet Sandra Linsenmayer, die deshalb den Song „Crazy“ singt. Aber auch ein lustiges Lied von Krimiautor Jürgen Seibold über den Tod, der ja grundsätzlich unpassend kommt. Da fehlt nur noch der lästerliche Song über die „böse Schrapnell“ „Gisela“ mit „Highway To Hell“-Einlage: Schönheit vergeht, Hektar besteht.