Metzingen Frieren beim Sonntagseinkauf

Metzingen / Von Peter Kiedaisch 28.10.2018

Das Schmuddelwetter hat die Besucherzahl beim verkaufsoffenen Sonntag sicher nicht auf selten dagewesene Höhen gehievt. Aber es hat gleich einem Indikator die Frage beantwortet, ob vom verkaufsoffenen Sonntag die Innenstadt ebenso profitiert wie die Outletcity. Die Antwort lautet definitiv Nein: „Eine Menge Aufwand, der sich nicht lohnt“, beschreibt es beispielsweise ein alteingesessener Einzelhändler, der in der Reutlinger Straße beim Blick durchs Schaufenster vornehmlich Pfützen sah.

Freilich, auch einige Passanten, doch die verliefen sich in Richtung Rathaus, wo es zwar Livemusik gab, die aber nur wenig Zuhörer hatte. Doch in Richtung Lindenplatz sah es besser aus: Im Puma-Store drängelten sich die Kunden wie in alten Rabattschlacht-Zeiten. Viele machten sich beim Betreten des Geschäfts erst gar nicht die Mühe, um nach einem Ständer für den Regenschirm zu suchen. Ohne sich zu bücken oder etwas Tempo aus dem Stechschritt zu nehmen, wurde der Regenschirm einfach auf den Boden neben dem Eingang geworfen. Gute Manieren? Es scheint Tage zu geben, da gibt es Wichtigeres.

Immerhin hat die Mischung aus Nieselregen und Schnee die Stimmung nicht überall verdorben. Vom Stand der Metzinger Hofsteige auf dem Lindenplatz erschallte oftmals der Ruf „Glühwein“. Eigentlich werden dort Rot- und Weißweine kredenzt. Und verkauft, aber „wir haben kurzerhand umdisponiert“, sagte Gerhard Fritz, „und schenken auch Glühwein aus.“

Nicht den pappig-süßen, sondern weißen: „Es fehlt nur der Christbaum.“ Noch vor zwei Tagen stand Fritz im T-Shirt in seinem Weinberg, gestern trug er zu einer warmen Winterjacke eine Wollmütze. „Aber übermorgen“, sagte er lachend, „kann ich wohl wieder das T-Shirt anziehen.“ Die Weingärtner freuen sich über den Niederschlag, aber solche Wetterkapriolen machen schon nachdenklich.

Einer, der kurz am Stand Rast gemacht hat, berichtete unterdessen von seinen Erlebnissen, die er im Nike-Store gemacht hat: „Da geht es zu, als gäbe es Freibier.“ Zwischen Lindenplatz und Schiesser haben zwei Seifenblasenkünstler alle möglichen, in allen Farben schimmernden Wabbelgebilde in die Luft gezaubert, die alsbald auf den regennassen Boden fielen, dort zerbarsten und jenen eine schmierige Grundlage bereiteten, die es mit vollen Einkaufstüten in den Händen auch so schon schwer genug hatten.

Zwar waren einige auswärtige Fahrzeuge zu sehen, die sich ganz dicht an die Outletcity herangetastet haben, um möglichst nah am Geschehen einen Parkplatz zu ergattern, doch nötig war das nicht. Die Verkehrssituation war wesentlich entspannter als an früheren verkaufsoffenen Sonntagen. Im Gegenteil: Wer sich in einer der engen Straßen in eine Parklücke zwängte, hatte sicher mehr Stress als andere, die vom einem der öffentlichen Parkplätze oder -häuser in aller Ruhe die Läden anvisierte.

Der Regenschirm jedenfalls hat gestern das Stadtbild geprägt. In eben so vielen Facetten und Farben wie die Seifenblasen, die so schnell zu farbig schimmernden Pfützen wurden.

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