Metzingen Frieden geht anders

Auch ökumenische Gottesdienste sind Bestandteil der Friedenswochen.
Auch ökumenische Gottesdienste sind Bestandteil der Friedenswochen. © Foto: Archiv/Thomas Kiehl
Metzingen / swp 03.11.2018

Mehr als 50 Besucher konnte Oliver Göder, Leiter der Metzinger Kreissparkasse zur Eröffnung der Ausstellung „Frieden geht anders“ begrüßen.

Mit Sorge betrachte er die jüngsten Entwicklungen, so zum Beispiel den angekündigten Ausstieg der USA aus dem INF-Abrüstungsabkommen. Dieser Vertrag von 1987 verbietet landgestützte nukleare Mittelstreckenraketen mit Reichweiten von 500 bis 5500 Kilometer. Umso wichtiger findet Göder deshalb die Erinnerung an die Erfolge der KSZE Konferenz und der Entspannungspolitik – ein Ausstellungsmodul, das die Kreissparkasse sehr gerne im Rahmen der Metzinger Friedenswochen beherberge. Weiter begrüßte er auch den Arbeitskreis Frieden, der die Ausstellung „Frieden geht anders!“ nach Metzingen brachte und vor allem Wolfgang Buff, Referent für Friedensbildung der Evangelischen Landeskirche Hessen-Nassau und der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und sozusagen „Erfinder“ der Ausstellung.

„Ich stelle jetzt vorsichtshalber gar nicht erst die Frage, ob Sie lieber weiter der Musik lauschen oder mir zuhören wollen.“ Mit diesen humorvollen Worten leitete Buff seine Rede ein und erläuterte, wie es zur Entstehung dieser Ausstellung kam. Seit über 40 Jahren ist Buff in der Beratung von Kriegsdienstverweigerern aktiv, ein Thema, das ihn bis heute nicht loslässt und ihm wichtig ist. Waren es früher vor allem Wehrpflichtige, die Beratung zur Kriegsdienstverweigerung in Anspruch nahmen und zum Teil unter dem Stichwort „Drückeberger“ gesellschaftlich angefeindet wurden, so kommen seit Aussetzung der Wehrpflicht vor allem Zeit- und Berufssoldaten zur Beratung. Diese stellten so nach vier bis sechs Jahren fest, dass sie ihr Tun nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren können.

Auch in der Einstellung zur Bundeswehr sieht Buff einen gewissen Wandel. Ältere Leute sind noch mit dem Slogan aufgewachsen: „kämpfen können um nicht kämpfen zu müssen“. Ein Militäreinsatz war früher in der Bundesrepublik nicht denkbar, wäre ein Scheitern der Politik gewesen. Inzwischen sei ein Wandel in der Einstellung zu beobachten: Militär wird schon fast als normales Mittel der Politik betrachtet.

Buff hält nach wie vor Kontakte zu Politikern aber auch zur Bundeswehr. Hierbei stellt er immer wieder fest, dass bei internen Veranstaltungen führende Militärs klar bekennen: „Wir lösen keine Konflikte“ oder dass auch Politiker sagen: „Wissen Sie, ich finde den Militäreinsatz ja auch überflüssig. Aber in den Nachrichten kommen immer die Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan (oder wo auch immer) – da wir müssen doch Einsatzfähigkeit zeigen!“

Gerade der Einfluss der Medien sei prägend: Ein Mensch, der hier in Deutschland aufwächst, hat normalerweise schon durch Filme und Nachrichten bereits viele Tote gesehen bis er 18 Jahre alt ist. Die Folge: „Krieg und Tote werden als „normal“ wahrgenommen, diese Bilder haben wir im Kopf. Wir haben Bilder und Vorstellungen vom Krieg im Kopf, aber keine Vorstellung vom Frieden.“

Gibt es tragfähige Konzepte wie Konflikte gelöst werden können? Wenn man Menschen fragt, wie es Frieden gibt, haben sie keine Antwort, weil Friedenskonzepte nicht präsent seien. Warum werde immer nur über die „Ultima Ratio“ gesprochen, das scheinbar letzte Mittel und nie über die „Prima Ratio“? Konfliktvermeidung müsste doch das erste Mittel der Wahl sein.

Wenn man für Frieden was bewegen wolle, müsse man Friedensbilder in die Köpfe bringen. Und genau das möchte Buff mit seiner Ausstellung erreichen. Es gebe in der Geschichte noch viel mehr Beispiele als die sieben in der Ausstellung präsentierten – sie alle zeigten, dass es ohne den Einsatz von Militär ging und geht. Mit dieser Ausstellung soll den Leuten eine zweite Perspektive angeboten werden. Hoffentlich seien in einigen Jahren bei der Politik andere Lösungsoptionen präsent als nur die militärische Option.

Ein berühmtes Zitat des Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick bringt es auf den Punkt: „Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.“ Zur Veranschaulichung geht Wolfgang Buff schon mal mit einem Werkzeugkoffer an die Schulen, der nur unterschiedliche Hammer enthält, sonst nichts. Und fordert die jungen Leute auf, daraus mal was Sinnvolles zu bauen, was natürlich nicht möglich ist.

Buff wünscht sich einen Werkzeugkasten für Politiker ohne Hammer. Erste hoffnungsvolle Ansätze erkennt er im Nachbarland Österreich: dieses fasste den Beschluss, dass dort Beamte nur dann im österreichischen Diplomatendienst tätig sein können, wenn sie ein TÜV geprüftes Seminar über gewaltfreie Kommunikation erfolgreich besucht haben.

Die Ausstellung „Frieden geht anders“ ist noch bis Donnerstag, 15. November, in Metzingen zu sehen.

Weitere Veranstaltungen der Metzinger Friedenswochen

Dienstag, 6. November: 19 Uhr in der Schönbein Realschule: „Verändern Lieder die Welt?“ – Baltikum: Die singende Revolution gemeinsamer Ausstellungsbesuch in der Schönbein-Realschule.
Samstag, 10. November: 14 Uhr am Rathaus: „Metzingen im ersten Weltkrieg“ –  Stadtspaziergang mit Rolf Bidlingmaier.

Sonntag, 11. November: 19.30 Uhr im Luna Filmtheater:  Filmabend „Eye in the skye“.

Sonntag, 18. November: 10 Uhr in der Friedenskirche:  Friedens-Gottesdienst. Einladung zu den Proben des ökumenischen Projektchors am Montag 5. November und Montag, 12. November, jeweils um 19 Uhr im großen Saal des Gemeindehauses der Martinskirche.

Weitere Ausstellungsmodule: Baltikum – die singende Revolution. Verändern Lieder die Welt?,  in der Schönbein Realschule Metzingen im Eingangsbereich,  Montag bis Freitag von 12 bis 17 Uhr. Während der Herbstferien bis  Sonntag 4. November geschlossen. Kalter Krieg –  KSZE und Entspannungspolitik. Den Krieg an die Kette legen, Kreissparkasse Metzingen, Foyer, Montag bis Freitag von  9 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 17 Uhr.

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