Die Partnerschaft zwischen Metzingen und Noyon möge einer der Bausteine für ein geeintes Europa sein. So haben es die Gemeinderäte der beiden Städte 1979 formuliert, als die deutsche und die französische Kommune ihre Freundschaft offiziell besiegelten. Damals war die Welt noch fein säuberlich in West und Ost geteilt, dass nur zehn Jahre später die Berliner Mauer fallen wird, hätte damals sicher keiner für möglich gehalten.

Der Kontinent ist seither zusammengerückt, ist verbunden über eine gemeinsame Währung, ein Parlament, einen Wertekanon. Dennoch zeigen sich Risse im Fundament, auf dem das Haus Europa steht. Umso wichtiger scheint es deshalb, die Städtepartnerschaften weiter zu pflegen, damit sich die Menschen kennen und verstehen lernen. Ganz so, wie bereits in der offiziellen Partnerschaftsurkunde zwischen Noyon und Metzingen zu lesen ist: „Die Bürger sollen einander freundschaftlich näherkommen und das gegenseitige Verstehen und die Achtung des einen vor dem anderen mehren und festigen.“ Gelegenheiten, diesem Ziel gerecht zu werden, hat es in den vergangenen vier Jahrzehnten reichlich gegeben. Sei es auf sportlicher, kultureller oder schulischer Ebene. Der Austausch zwischen der jungen Generation stand ohnehin am Beginn der Städtepartnerschaft. „Für uns hat es eine besondere Bedeutung, dass der Gedanke des Schüleraustausches den Grundstein für die Kontakte zwischen vielen jungen Menschen aus Noyon und Metzingen gelegt hat“, sagt Ulrike Lamp-Schaich, die Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Metzingen-Noyon.

Der im Jahr 2000 gegründete Verein organisiert heute die städtepartnerschaftlichen Begegnungen. Damit das gegenseitige Verständnis und das freundschaftliche aufeinander Zugehen weiter bestehen können, sei es wichtig, immer wieder neue Verbindungen über die Grenzen hinweg zu knüpfen, betont Ulrike Lamp-Schaich. An diesem, die beiden Städte umfassenden Netzwerk haben Franzosen und Deutsche in den vergangenen 40 Jahren mit großem Erfolg gewoben: Die Senioren-Fußballer haben beispielsweise immer wieder Turniere ausgetragen. Regelmäßig machen sich Radler auf den Weg, um die gut 600 Kilometer, die zwischen den beiden Städten liegen, unter ihre Pedale zu nehmen. Die Musikschüler übten gemeinsam und traten miteinander auf. Auch die Künstler beider Städte beteiligen sich an Ausstellungen im jeweils anderen Land.

Eine zentrale Säule der Partnerschaft bleiben indessen die Schüleraustausche und die regelmäßigen Besuche von Metzingern in Noyon und umgekehrt. Vergangenes Jahr beispielsweise war die Martinskantorei zu Gast in der französischen Kommune, die etwa 100 Kilometer nördlich von Paris liegt. Kommende Woche reist eine 60 Köpfe starke Delegation aus Noyon ins schwäbische Metzingen, um den 40. Geburtstag der Städtepartnerschaft zu feiern. Der offizielle Festabend wird am 4. Mai im Bindhof begangen, am Sonntag steht außerdem ein kleiner Festakt an der Grünanlage beim Altenheim auf dem Programm. Dort kommt ein Bäumchen in den Boden, das die Delegation aus Noyon zum Partnerschaftsjubiläum mitbringt. Damit erinnern die Gäste auch an den Beginn der offiziellen Städtefreundschaft. 1979 hatten die Franzosen eine kleine Platane im Gepäck, die ihren Platz in der Nähe der Stadthalle fand und längst zu einem stattlichen Baum herangewachsen ist. Zum Spaten griffen seinerzeit die beiden Bürgermeister Eduard Kahl und Pierre Dubois, deren Unterschriften auch auf der Partnerschaftsurkunde stehen.

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Die Wurzeln der Partnerschaft


Die Städtepartnerschaft zwischen Metzingen und Noyon erwuchs aus einem Schüleraustausch zwischen dem Lycée Jean Calvin und dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, der im Jahr 1971 seinen Anfang nahm. Im Jahr 2000 gründete sich schließlich der Partnerschaftsverein Metzingen-Noyon, der aktuell 103 Mitglieder zählt. Erste Vorsitzende ist Ulrike Lamp-Schaich.