Ein Sommer ohne Bademöglichkeit – das mögen sich viele Menschen nicht vorstellen, auch die Dettinger Gemeinderäte nicht: Das Freibad wird laut einstimmigem Beschluss geöffnet, anvisierter Termin ist der 1. Juli. Eine Entscheidung vor allem für die Familien trotz angespannter Haushaltslage der Kommune: Das Defizit beläuft sich derzeit auf 2,6 Millionen Euro, es existiert eine Haushaltssperre.

Knapp 450 000 Euro Abmangel

In einer Sondersitzung gab das Gremium am Dienstag die Mittel für den Bäderbetrieb frei, erwartet wird im Etat von 2020 ein Abmangel von 429 000 Euro. Für die Öffnung der beliebten Freizeiteinrichtung in Coronazeiten sind zusätzliche, zuvor nicht eingeplante Sonderposten in Höhe von rund 20 000 Euro veranschlagt, unter anderem für Reinigung, Schilder und eine eventuell notwendige Verpflichtung eines Security-Services. „Mit diesem Mehrwert kommen wir aus“, hatte Bürgermeister Michael Hillert im Videochat erklärt.
Grundsätzlich gleiche die finanzielle Planung im Freibadbereich laut Michael Gutmann immer einer „Kostenspekulation“ statt einer Kalkulation: Die im Etat eingestellten Zahlen basieren auf Erfahrungswerten – auf ein regenreiches Jahr folge ein Topsommer und nun befinde man sich in einer ganz speziellen, von der Coronapandemie geprägten Saison. Bis vergangene Woche sei, so Bäderleiter Gutmann, noch nicht klar gewesen, was die Sportstättenverordnung an Hygieneregeln alles verlange und nach wie vor könne man mit einer dynamischen Entwicklung rechnen. Laut jetzigem Stand komme die Gemeinde jedoch mit den im Haushalt eingestellten Mitteln plus der 20 000 Euro aus. Und, so die Information der Verwaltung: Bei einer Nicht-Öffnung des Bades hätten sich die Kosten dennoch auf 250 000 Euro belaufen.
Im Blick hatten die Gemeinderäte bei ihrer Entscheidung vor allem auch die soziale Verantwortung den Familien gegenüber. „Es ist enorm wichtig, Familien im Sommer vor Ort etwas bieten zu können“, führte Dr. Rolf Hägele (FWV) aus. „Deshalb sind wir auch grundsätzlich dafür, die Mittel freizugeben“, unterstrich Archibald Fritz (UL) die Pro-Familien-Linie.

Freibad soll kein Corona-Hotspot werden

Mehr Sorgen bereitete den Gemeinderäten indes die Umsetzung der Coronaverordnung, man trage immerhin eine große Verantwortung – das Dettinger Freibad solle sich nicht zu einem Corona-Hotspot entwickeln, so Elke Göhners (UL) Sorge.

Zur Sondersitzung hatte Bäderleiter Michael Gutmann ein vorübergehendes Grobkonzept auf Basis der seit Donnerstag vergangener Woche gültigen Coronaverordnung für Sportstätten vorgelegt, dass mit dem Ja des Gemeinderats zur Öffnung noch detaillierter ausgearbeitet und in der nächsten Gemeinderatssitzung vorgestellt wird.
Klar ist bereits, dass das Bad in zwei Schichten geöffnet wird, jeweils 735 Personen werden auf das Freibadgelände gelassen, 65 Schwimmer dürfen gleichzeitig ins Becken. Die Verwaltung ist überzeugt, dass die Umsetzung der Coronavorgaben und die damit einhergehenden Kontrollen mit dem vorhandenen Personal geleistet werden und eventuell noch auf Gemeindemitarbeiter zurückgegriffen werden kann. Auch hofft Hillert auf die Solidargemeinschaft und damit auf den ein oder anderen freiwilligen Helfer. Gebucht werden muss der Eintritt vorab online, eine Barzahlung an der Kasse sei nicht möglich: „Da müssen wir hart bleiben“, so Gutmann. Wolfgang Budweg (CDU) wie auch Elke Göhner forderten die Verwaltung indes auf zu prüfen, inwieweit man in dieser Frage Senioren entgegen kommen könnte. Archibald Fritz regte an, von auswärtigen Besuchern einen etwas höheren Eintrittspreis zu verlangen. Der Gedanke werde geprüft, sicherte Bürgermeister Hillert zu: „Immerhin zahlen die Dettinger den Abmangel und sollten deshalb auch zu anderen Konditionen reindürfen.“

Tickets nur online erhältlich

Michael Gutmann führte aus, dass eine Umsetzung der Coronaregeln seiner Einschätzung nach nicht schwierig sei: „Wir werden aber eine anstrengende Saison vor uns haben.“ Auch die Besucher werden sich auf ein etwas anderes als sonst übliches Badevergnügen einstellen müssen – so werden die Attraktionen wie Rutsche und Sprungtürme sicherlich nicht gleichzeitig zugänglich sein: „Wir müssen aufpassen, dass der Badespaß nicht in Frust umschlägt“, machte Dr. Michael Allmendinger deutlich, das solle sich auch in der Konzeption niederschlagen. „Die Besucher müssen mitmachen und sich bewusst sein, dass wir aufmachen und andere nicht“, unterstrich der Bürgermeister.

DLRG spendet 10 000 Euro

Dem Gemeinderat zollte er Respekt: „Das ist eine mutige Entscheidung“, immerhin werde für die Öffnung etwas mehr Geld als geplant ausgegeben und das habe die Gemeinde im Augenblick nicht. Deshalb freuen sich Gemeinderat und Verwaltung über eine Geste der Solidarität der DLRG besonders: Die unterstützt die Gemeinde mit einer fürs Freibad zweckgebundenen Spende in Höhe von 10 000 Euro.

Der DLRG-Landesverband begrüßt Freibad-Öffnungen


Der DLRG Landesverband Württemberg  begrüßt die Entscheidung der Landesregierung, die Öffnung der Freibäder seit dem 6. Juni wieder zu gestatten.

„Aufgrund der Covid-19-Pandemie ist der Alltag von vielen Einschränkungen gezeichnet und viele Menschen werden ihren Urlaub zu Hause verbringen. Da ist es hilfreich, einen Naherholungsort zur Verfügung zu haben,“ so Armin Flohr, Präsident des Landesverbandes der DLRG. „Doch bei aller Freude über die Bäderöffnung dürfen die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen nicht außer acht gelassen werden. Einsätze wie in den vergangen Tagen am Breitenauer See oder am Bodensee müssen nicht sein“, so Flohr weiter.

Der Landesverband appelliert an alle, die Freibäder und auch andere Badegewässer aufsuchen, sich sowohl an die Abstands- und Hygieneregelungen als auch an die Baderegeln zu halten. „Schützen Sie sich selber und andere Badegäste sowie das Personal und die ehrenamtlich tätigen DLRG-Kräfte. Vermeiden Sie Fehlverhalten beim Baden, wie Selbstüberschätzung der eigenen Kräfte oder Aufsuchen von tiefen Wasserstellen, ohne sicher Schwimmen zu können. Helfen Sie unseren ehrenamltichen Helferinnen und Helfern im Wachdienst, vermeidbare Einsätze zu verhindern“, so Eberhard Metzger, Leiter Einsatz DLRG Landesverband Württemberg.

Baderegeln der DLRG in 30 Sprachen (und zusätzlich in vier deutschen Dialekten) unter https://www.dlrg.de/informieren/freizeit-im-wasser/baderegeln/uebersetzungen/