Glems Fluch oder Segen des Albtraufs

Drei mögliche Standorte kommen für ein Oberbecken in Frage: auf dem Rossberg, im Längental oder im Steinbruch Renkenberg. Für die unteren Stauseen würde eine Staumauer entweder im Tiefbachtal unterhalb des schon bestehenden Stauseeoder im Buchenbachtal gebaut werden müssen. Grafiken: Regionalverband Neckar-Alb
Drei mögliche Standorte kommen für ein Oberbecken in Frage: auf dem Rossberg, im Längental oder im Steinbruch Renkenberg. Für die unteren Stauseen würde eine Staumauer entweder im Tiefbachtal unterhalb des schon bestehenden Stauseeoder im Buchenbachtal gebaut werden müssen. Grafiken: Regionalverband Neckar-Alb
Glems / MICHAEL KOCH 29.02.2012
Im neuen Regionalplan der Region Neckar-Alb sollen potenzielle Standorte für neue Pumpspeicherwerke aufgenommen werden. Als einer von fünf geeigneten Orten ist Glems mit einem zweiten Werk denkbar.

Der Anlass ist traurig, denn letztlich hat erst die Atomkatastrophe von Fukushima in der Energiepolitik der Diskussion um regenerative Energiegewinnung frischen Wind verliehen. Doch mit dem Ausbau der Stromerzeugung durch Wasser, Wind und Sonne ist es nicht getan, weil vor allem Letztere nicht kontinuierlich und vorhersehbar als Energielieferanten zur Verfügung stehen. Und so kommen in Zeiten der Dezentralisierung der Strommärkte Pumpspeicherwerke als eine der wenigen Möglichkeiten der Energiespeicherung zurück ins Bewusstsein jener Menschen, die sich mit der Planung des Energiemarktes auseinander setzen.

Bereits 1964 ging in Glems das allseits bekannte Pumpspeicherwerk in Betrieb. Es zählt noch heute zu den Schmuckstücken im großen Konzern der EnBW. Wird zu Spitzenlastzeiten schnell Strom benötigt, wird das Wasser aus dem oberen Becken in das untere abgelassen. Innerhalb von sechs Stunden wandeln vom Wasser angetriebene Turbinen die freigesetzte Energie in Strom um - 560 000 kwh pro Seeladung. Seit seiner Modernisierung 2001 kann das Kraftwerk sogar im Pumpbetrieb, wenn das Wasser wieder nach oben gepumpt wird, die erforderliche Regelleistung erzeugen.

Der Standort in Glems wurde schon in den 1960er Jahren nicht zufällig gewählt. Der große Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterbecken auf kurzer Distanz macht den Bereich des Albtraufs grundsätzlich als Standort für Pumpspeicherwerke interessant.

Und nun kommen die Überlegungen des Regionalverbandes Neckar-Alb ins Spiel. Im November vergangenen Jahres hat die Regionalversammlung für die Raumordnung in der Region nämlich beschlossen, "in der Region Neckar-Alb auf den Neu- und Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken an dafür geeigneten Standorten hinzuwirken". 39 potenzielle Standorte in den Kreisen Reutlingen, Tübingen und Zollernalb wurden daraufhin grob untersucht, fünf davon sind übriggeblieben und sollen in der kommenden Woche als "Vorranggebiete" in den Regionalplan aufgenommen werden. Und wie schon vor rund 50 Jahren sind die Planer erneut auf Glems gestoßen.

Als mögliche Varianten sind für das Oberbecken für das "Pumpspeicherwerk Glems II" drei Standorte denkbar: der Gipfel des Rossbergs auf Metzinger und St. Johanner Gemarkung, das Längental (St. Johann) und der Steinbruch Renkenberg (Eningen). Das Unterbecken könnte entweder direkt im Anschluss an den bestehenden Glemser Stausee in Richtung Tiefenbachtal oder im Buchbachtal (rechts der K 6714 von Eningen nach Metzingen) aufgestaut werden.

"Durch die Aufnahme in den Regionalplan würde lediglich eine planerische Grundlage gelegt. Ob es das Pumpspeicherwerk tatsächlich jemals geben wird, steht in den Sternen", sagt Bürgermeister Dietmar Bez, der Metzingen in der Regionalversammlung vertritt.

Und die Direktorin des Verbandes, Angela Bernhardt, fügt an: "Wir wären schon froh, wenn sich wenigstens einer der Standorte in einigen Jahren verwirklichen ließe."

Ob in Glems oder anderswo, Eingriffe in die Natur wären nicht zu vermeiden. Immerhin wäre für das obere Becken ein Volumen von drei Millionen Kubikmetern vorgesehen, was etwa drei Mal so groß wäre wie der schon bestehende obere Stausee auf der Eninger Weide. Dafür würde eine Fläche von 17 Hektar benötigt. Im Längental wären die Dimensionen ähnlich.

"Wichtig ist, dass natürlich jeweils nur ein Ober- und ein Unterbecken gebaut werden würde", stellt Angela Bernhardt klar, auch wenn als Standorte mehrere Planungsvarianten zur Verfügung stünden. Diese gelte es im Ernstfall weiter in Bezug auf geologische, geotechnische und naturschutzfachliche Aspekte hin zu untersuchen. Und nicht zuletzt müsste sich ein Investor finden, eine Summe von 300 bis 500 Millionen Euro schwirrt als grobe Schätzung der Fachleute umher.

Der AKE Metzingen, der den Bau des Pumpspeicherwerks grundsätzlich begrüßt, würde hier ein Konsortium der regionalen Stadtwerke favorisieren. Doch auch solche Überlegungen sind Zukunftsmusik. In einem nächsten Schritt werden Ortschafts- und Gemeinderäte befragt, ob ein zweites Pumpspeicherwerk auf Metzinger Gemarkung überhaupt erwünscht ist.