Metzingen Feuer frei im neuen Chemieraum

Im Hintergrund beobachten Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler (von links), Schulleiter Jürgen Grund und der Sprecher der Chemischen Industrie Baden-Württemberg, Andreas Fehler, den Versuch mit Feuer und Flamme.
Im Hintergrund beobachten Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler (von links), Schulleiter Jürgen Grund und der Sprecher der Chemischen Industrie Baden-Württemberg, Andreas Fehler, den Versuch mit Feuer und Flamme. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Von Peter Kiedaisch 13.03.2018

Die alten naturwissenschaftlichen Fachräume sind in einer pädagogischen Sackgasse angekommen. Nach hinten hin stufenweise ansteigend, erinnern sie an Kino- oder Vorlesungssäle. „Das ist dann so“, sagt Katharina Henning, die an der Schönbein-Realschule Chemielehrerin ist, „auf der einen Seite sitzen die Schüler, vorne macht der Lehrer Kunststücke.“ An ihrer Schule ist das seit einigen Monaten anders. Die Jungen und Mädchen sitzen wie in herkömmlichen Räumen auf einer Ebene. Über ihnen aber sind praktische Helfer angebracht. An Schienen über den Schreibtischen befinden sich Konsolen, die von einem Schrank hinterm Lehrerpult aus per Knopfdruck herabgelassen werden können, bis sie knapp auf Kopfhöhe der Schüler sind.

Während sie an einer Teleskopstange hängend abgesenkt werden, ist als Warnhinweis ein rhythmisches Hupen zu hören. Und während früher meist nur der Lehrer seinen Bunsenbrenner anzündete, um die Flammenfärbung verschiedener Stoffe zu analysieren, haben das im Laufe der Jahre auch die Schüler an ihren Tischen machen dürfen, ebenfalls mit Bunsenbrennern, deren Handhabung freilich einige Gefahren birgt. Das neu eingerichtete System an der Schönbein-Realschule ist anwendungsfreundlich. Die Konsolen haben jeweils einen Gas-, Strom- und Breitband-Anschluss, sodass damit an jedem Schreibtisch eine Flamme gespeist werden oder der Laptop ans Netz gebracht werden kann. „Das ist ein Goldstück an unserer Schule“, freut sich Chemielehrerin Katharina Henning, „man kommt rein und hat richtig Lust auf Chemie.“ Am Montag haben Vertreter der Stadt, darunter auch Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler, den neuen Fachraum besichtigt: „Ich bin froh, dass sich der Gemeinderat entschieden hat, den Raum zu ertüchtigen.“ 225 000 Euro hat die Stadt in den Chemiesaal und einen dazugehörenden Vorbereitungsraum investiert: „Bildung hat oberste Priorität.“

Auch der angrenzende Vorbereitungsraum ist auf dem neuesten Stand und entspricht aktuellen Laborstandards, wie Schulleiter Jürgen Grund betont. ­Sicherungsschränke beherbergen gefährliche Chemikalien, zudem wird der Raum ständig entlüftet: „Das ist für die Sicherheit und Gesundheit der Lehrer wichtig.“ Aus einem Wasserhahn sprudelt destilliertes Wasser, dem zuvor von einem Filter sämtliche mineralische Inhaltsstoffe entzogen wurden. Allein die Spülmaschine dort kostet 5000 Euro, sagt Jürgen Grund. Ohne Einschübe und Haltevorrichtungen, die auch noch gekauft werden müssen. Als nächstes soll der Biologieraum erneuert werden, dann der ­Physiksaal. In Bildung zu investieren, funktioniert in Metzingen, betonte Fiedler. Dazu brauche es nicht nur Großprojekte, wie die Sanierung der Sieben-Keltern-Schule: „Das geht auch in kleineren Schritten.“

1500 Euro steuerte auch der Verband der Chemischen Industrie Baden-Württemberg bei. Deren Sprecher, Andreas Fehler, hat den neuen Raum gelobt: Er mache Chemie für die Schüler erlebbarer und somit interessanter. 450 Unternehmen aus der chemischen und pharmazeutischen Branche bieten in Baden-Württemberg etwa 1000 Ausbildungsplätze in 50 verschiedenen Berufen an. Es lohne sich, so Fehler, neugierig zu werden auf die Chemie.

50

Berufe bieten 450 Unternehmen aus der pharmazeutischen und chemischen Branche in ganz Baden-Württemberg an und stellen jedes Jahr 1000 neue Auszubildende ein.

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