Römerstein Familien und Firmen im Blick

Gernot Weber stellt sein Konzept für die Gemeinde während eines Wahlkampfauftritts in Böhringen vor. Foto: Thomas Kiehl
Gernot Weber stellt sein Konzept für die Gemeinde während eines Wahlkampfauftritts in Böhringen vor. Foto: Thomas Kiehl
REGINE LOTTERER 17.12.2013
Die Bedürfnisse der Gemeinde will Gernot Weber als Schultes in den Vordergrund stellen. Deshalb will er das Angebot für Familien verbessern, neue Betriebe ansiedeln und die Ortschaftsverfassung erhalten.

Schon seit Ende November ist Gernot Weber in den Ortsteilen unterwegs, präsentiert den Bürgern seine Ideen für die Gemeinde und wirbt für sich als Bürgermeisterkandidat. Die Woche vor Weihnachten bleibt dagegen wahlkampffrei. Wer Weber bei einem seiner Auftritte erlebte, weiß, der Mann hat sich gründlich eingearbeitet, er besitzt solides Faktenwissen über die Gemeinde, auch den Haushaltsplan hat er studiert.

Den rund 20 Römersteinern, die sich vergangene Woche im Böhringer "Hirsch" versammelt hatten, präsentierte der 47-jährige Diplomverwaltungswirt Weber Vorstellungen, die auf moderates Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum in der Kommune setzen. Junge Familien will er mit guten Standortfaktoren in Römerstein halten beziehungsweise auf die Alb locken: "Es müssen Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Einwohnerzahl zumindest konstant bleibt." Nur dadurch, erklärt Weber, lasse sich die vorhandene Infrastruktur dauerhaft erhalten.

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Weber auf den Ausbau der Kinderbetreuung, hier sieht er Nachholbedarf, vor allem, was Plätze für Mädchen und Buben ab einem Jahr anbelangt. Der Bedarf, sagt Weber, sei jedenfalls da, wie er in Gesprächen mit Bürgern erfahren habe. In dieses Konzept, Familien zu unterstützen, gehört für Weber außerdem, die Öffnungszeiten im Kindergarten zu ändern: "Sie sind nicht mehr zeitgemäß."

In den Blick nimmt der Kandidat gleichfalls die Ganztages- und Ferienbetreuung für Grundschulkinder: "Das sind Standortfaktoren." Fehlten diese in einer Kommune, dann "ist die Familie weg". Aus diesem Grund ist es Weber gleichfalls ein Anliegen, die Werkrealschule in Böhringen zu erhalten. Egal welchen Namen die Einrichtung in Zukunft trage, wichtig sei für Jugendliche, dass sie dort den Abschluss einer weiterführenden Schule erwerben können. Lebten viele Familien in der Gemeinde, sagt Weber, fänden die Römersteiner Betriebe leichter Arbeitskräfte aus der eigenen Kommune. Vor dem Hintergrund des prognostizierten Facharbeitermangels sei das ein wichtiges Argument, um Firmen in Römerstein zu halten beziehungsweise neu anzusiedeln. Um Betriebe anzulocken, denkt Weber daran, einige neue Gewerbeflächen zu schaffen und diese konkurrenzfähig anzubieten, das heißt, zu Preisen, die sich mit jenen in anderen Albgemeinden messen können.

Mehr Betriebe, so seine Rechnung, brächten mehr Gewerbesteuereinnahmen in die kommunale Kasse, was den finanziellen Spielraum der Gemeinde vergrößere. Um auf diesem Gebiet keinen allzu heftigen Schwankungen ausgesetzt zu sein, setzt Weber auf einen Branchenmix. Überdies, argumentiert Weber, entstünden dank der Zuzügler Arbeitsplätze, was wiederum Familien zu einem Umzug nach Römerstein veranlassen könne. Mehr Einwohner bedeuteten einen höheren Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer und damit ebenfalls eine bessere Kassenlage: "Sind Arbeitsplätze vor Ort, kommen auch Familien mit Kindern her."

Steigende Einnahmen, betont Weber, benötige die Kommune nicht nur für den Erhalt der bestehenden Infrastruktur, sondern auch, um anstehende Großprojekte zu stemmen. Dazu zählen im kommenden Jahr der Kindergartenneubau in Böhringen und die Hallensanierung in Zainingen: "Es war mutig, mit beiden gleichzeitig an den Start zu gehen." Zumal in Böhringen außerdem die Ortskernsanierung auf der Agenda steht, wofür die Gemeinde ebenfalls Geld bereitstellen müsse. Fielen die Zuschüsse aus der kommunalen Kasse zu niedrig aus, seien die Anreize für Privatleute zu gering, um tätig zu werden. Das Projekt Ortskernsanierung hält Weber indessen für ein wichtiges Instrument, um dem historischen Zentrum ein moderneres Gepräge zu geben und dieses zu beleben. Allein am althergebrachten Erscheinungsbild festzuhalten, ist für Weber nicht der richtige Weg, zumal sich im Ortskern viele ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebäude fänden, die für heutige Bedürfnisse zu groß seien.

Römerstein, sagt Weber, wolle er fit machen für die Zukunft. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt er in Sachen Ortschaftsverfassung allerdings auf Bewährtes, indem er Ortschaftsräte und Ortsvorsteher erhalten will: "Damit die drei Ortsteile Gehör finden und sich nicht zurückgestuft fühlen." Überdies spricht er sich dafür aus, die Verwaltungsstellen in Zainingen und Donnstetten weiter zu betreiben. Sie seien insbesondere für ältere Bürger wichtig. "Allerdings", betont Weber, "muss das Angebot dann auch genutzt werden."

In Sachen Tourismus sieht Weber noch viel schlummerndes Potenzial, "da gibt es Möglichkeiten zuhauf". Ideen müssten allerdings zunächst Gastronomen und Beherbergungsbetriebe entwickeln. Des Weiteren möchte er die Kommune nach außen attraktiver darstellen. Diesbezüglich hülfen womöglich schon neue Begrüßungstafeln an den Ortseingängen oder eine anders gestaltete Homepage.