Die beiden nach einem Unwetter in der Falkensteiner Höhle eingesperrten Männer – ein Tourengänger und sein Guide – sind nach einer aufwändigen Rettungsaktion wieder im Alltag angekommen.

Gemeinde prüft Lizenzentzug

Nun beginnt die Aufarbeitung des Geschehens – Grabenstettens Bürgermeister Roland Deh sieht derweil wenig Möglichkeiten, für mehr Sicherheit an der Falkensteiner Höhle zu sorgen. Derzeit prüft die Gemeinde, der betroffenen Firma die Lizenz für die Begehung der Falkensteiner Höhle mit ihren Kunden zu entziehen. „Hierfür wird es erst einmal eine Anhörung des Anbieters geben“, sagt Deh. „Wir wollen genau wissen, was in der Höhle passiert ist.“

Eben jene Lizenz, welche die Gemeinde Grabenstetten durch die Einführung einer Polizeiverordnung für die Falkensteiner Höhle nötig machte, wird nach Meinung von Jochen Hintz allerdings allzu leicht vergeben. Hintz betreibt selbst ein Unternehmen für Outdoor Events mit zwölf Mitarbeitern und ist regelmäßig in der Falkensteiner Höhle zu Gast. Am Unfalltag entschied Hintz, eine Tour aus Sicherheitsgründen vorzeitig abzubrechen – später setzte er den Notruf ab und unterstützte die Rettungsarbeiten, indem sein Team eine Führungsleine in der Höhle nach der ersten Engstelle befestigte, ehe das Wasser den Zugang ohne Tauchgeräte unmöglich machte.

Höhlentouren laufen weiter

Bereits am Dienstag nach der Rettungsaktion führte Hintz wieder Touristen in die Wasserhöhle. „Ein Versicherungsnachweis genügt, um die Lizenz zu erhalten“, betont der langjährige Rettungsassistent. „Ein paar Neoprenanzüge und der Versicherungsnachweis reichen also, um in der Falkensteiner Höhle Touren anbieten zu können“, kritisiert Hintz. Dies bestätigt auch Bürgermeister Deh. „Die Polizeiverordnung hatte zwei Ziele: Die Gemeinde sollte nicht auf den Kosten der Rettungseinsätze liegen bleiben und die Kunden für seriöse Anbieter sensibilisiert werden.“ Desweiteren, so Deh, habe die Gemeinde durchaus Überlegungen angestellt, um ein „Mehr an Sicherheit“ zu erreichen.

„Wir haben überlegt, einen Erfahrungsnachweis der Höhlenführer einzufordern. Aber alle Fachleute haben uns gesagt, dass es so etwas einfach nicht gibt.“ Die Gemeinde setze daher auf das Verantwortungsbewusstsein der Tourenanbieter. „Das hat sich auch bewährt“, sagt der Schultes, der im Zusammenhang mit dem jüngsten Unfall von einer „verhängnisvollen Fehleinschätzung“ spricht, sein Urteil der „Dummheit“ des Tourenguides aber auch nicht zurücknehmen will.

Vielmehr lobt Deh das „gute Krisenmanagement“ und spricht von einer „Meisterleistung“ der Höhlentaucher. „Es ist genial, was die Jungs drauf haben“, so der Grabenstetter Bürgermeister. Jochen Hintz indes hat bei seiner Firma ein eigenes Sicherheitskonzept für die Falkensteiner Höhle erarbeitet: So müssen seine Mitarbeiter etwa zwei Jahre bei Touren in der Höhle mitlaufen, ehe sie eigenverantwortlich Touren leiten können. Auch ein intensiver Erste-Hilfe-Kurs steht auf dem firmeneigenen Ausbildungsprogramm. Seine Mitarbeiter seien zudem stets zu zweit mit ihren Kunden in der Höhle.

Vor jeder Tour prüft Hintz zudem die Wettervorhersagen, bereits am Abend zuvor und dann nochmals am Morgen. „Das hat sich schon zum Ritual entwickelt“, sagt der Geschäftsführer und erfahrene Höhlengänger. Deshalb habe sein Team auch bereits frühzeitig entschieden, die Nachmittagstour aus Sicherheitsgründen zu verkürzen. Und auch wenn Hintz zum aktuellen Geschehen bei seiner Konkurrenz nicht Stellung nehmen will, so ist doch herauszuhören, dass er deren Entscheidung nicht nachvollziehen kann.

Werbewirksame Rettung

Die spektakuläre Rettung der Männer aus einer Höhle der Schwäbischen Alb könnte sich nach Ansicht des Tourismusverbandes indes in geringem Maße positiv auf die Besucherzahlen in der Region auswirken. „Natürlich macht das die Schwäbische Alb als höhlenreichste Region Deutschlands bekannter“, sagte eine Sprecherin des Verbandes am Dienstag. „Und vielleicht weckt es die Abenteuerlust des einen oder anderen.“ Insgesamt gibt es auf der Alb zwischen 2500 und 2800 Höhlen.

Dennoch: die Falkensteiner Höhle ist eine Seltenheit. „Als Wasserhöhle ist sie etwas absolut einzigartiges“, sagt Höhlenführer Hintz, der gleich fünf verschiedene Touren in die Falkensteiner Höhle anbietet, an denen teilweise auch Kinder teilnehmen können. „In ganz Europa gibt es meines Wissens nach nur vier gleichartige Höhlen“, sagt Hintz.

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