Tübingen/Reutlingen Faible für HAP Grieshaber: Gerhard Fichtner

Briefwechsel zwischen HAP Grieshaber und Gerhard Fichtner. Foto: pr
Briefwechsel zwischen HAP Grieshaber und Gerhard Fichtner. Foto: pr
Tübingen/Reutlingen / SWP 11.01.2012
HAP Grieshaber und Hölderlin: Der Medizinhistoriker Prof. Gerhard Fichtner war vielseitig interessiert. Am 4. Januar ist er im Alter von 79 Jahren verstorben.

Fichtner leitete von 1970 bis 1998 das Medizinhistorische Institut Tübingen und prägte das Fach entscheidend mit - insbesondere auch in Beiträgen zur Geschichte der Psychoanalyse. Von 1998 bis 2006 engagierte er sich als Vizepräsident der Hölderlin-Gesellschaft. Schließlich war Fichtner ein Freund und Verehrer des Reutlinger Holzschneiders HAP Grieshaber. Seine Beziehung zu Grieshaber begann Anfang der 60er Jahre, als er in der Stuttgarter Galerie Valentien auf das Leporello "affen und alphabete" aufmerksam wurde. Ihn faszinierte diese Kombination von Holzschnitt und Schrift sofort. Seitdem hat ihn HAP Grieshaber nicht mehr losgelassen, jede erreichbare Ausstellung wurde besucht.

Fichtners Idee war es, 1979 zum 70. Geburtstag des Künstlers und Ehrensenators der Universität eine besondere Ausstellung auszurichten. Sie trug den Titel "HAP Grieshaber und das Buch" und war in der UB Tübingen zu sehen. Der gemeinsame Briefwechsel erschien 2002 in einer Schrift des Freundeskreises HAP Grieshaber.

Nach dem Tod Grieshabers 1981 wandte sich die Nachlassverwalterin Margot Fürst an Fichtner mit der Bitte, ihr beim Erstellen des Werkverzeichnisses zu helfen. Ohne "Tustep", einem von Fichtner mit entwickelten Computerprogramm, hätte dieses zweibändige Werk nie erscheinen können - es wurde von beiden gemeinsam herausgegeben.

Von Anfang an gehörte Fichtner dem Rat der HAP Grieshaber Stiftung an, der 1986 erstmals zusammenkam. Bis heute vergibt diese Stiftung - im Gefolge einer Initiative Grieshabers - den renommierten Jerg-Ratgeb-Preis. Emil Schumacher war 1987 der erste Preisträger.

Auch im 1987 gegründeten Freundeskreis HAP Grieshaber spielte Fichtner von Anfang an eine wesentliche Rolle. Von 1999 bis 2007 war er Vorsitzender als Nachfolger von Margot Fürst. In dem größtenteils vom Freundeskreis getragenen HAP Grieshaber Stipendium sah Fichtner eine Möglichkeit, junge Künstler zu fördern. Unzählige Male hielt er Vorträge und Eröffnungsreden über HAP Grieshaber, und viele der Publikationen und Jahresgaben des Freundeskreises sind nur durch ihn entstanden, so die Jahresgaben 2001 bis 2005 und 2009.

Gerhard Fichtners Liebe zur Kunst galt aber nicht nur HAP Grieshaber, sondern auch weiteren Künstlern: Hier seien nur Josua Reichert, vielleicht der Lieblingsschüler von HAP Grieshaber, und Felix Martin Furtwängler genannt. Beide arbeiten hauptsächlich im Hochdruck mit Schriften und Holzschnitten. Bartelke/op

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