Bad Urach Expeditionen in die eigene Heimat

Die Bad Uracher Wortverdichter nehmen sich die Schwaben vor.
Die Bad Uracher Wortverdichter nehmen sich die Schwaben vor. © Foto: Simon Wagner
Bad Urach / Simon Wagner 06.11.2018

Der gemeine Schwabe gilt gemeinhin als undurchschaubar und widersprüchlich: Eng verbunden mit der heimatlichen Scholle und dennoch weltoffen. Mitunter wortkarg und bruddelig kommt er daher, dann wieder gesellig und beinahe schon ausgelassen. Hinter seiner nach außen knurrig wirkenden Fassade, blitzen nicht selten lyrischer Anmut und geistreicher Knitz, ebenso wie buchstäblich weltbewegende Schaffenskraft und die Gabe sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen.

Die Schwaben, so notierte es zusammenfassend einst der Schriftsteller Friedrich Theodor Vischer über die seinen, sei ein „Voelklein schwer zu begreifen: Gutes und Schlimmes verknäuelt wie kaum irgendwo.“

Sachdienliche Hinweise zum wahren Wesen der Schwaben könnten am Samstag, 17. November, in der Bad Uracher Schlossmühle und eine Woche später am Samstag, 24. November, in der Münsinger Zehntscheuer das Bad Uracher Ensemble „Wortverdichter“ beisteuern. Sie werden sich anhand verschiedenster Texte und Musik in einem literarisch-musikalischen Abend auf die Suche nach des Schwabens Kern machen. Mit Texten von Walter von der Vogelweide bis hin zu Walle Sayer, von Gedichten bis hin zu Prosawerken, sollen die vielschichtigen Facetten eines Stammes funkeln, der schon aus Gründen seiner Sprache gerne missverstanden wird.

Dabei werden, so unterstreichen es die Wortverdichter, nicht die allseits wohlbekannten Zoten und Schenkelklopfer auf die Bühnen kommen. Auch keinen folkloristischen Heimatabend wird es geben. Vielmehr wartet die schwäbische Seele darauf, mit all ihren Tiefen und Untiefen mit dem Sprach-Werkzeug der Dichter und Denker, von Eduard Mörike, über Thaddäus Troll bis hin zu Albert Einstein oder Friedrich Schiller ergründet zu werden.

Mal ernste, mal reflektierte, mal humoristische Annäherungen, die zusammen mit Musikbeiträgen zu einer Collage verschmelzen, die abseits ausgetretener Pfade schwäbische Schattenrisse zeichnet. Warum nicht mal was über die Schwaben machen? Diese Frage stand vor rund einem Jahr im Raum als die Wortverdichter, namentlich Ingeborg Naegelsbach, Heidemarie Pfeiffenberger, Renate Buchberger, Georg Strepp, Thomas Braun und die gelernte Komponistin Mari Vihmand am Klavier und am estländischen Kannel, ihren Geist nach neuen Themen schweifen ließen. Nach Berthold Brecht, Heinrich Heine oder den 20er-Jahren, warum nicht mal das eigene Völkchen beleuchten? Der Schwabe, so werde ihm ja nachgesagt, suche das Heil stets in der Ferne, weiß der städtische Kulturreferent Thomas Braun. Ihnen und allen anderen verspricht er in seiner bekannt verschmitzten Art nun einen königlich-württembergischen Abend.

Zwar wird an beiden Abenden kein Adelsgeschlecht auf der Bühne zu erwarten sein, doch immerhin „Heu und Öhmd“, die Uracher Gesangsformation ließ sich zu einem ihrer seltenen Auftritte überreden. Außerdem werden sich zwei Schultes die Ehre geben. Bürgermeister Elmar Rebmann in Bad Urach und sein Amtskollege Mike Münzing in Münsingen werden ihren Beitrag zur schwäbischen Gemütsforschung in Form ihrer Textvorträge leisten. Passend zum Thema des Abends wird das Kulinarik-Angebot ausfallen: In der Pause gibt es schwäbische Kost in Form von kalten Maultaschen. Die aber kommen in archaischer Form, weil am Spieß, daher. Irgendwie passend, denn wie wusste es schon jener Friedrich Theodor Vischer: „Was ein rechter Schwab ist, wird nie ganz zahm.“

Literarisch-musikalischer Abend

Das Bad Uracher Ensemble „Wortverdichter“ wird mit dem Titel „Lasst uns nach Schwaben entfliehen oder der Schwabe und die Liebe“ am Samstag, 17. November, im Bürgerhaus Schlossmühle und eine Woche später, am Samstag, 24. November, in der Zehntscheuer in Münsingen zu sehen sein. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

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