Der Andrang war am Samstagabend in der Reutlinger Innenstadt riesengroß: Geduld war also zwischen 18 und 23 Uhr gefragt, als sich die Besucher quasi im Schneckentempo durch die Wilhelmstraße bewegten. Dabei gab es rechts und links der oberen Wilhelmstraße durch die Weihnachtsmarktstände ja auch jede Menge zu sehen. Besonders stark wurde der Andrang in der Einkaufsmeile jeweils nach den Vorstellungen von Matthias Lohr und seinem Team der „Power Lights“ aus Augsburg, die den Marktplatz in eine wahre Lichtarena verwandelten. Zuvor aber war auf dem Marktplatz Nebel produziert worden, „das Laserlicht muss sich an den Dunstteilchen brechen – sonst sieht man die Laserstrahlen ja gar nicht“, erläuterte Lohr. Auf eine enttäuschte Äußerung einer jungen Besucherin – „oh, letztes Jahr war das aber viel besser“ – antwortete der Lichtexperte: „Vergangenes Jahr hatten wir ja auch die Wasserfontänenshow – aber die war auch dreimal so teuer wie heute die Lasershow.“

Aufbau in 2,5 Stunden erledigt

Der Aufwand war 2018 auch deutlich größerer als am Samstag: Der Aufbau war in 2,5 Stunden erledigt, im vergangenen Jahr waren fünf Mitarbeiter zwei Tage mit der Installation der Wasserfontänen beschäftigt. Und: „Das Risiko, dass bei minus 4 Grad gar nichts funktioniert, wollten wir nicht nochmal eingehen“, hatte Tanja Ulmer betont. Am Samstag gab es dafür ab 18 Uhr insgesamt elf Lightshows mit jeweils bombastischer Musik. „Jede Show ist anders, Sie sehen hier also den ganzen Abend kein einziges Mal das Gleiche“, sagte Lohr.

Lichtinstallationen

Wären alle Besucher den ganzen Abend auf dem Marktplatz geblieben, hätten sie jedoch ganz viel anderes verpasst: Die Lichtinstallationen vor dem Tübinger Tor etwa, wo Selfies vor dem Schneemannfrau-Lichterpaar quasi ein Muss waren. Oder auch die zahlreichen Lichtersäulen in der Katharinen-, Kanzlei- und Wilhelmstraße sowie natürlich die weihnachtliche Beleuchtung an den Häusern und den Buden des Weihnachtsmarkts. Da konnten einen, auch angesichts der kühlen Temperaturen, schon weihnachtliche Gefühle ergreifen. Vor allem, wenn dann noch vor dem Naturkundemuseum Blechbläser „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ aufspielten oder gar „Stille Nacht, heilige Nacht“ – doch mit der stillen Nacht war es dann doch nichts. Dazu war einfach zu viel los: An den zahllosen Buden lockten etwa gegrillte Leckereien, Zuckerwatte, gebrannte Mandeln und natürlich Glühwein.

Schnäppchenjäger

Auch der Einzelhandel zeigte sich beim Pressegespräch auf jeden Fall zufrieden, wie Tanja Ulmer als Geschäftsführerin vom Reutlinger Stadtmarketing ausführte. „Das war ein guter Tag und ein guter Abend“, hatten Christian Wittel und Edgar Lehmann von Reutlingen aktiv betont. Schließlich war ja auch ganz schön viel zusammengekommen am vergangenen Samstagabend, an dem aus dem „Black Friday“ ein „Black Weekend“ wurde und so manche Schnäppchenjäger auf günstige Einkäufe hofften. Dazu der Weihnachtsmarkt, Marktplatz-Lasershow und Eislaufen am Albtorplatz – es war tatsächlich einiges geboten bei „Reutlingen leuchtet“.

 Wer sich indes in die langen Schlangen an den Essständen anstellte, musste auch mal den Ruf „Brötchen sind aus“ vernehmen. Für die Mitarbeiter an den gastronomischen Ständen war an diesem Abend auf jeden Fall Stress pur angesagt. Aber dafür dürfte der Umsatz gestimmt haben. „Alle sind sehr zufrieden, die Gastronomen in den Wirtschaften hoffen, dass ab 23 Uhr die Besucher dann zu ihnen kommen“, resümierte Ulmer. Und die Besucherzahlen? „Weil ab 18 Uhr die Innenstadt schon voll war, gehen wir davon aus, dass wir die 30 000er-Marke knacken“, so die Start-Chefin. „Das Wichtigste ist aber, dass die Besucher ein Stück Reutlingen in der Vorweihnachtszeit mit nach Hause genommen haben – und vor Heiligabend vielleicht nochmal kommen.“