Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind immer noch deutlich spürbar: Finanziell, physisch und psychisch. Besonders Familien leiden derzeit unter häuslicher Isolation und Kontaktbeschränkungen. Geschlossene Schulen und Kitas, „Homeschooling“ und fehlende Freizeitmöglichkeiten können zur Zerreißprobe werden. Die Familien- und Jugendberatung des Landkreis Reutlingen hat aus aktuellem Anlass Tipps und Ratschläge veröffentlicht, die Familien bei kleinen und größeren Krisen vielleicht helfen können.

Wann immer möglich den Streit austragen lassen

Die Familien- und Jugendberatung rät dazu, nicht bei jeden Streitigkeiten zu den Kindern zu laufen. Meistens finden die Geschwister selber Lösungen, vor allem, wenn Eltern nicht vorschnell Partei ergreifen oder ein bewertendes und kommentierendes Publikum bieten.
Sollte ein Streit allerdings eskalieren, so dass es zu gegenseitigen bedrohlichen oder verletzenden Angriffen kommt, gilt es sofort energisch und sachlich zu reagieren: „Stopp, Gewalt kommt nicht in Frage“ - notfalls müssen die Kinder auch für eine Weile räumlich getrennt werden.
Wenn sich die Gemüter wieder ein wenig beruhigt haben, kann man versuchen anzuregen, gemeinsam eine Lösung zu finden. Auch die ganz Kleinen sollten dabei sein, wenn man sich bespricht, um Lösungen zu finden und sich wieder zu versöhnen.

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Gaildorf

Einzelne Kinder nicht bevorzugen oder vergleichen

Es dürfen keine dauerhaften Zweifel aufkommen, dass Elternliebe allen Kindern gleich gilt. Allerdings bedeutet gerecht nicht immer, dass jedes das Gleiche bekommt - gerecht ist, wenn jedes Kind das bekommt, was es braucht.
Besonders zu beachten ist es, Kinder nicht gegeneinander auszuspielen, indem ständig verglichen oder eines dem anderen als Vorbild hingestellt wird. Achtung und Solidarität sollten geübt werden. Sollten Streitereien immer häufiger werden, kann eine Familienkonferenz helfen, um den gemeinsamen Umgang miteinander zu besprechen.

Wut als Zeichen der Überforderung und Hilfslosigkeit

Dinge kaputtzumachen dient für Kinder meist nur der momentanen Aggressionsabfuhr - für Kinder zählt der Moment des Affektes, danach soll aber alles wieder gut sein.
So können sogar „Morddrohungen“ von Kindergartenkindern gegenüber dem Geschwisterkind fallen, die Eltern aufhorchen und zuweilen sehr erschrecken lassen. Solche Ausbrüche sind vielmehr ein Zeichen von momentaner Überforderung und Hilflosigkeit. Geschwisterkinder, die sich gerade nicht gesehen fühlen, wissen sich oft nicht anders zu helfen, um die Zuwendung zu bekommen, die sie gerade brauchen.
Gerade nach so einem Ausbruch benötigen Kinder Zuwendung und es sollten gemeinsam Ideen entwickelt werden, wie das Kind auf gute Weise darauf aufmerksam machen kann, dass ihm etwas fehlt. Hier sind kleine Rituale Gold wert, wie durch versöhnliche Bettkantengespräche oder fest vereinbarte Zeiten mit Elternteil und einem Kind alleine.

Grenzen und Rückzugsmöglichkeiten

Grenzen angemessen zu ziehen oder auch manchmal einzusehen, dass gewisse Dinge einander ausschließen - zum Beispiel hochkonzentriertes Homeoffice und die Betreuung kleiner Kinder - ist nicht nur in Zeiten der Pandemie für alle eine echte Herausforderung.
Oft bleibt zu wenig Platz für Rückzug und Regeneration der einzelnen Personen. Es müssen in dieser Zeit neue Regeln, aber auch Erholungsmöglichkeiten besprochen und entwickelt werden.

Kontakte pflegen und Bewegung ermöglichen

Wichtig ist es, den Kindern zu ermöglichen, mit ihren Freundinnen und Freunden aus der Schule oder auch anderen wichtigen Personen aus der Freizeit Kontakt zu halten. Über Videochat und Telefon oder über Briefe, Postkarten und Päckchen können Freundschaften auch aus der Ferne gepflegt werden. Darüber hinaus sind auch Bewegung und viel Zeit an der frischen Luft gerade jetzt besonders wichtig für die Kinder.