Natur Erweckt aus dem Dornröschenschlaf

Dr. Albrecht Gorthner am Schmiedstobelsee, der vom Nabu komplett saniert worden ist.
Dr. Albrecht Gorthner am Schmiedstobelsee, der vom Nabu komplett saniert worden ist. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Von Anja Weiß und Carola Eissler 07.03.2017

Kaum einer kennt ihn. Dabei ist er ein Juwel für die Artenvielfalt und der einzige Natursee in Metzingen. Das heißt, er ist der einzige See, der in keiner Art und Weise genutzt wird, weder zum Fischen noch als Löschwasserteich oder zur Stromerzeugung. „Damit hat er für die Natur eine enorme Bedeutung“, erzählt Dr. Albrecht Gorthner. Der engagiert sich seit einigen Jahren im Nabu Metzingen und ist dabei besonders dem Charme des Schmiedtobelsee erlegen. Oft setzte er sich dort ans Ufer, um Vögel oder Amphibien zu beobachten, „ich habe dort schon mehr als 60 Vogelarten gesehen“, berichtet er.

Vielfalt ist zurückgegangen

Doch irgendwann fiel ihm auf, dass die biologische Vielfalt rasant zurückging. „Zuerst hatte das Blesshuhn fünf Junge, dann drei und irgendwann keine mehr.“ In der Zeitung hat er einen Artikel gelesen, dass man solche Seen alle 15 Jahre spätestens ablassen sollte. Der Schmiedstobelsee aber ist bereits vor 35 Jahren angelegt worden. Damals wurde Bauschutt an der Stelle, wo heute der See ist, wild gelagert, der Förster ließ ihn  aufschieben und den Weiher, was der See eigentlich ist, anlegen. Er hat eine Fläche von zehn Ar, und die Naturschützer pflanzten um ihn herum an, um ihn zu schützen. Brombeerhecken und andere Sträucher wuchsen, und das so dicht, dass auch etliche Tierarten nicht mehr durchkamen. Blätter fielen ins Wasser, es war schattig und Algen entstanden. „Es war wie ein Dornröschenschloss“, sagt Gorthner, „und damit haben wir ihn fast zu Tode geschützt.“

Es wurde radikal ausgelichtet

Also hat der Nabu beschlossen, dort radikal auszulichten. In unzähligen ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen haben sie gerodet und zudem einen Antrag gestellt, das Wasser ablassen zu dürfen. Dafür brauchte es die Genehmigung der Behörden, außerdem musste die Ortsgruppe auf die Zusage für Fördermittel warten. Den ursprünglichen Plan, auszubaggern, musste man verwerfen, das wäre unbezahlbar gewesen. Das Ablassen des Wassers war dank einer Bretterwand-Konstruktion, einem sogenannten „Mönch“, relativ einfach. Dafür musste man lediglich die Bretter entfernen. Dank dem strengen Frost im Januar lief die Trocknung besser als erwartet, erklärt Gorthner. Mit einem Minibagger wurde der Schlamm abtransportiert und am Waldrand gelagert, ein Vorhaben, das von der Stadt unterstützt wurde. Die Tiere, die im See waren, mussten gefangen werden, darunter war eine exotische Fischart aus Südamerika, sowie Goldfische. Etwas, das Naturschützer ärgert, denn solche ausgesetzten Tiere verdrängen die Wildtiere und gefährden die Natur. Die Frösche haben sie für diese Laichzeit in einem Ausweichquartier untergebracht, in dem kleineren Vorsee.

Ende März könnte der Schmiedstobelsee wieder mit Wasser gefüllt sein, je nachdem, wie viel es regnet. Die Bretter wurden erneuert und bald werden Vögel und Amphibien zurückkehren. „Es wird wieder eine Oase sein, die durchaus einen Besuch wert ist“, betont Gorthner. Stehende Gewässer gebe es in Metzingen kaum, weshalb der Nabu sich dafür einsetzt, auf dem G&V-Areal einen See anzulegen. Ob es sich umsetzen lässt, wird sich zeigen, aber Gorthner und seine Mitstreiter wünschen sich etwas mehr Natur in der Stadt.

Info Am Sonntag, 11. Juni, ist um 10 Uhr eine Führung von Dr. Albrecht Gorthner am Schmiedstobelsee zu „Fauna und Flora im Wandel der Sanierung“. Treffpunkt ist am Parkplatz des CVJM-Steuchenhäusle, in dessen Nähe der Tobel liegt.

Nabu bei „Wir sind Metzinger“ auf dem Kelternplatz

Die Ortsgruppe Metzingen des Naturschutzbundes beteiligt sich am Samstag erstmals am Projekt „Wir sind Metzinger“. Den ganzen Vormittag über präsentiert sich der Nabu auf dem Kelternplatz und baut zusätzlich noch einen vereinseigenen Pavillon auf. Dort gibt es nicht nur Infos, sondern auch Insektenhotels und Nistkästen, wie Albert Brodbeck und Hanna Armbruster vom Nabu-Vorstand betonen. Mit 470 Mitgliedern und einer 110-jährigen Vereinsgeschichte kann der Nabu aufwarten.
Der Verein
, der sich um Biotop- und Artenschutz kümmert, ist eine wichtige Größe für die Stadt. Schließlich kümmern sich dessen Mitglieder auch um die Schutzgebiete. „Eine aufwendige und qualifizierte Arbeit ist dafür notwendig“, sagt Albert Brodbeck. Bestes Beispiel: Die Sanierung des 900 Quadratmeter großen Schmiedstobelsee. Ein Mammutprojekt, wie Brodbeck betont. Auch bei der Wintervogelzählung ist der Nabu stets dabei und wertet die Beobachtungen aus, außerdem betreut der Ortsverband rund 400 Nistkästen und Eisvogelröhren in der Region sowie ein Wildbienenprojekt in Neuhausen. Auf dem sechs Kilometer langen Naturerlebnisweg haben Vereinsmitglieder Mitmach-Stationen angelegt.
„Wir versuchen eben, die Leute für Umwelt und Natur zu begeistern“, begründet Brodbeck das große Engagement des Vereins. Dazu gehört auch, dass in einigen Kindergärten Nistkastenkameras angebracht wurden, sodass die Kleinen die Vogelaufzucht beobachten können.
Ein Natursee auf dem G&V-Areal
:  Das könnte sich die Nabu-Ortsgruppe gut vorstellen. Darum haben sie eine Eingabe an die Stadtverwaltung gemacht und mit den Gemeinderatsfraktionen Kontakt aufgenommen, um sie für die Idee zu begeistern.