Sie ist die schwierigste und belastendste Aufgabe eines Geistlichen - die Notfallseelsorge, also der Einsatz bei Angehörigen nach Todesfällen, Unfällen, Suiziden, Bränden oder grundsätzlich bei der Überbringung einer Todesnachricht. Katholische und Evangelische Kirche verstärken seit 2007 das Engagement in diesem Bereich, "es ist ja die ureigenste Aufgabe der Kirche, dort zu sein, wo Menschen Not leiden", sagt Pfarrer Michael Hägele vom Evangelischen Dekanat Reutlingen dazu. Mit der Umsetzung einer zuverlässigen Notfallseelsorge wurden die Dekanate aber alleine gelassen, so unterscheiden sich die Modelle noch heute von Landkreis zu Landkreis.

Im Kreis Reutlingen hatten sich zu jener Zeit einige wenige Pfarrer bereit erklärt, in der Notfallseelsorge tätig zu sein, sie waren in Dauerbereitschaft. Doch in Notfällen war das eine oder andere Mal kein Seelsorger zu erreichen, der Unmut des Deutschen Roten Kreuzes, mit dessen Notfallnachsorgedienst die Notfallseelsorge kooperiert, wuchs.

Dem Metzinger Pfarrer Klaus Peter Metzger, damals neu ins Dekanat gekommen, waren im Vergleich zu seiner alten Wirkungsstätte die Mängel hier vor Ort ebenfalls aufgefallen. So wurde für das Dekanat Bad Urach ab 2009 an einem neuen Konzept gefeilt. Als dieses endlich stand, war allerdings schnell klar: Noch besser würde es funktionieren, wenn sich die vier Dekanate des Landkreises in Sachen Notfallseelsorge zusammen schließen würden.

So konnte im Oktober 2010 endlich das neue System starten: Gut 40 Seelsorger im Landkreis beteiligen sich daran, aus der Dauerbereitschaft ist eine Wochenbereitschaft geworden. Doch Einsatzpläne, Vertretungen, Fortbildungen und vieles mehr müssen organisiert werden, eine Aufgabe, die das Katholische Dekanat Reutlingen, dessen Dekanatsrefent Thomas Münch bis dato Geschäftsführer der Notfallseelsorge war, nicht mehr leisten konnte. Mit dem Haus Matizzo in Metzingen und Manuela Seynstahl ist, da sind sich alle Beteiligten einig, nun die optimale Anlaufstelle für alle Anfragen an Notfallseelsorger im Landkreis gefunden worden. Die Pfarrer Thomas Münch (Kath. Dekanat Reutlingen/Zwiefalten), Michael Hägele (Ev. Dekanat Reutlingen), Klaus Peter Metzger (Ev. Dekanat Bad Urach) und Johannes Streib (Ev. Dekanat Münsingen) fungieren jeweils als Bezirksbeauftragte.

So haben die Rettungskräfte, die als erstes an einem Unglücksort eintreffen, kreisweit eine einheitliche Nummer, unter der sie den jeweils diensthabenden Notfallseelsorger erreichen können. "Diese Vereinfachung und die nun vorhandene Zuverlässigkeit hat seit 2010 zu einer spürbaren Steigerung der Einsätze geführt", erzählt Klaus Peter Metzger. Etwa zwei Mal pro Woche werden die Notfallseelsorger nun durchschnittlich angefragt.

"Mit dem Rettungswesen und dem Kirchenwesen prallen zwei Welten aufeinander", sagt Manuela Seynstahl. Hier gegenseitiges Verständnis zu schaffen und sich überhaupt einmal kennen zu lernen, war eine der Hauptaufgaben der vergangenen Monate. So haben die Pfarrer beispielsweise an Feuerwehrübungen teilgenommen oder sind zur Hospitation bei der Polizei mit auf Streife gefahren.

"Unsere Hauptaufgabe besteht darin, für Angehörige für die Zeit nach einem Unglück ein Netzwerk zu schaffen, das sie auffängt", sagt Michael Hägele. Das könnten zum einen Familienangehörige sein, die informiert werden müssen, das könnten aber auch Therapeuten oder Beratungsstellen sein. Ein weiterer Vorteil vom Haus Matizzo ist, dass dort alle weiterführenden Beratungsstellen bekannt sind und dementsprechend rasch und unkompliziert vermittelt werden können.

Die Notfallseelsorger kümmern sich nicht nur um Angehörige, sondern bei Bedarf auch um die Einsatzkräfte. Durch die gewachsene Gemeinschaft unter den Rettungsdiensten und Seelsorgern kommen auch von dort Anfragen nach entsprechenden Gesprächen. Und nicht zuletzt steht Manuela Seynstahl im Haus Matizzo auch dafür, dass wiederum die Notfallseelsorger selbst einen Gesprächspartner finden können, wenn sie über einen besonders belastenden Einsatz ihr Herz ausschütten möchten.

Info Die Weihnachtsaktion unserer Zeitung unterstützt in diesem Jahr die Matizzo-Stiftung, die zur langfristigen Sicherung des Hauses Matizzo gegründet wurde. Wer also die Stiftung unterstützt, spendet zugleich auch für die Weiterführung der Notfallseelsorge im Landkreis Reutlingen.