Der „Tag des offenen Musikerheims“ der Ermstalmusikanten am Sonntag setzte den glücklichen Schlusspunkt unter die Schäden, die durch das Hochwasser 2016 entstanden waren.

Gäste spielen Polkas, Walzer und Märsche

Nachdem die Räume in der Schillerschule renoviert und neu ausgestattet sind, sah der Vorstand den Zeitpunkt der offiziellen Wiedereröffnung für gekommen. Bei bestem Wetter spielten der eingeladene Musikverein Aich Polkas, mitreißende Märsche, Walzer und Hits von Udo Jürgens.Am Nachmittag war die Jugendkapelle der Ermstäler im Einsatz.

Hochwasser schädigt die Räume

Das Hochwasser hatte den im Souterrain liegenden Räumen schweren Schaden zugefügt. „Uns hat fast der Schlag getroffen, als die Fotos die Runde machten“, erinnert sich Schriftführerin Julia Borchardt. „Die Feuerwehr war die ganze Nacht mit Abpumpen beschäftigt, erst morgens konnten wir hinuntergehen.“

Die Kühlschränke standen auf der Theke

Die Innenwände waren eingedrückt, die Kühlschränke standen auf der Theke, Küche und Schränke waren durchgeweicht, Instrumente und Uniformen mit Schlamm bedeckt. „Die Reinigung wollte sie nicht annehmen“, erinnert sich der zweite Vorsitzende Herbert Schall. Daraufhin gingen die Musiker an die Erms und wuschen dort das Gröbste von Hand aus.

Am schlimmsten hat es die Notenblätter getroffen

Am Schlimmsten hatte es die Notenblätter getroffen. Kein einziges Blatt war mehr brauchbar. „Der Schaden lag zwischen ­­50 000 und 60 000 Euro“, so Schall. Glücklicherweise hatten die Musiker noch eigene Notenmappen zuhause, so dass der Fundus zu einem kleinen Teil wieder hergestellt werden konnte. Julia Borchardt rief die Musikverlage an, schilderte die Notlage und bekam Hilfe. „Dafür sind wir sehr dankbar“, so die Schriftführerin. Seit der Katastrophe werden grundsätzlich alle Noten eingescannt.

Auch einige Blasinstrumente waren betroffen

Unglücklicherweise waren auch einige Blasinstrumente in der Schillerschule gelagert. Einige waren wegen des Schlamms in der Mechanik nicht mehr zu retten, unter anderem mussten zehn Klarinetten entsorgt werden. Andere Instrumente konnten von einem Experten repariert werden.

Doch einige Blasinstrumente liegen heute noch in den Regalen und lassen die Schäden deutlich erkennen. „Als das Wasser abgepumpt war, haben wir ausgeräumt“, berichtet Schall. „Nach vier Tagen ging das nur noch mit Mundschutz, weil alles gerochen und der Feuchtigkeitsmief in die Augen gebissen hat.“

Aber Tränen seien nicht nur deswegen geflossen. 130 000 bis 150 000 Euro habe der Schaden insgesamt betragen.

Wenigstens seien die Theaterkostüme des Dettinger Kommödles verschont geblieben, die nicht im Souterrain lagerten. Die Hilfe, so Julia Borchardt, sei immens gewesen. Strahler, Kühlschränke und Kopierer wurden gespendet.

Eine große Benefizaktion

Das Landesblasorchester veranstaltete für die Dettinger Kollegen ein Benefizkonzert. Die Gemeinde habe über 20 jugendliche Helfer sowie Container und Radlader geschickt. Sie beseitigte auch die Gebäudeschäden. Sechs Monate lang liefen acht Trockner. Die Musiker fanden unterdessen Unterschlupf beim Liederkranz Dettingen.

Seit Januar 2019 sind sie in ihr früheres Domizil zurückgekehrt, doch erst jetzt sind auch Theke, Küche und Schränke eingebaut. „Wunderbar“ sei alles geworden, freuen sich Borchardt, Schall und Jugendleiter Alexander Hahn. Die Räume seien schallisoliert und technisch auf dem neusten Stand. Die Fensterfront sorge für Helligkeit und habe auch eine Fluchttür. Neben dem großen, mit einer Schiebetür teilbaren Probenraum gibt es auch eine Küche, zwei Lagerräume und Sanitäranlagen.

Viele Gäste kamen zum Tag der offenen Tür

Alles ist frisch, sauber und modern, nichts erinnert mehr an das Hochwasser. Am Sonntag machten die vielen Gäste gerne Gebrauch von Pommes, Rote, Maultaschen, Kaffee und Kuchen. Für Kinder standen Musikinstrumente zum Ausprobieren bereit.

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Tausend Euro hatten allein die Notenblätter an Wert, die in den Räumen der Dettinger Ermstalmusikanten vom Hochwasser zerstört wurden. Künftig werden sie eingescannt.