Unter dem Beifall ihrer Mitstreiter und Sympathisanten hat die Bürgerinitiative zum Erhalt der Bad Uracher Ermstalklinik gestern eine Unterschriftenliste an Landrat Thomas Reumann übergeben. Insgesamt haben sich seit vergangenem Oktober 9267 Menschen eingetragen und so ihr Votum zum Erhalt des Klinikstandorts in Bad Urach abgegeben, wie Mitinitiatorin Irmgard Naumann während der Übergabe im Foyer der Bad Uracher Klinik unterstrich.

Anfangs rund 100 Mitstreiter schlossen sich der Bürgerinitiative an und haben sich innerhalb verschiedener Arbeitsgruppen auf den Weg gemacht, hielt Naumanns Ratskollegin Uthe Scheckel fest und sie betonte: „Uns verbindet nicht die Emotion, sondern die Sorge um die Zukunft der Klinik.“ Der Adressat der Unterschriften, Landrat Thomas Reumann, seines Zeichens zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Kreiskliniken Reutlingen, nahm die in Bad Urach und angrenzenden Gemeinden gesammelten Voten mit Respekt entgegen, wie er sagte. Dass sich seit 1999 erstmals wieder eine Bürgerinitiative in Bad Urach gegründet habe, wertet er übrigens – anders als Uthe Scheckel – nicht als Ausdruck eines Unmuts, sondern als gutes Zeichen: Die Menschen setzen sich für Dinge ein, die ihnen wichtig sind, stellte er fest. Und das Thema Gesundheit nehme hierbei eine zentrale Stellung ein. Mit den Unterschriften hätten die Menschen ihre klare Erwartung nach einer guten und wohnortnahen Gesundheitsversorgung aus einem Guss formuliert, so Reumann. Dieses Thema zählt er denn auch zur kommunalen Daseinsvorsorge, und er betonte: „Gesundheit ist keine Ware, ein Krankenhaus ist keine Fabrik.“

Trotz seines Bekenntnisses, zu konkreten Festlegungen ließ er sich am Donnerstag nicht hinreißen: „Ich werde keine Versprechungen machen – und machen können.“ Klares Ziel sei es aber, die drei Klinikstandorte in Reutlingen, Bad Urach und Münsingen, samt der jeweiligen Notfallversorgung, zu erhalten. Doch zunächst müsse man intensiv miteinander reden, hielt er fest und verwies auf das derzeitige Markterkundungsverfahren. Hier soll geklärt werden, wie es mit den derzeit defizitär wirtschaftenden Kreiskliniken als solches weitergehen kann, wenn sich Ende April 2020 Geschäftsführer Norbert Finke in den Ruhestand verabschieden wird und der Vertrag des zweiten Geschäftsführers, Friedemann Salzer, ausläuft. Aber auch vor veränderten Rahmenbedingungen, wie gewachsenen Patienten-Ansprüchen und gesetzlichen Vorgaben zu Personalzahlen, Pflegeschlüsseln oder Hygienerichtlinien dürfe man nicht die Augen verschließen, merkte der Landrat an. Vor diesem Hintergrund müsse man diskutieren was zwingend erforderlich sei, aber auch, welche Grenzen es gebe. Diese vor Augen, sei etwa auch ein Gesundheitszentrum vorstellbar, in dem sich Fachärzte um Patienten kümmern.

Zur künftigen Aufstellung der Kreiskliniken lägen derzeit verschiedene Konzepte auf dem Tisch (wir haben berichtet): Vom Festhalten an den gegenwärtigen Strukturen, über einen Management-Vertrag, die Bildung einer kommunalen Holding bis hin zu einer „strategischen Beteiligung“, bei der sich ein Unternehmen teilweise einkaufe und sich an Investitionen beteilige. In Reutlingen stehen Ausgaben über 160 Millionen Euro an, in Bad Urach ist es ein zweistelliger Millionenbetrag.

Trotz einer ergebnisoffenen Prüfung, bestimmte Leitplanken sollen nicht angetastet werden: Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben. Die Bezahlung erfolge weiterhin nach TVÖD, und der Kreistag sowie der Aufsichtsrat sollen ein Veto- und Mitspracherecht behalten. Im April wird der Kreistag erstmals diskutieren, im Mai soll schließlich die Entscheidung über die künftige Struktur der Gesundheitsversorgung im Kreis gefällt werden. „Die Patienten- aber auch Mitarbeiterorientierung sind dabei unverrückbare Pfeiler“, unterstrich Reumann. Es müsse nun in einem guten Diskurs um Lösungen gerungen werden. „Ich will es lieber gestalten, als dass es geschieht“, merkte er an.

Als Kreisrat mit am Tisch sitzen wird dann Bad Urachs Stadtoberhaupt Elmar Rebmann. Er wertet die Unterschriftensammlung als deutliches Signal, wonach Bad Urach aber auch die Region zur Ermstalklinik als wichtigen Standort stehe. Der Bürgerinitiative dankte er für einen „riesigen Einsatz“, und er hegt die Hoffnung, dass sich die Aktivisten weiterhin einbringen werden.

Auch Friedemann Salzer zeigte sich beeindruckt von der Zahl der Unterschriften. Für ihn ein „starkes Votum für die Ermstalklinik“. Auch er sprach sich im Sinne der Gesundheitsversorgung für einen Erhalt des Bad Uracher Standorts aus. Aktuell bekommt er zahlreiche Anfragen nach Praxisniederlassungen auf den Tisch, wie er berichtete. Ohne ins Detail zu gehen, prophezeite er für Bad Urach: „Das kann eine richtig tolle Sache werden.“