Bad Urach Ermstalklinik: Chirurgie wird geschlossen

Die Ermstalklinik in Bad Urach steht offenbar vor einer ungewissen Zukunft. Foto:
Die Ermstalklinik in Bad Urach steht offenbar vor einer ungewissen Zukunft. Foto: © Foto: Thomas Kiehl
Bad Urach / Simon Wagner 22.10.2018
Die stationäre Unfallchirurgie an der Ermstalklinik in Bad Urach wird zum Jahresende geschlossen.

Die stationäre Unfallchirurgie an der Ermstalklinik in Bad Urach wird zum Jahresende geschlossen. Der Aufsichtsrat der Kreiskliniken hatte die Klinik-Geschäftsführung bereits am 9. Oktober damit beauftragt. Gestern nun wurde der Kreistag darüber informiert. Er lässt der Klinikleitung freie Hand. Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann befürchtet nun über kurz oder lang das Aus der Klinik.

Geringe Auslastung

Norbert Finke, zusammen mit Friedemann Salzer Geschäftsführer der drei Klinik-Standorte in Bad Urach, Reutlingen und Münsingen, begründete die Schließung mit der geringen Auslastung der stationären Unfallchirurgie. Seit 1. Januar 2016 und der damaligen Entscheidung, sie an der Ermstalklinik fortzuführen, habe man deutlich vor Augen geführt bekommen, dass man es statt mit einer steigenden Nachfrage mit einer eher abnehmenden zu tun habe. Derzeit liege die Bettenauslastung bei unter 40 Prozent. „Unter diesen Bedingungen können wir noch nicht einmal annähernd einen wirtschaftlichen Betrieb herstellen“, stellte Finke fest.

Weiterhin ambulante Eingriffe

Zudem lasse sich, trotz einer bestens ausgestatteten Abteilung, eine Entwicklung hin zu den großen Zentren feststellen, unterstrich Friedemann Salzer. Und zwar so, „dass wir reagieren müssen.“ Er betonte, dass auch weiterhin ambulante Eingriffe in Bad Urach geschultert werden können. Größere hingegen werden künftig in Reutlingen realisiert. Weiterhin sei ein Rettungswagen in Bad Urach stationiert. Momentan stehen in der Bad Uracher Unfallchirurgie elf Betten zur Verfügung. Ihr Wegfall soll, so der strategische Gedanke, dem nachfrageorientierten Ausbau der Altersmedizin an der Ermstalklinik zugutekommen.

Bürgermeister ist besorgt

Der Kreistag hatte während seiner Sitzung am Montag beschlossen, der Geschäftsführung der Kliniken bei der geplanten Umstrukturierung freie Hand zu lassen. Der Antrag der Linken-Fraktion, einen entsprechenden Entscheid darüber in die Hände der Gesellschafter, also den Kreistag, zu geben, fand keine Mehrheit. Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann, zeitgleich Mitglied des Klinik-Aufsichtsrats, hatte die zuvor getroffene Entscheidung kritisiert: „Wir stehen am Anfang eines Prozesses, der ganz schlecht für unsere Stadt und die Vordere Alb enden kann“, hielt er fest. Über kurz oder lang, so seine Sorge, könne der jetzt eingeschlagene Weg das Aus der Ermstalklinik bedeuten.

Die Entscheidung zur Verlagerung folge dem Anspruch der Kreiskliniken, wirtschaftlicher zu arbeiten, so die Begründung des Schritts. Der negative Deckungsbeitrag beeinflusse das Ergebnis der KKR GmbH deutlich und könne nicht weiterhin getragen werden. Der positive Effekt, der durch die Verlagerung erwartet wird, beziffert sich geschätzt auf rund 1,9 Millionen Euro.

Verantwortung wahrnehmen

Landrat Reumann, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Kreiskliniken und Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, sprach von einem schmerzhaften Schnitt, betonte aber gleichzeitig, man wolle die Verantwortung für die Menschen im ländlichen Raum wahrnehmen. Gleichwohl: „Wir müssen uns an der Marktnachfrage ausrichten. Da führt kein Weg dran vorbei.“

Die Schließung der Unfallchirurgie findet vor dem Hintergrund einer strategischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Neuausrichtung der Kreiskliniken statt. Nach dem Auslaufen des Zukunftskonzepts und der Medizinstrategie „2018 Plus“, rücken nun Stellschrauben in den Blickpunkt, die alle drei Standorte der Kreiskliniken betreffen.

Ziel sei es, so Reumann, die Kreiskliniken so aufzustellen, dass sie auch in Zukunft erfolgreich sein und die wachsenden Ansprüche erfüllen können. Bis zum Frühjahr 2019 soll ein Managementkonzept erstellt werden, das bewusst alle Möglichkeiten offen lasse.

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