Laufkurs Ermstal, da läuft was

Metzingen / Von Peter Kiedaisch 19.01.2018

Laufen hat ja so etwas Befreiendes. Zunächst jedenfalls, dann entscheidet der individuelle Trainingszustand, ob sich diese Art der Bewegung zur Last oder zur Lust entwickelt. Diese Weggabelung kann nach wenigen hundert Metern erreicht werden oder nach einigen Kilometern.

Geübte Läufer spulen hingegen locker ihr Pensum herunter und erwecken dabei den Anschein, nie müde zu werden. Sie laufen zehn Kilometer, 20 oder 40. Und wenn sie in Gruppen unterwegs sind, unterhalten sie sich mitunter so angeregt, als würden sie nicht im Sechserschnitt durch den Wald rennen, sondern bei einem Glas Rotwein am Stammtisch sitzen. Das muss für Laufanfänger recht frustrierend sein. Zu sehen, wie locker andere Kilometer um Kilometer machen, ohne mit dem Puls am Anschlag einen Kollaps heraufzubeschwören.

Dabei ist es doch so leicht: Laufen kann man lernen, und es gibt kaum eine andere sportliche Disziplin, bei der die Leistung von Woche zu Woche so schnell anwächst, dass absolute Anfänger, die im Stadion kaum eine Runde am Stück joggen können, nach nur drei Monaten acht Kilometer ohne Pause laufen. Bestimmt nicht in einer Zeit, mit der sie in Volks- oder Stadtläufen zu den Besten gehören, aber elegant und entspannt genug, um beim Laufen nicht nur Spaß zu haben, sondern sich dabei sogar zu erholen. Zumindest mental, denn Laufen hat etwas Befreiendes.

Mit dem Laufkurs der SÜDWEST PRESSE „Ermstal, da läuft was“, haben Teilnehmer wieder die Möglichkeit, ihre Ausdauer, mithin ihr gesamtes Wohlbefinden zu verbessern. Das Projekt geht knapp vier Monate und beinhaltet zwei Trainingseinheiten pro Woche, die von ausgebildeten Trainern geleitet werden.

Die Laufgruppen sind nach Leistungsstärke eingeteilt. So soll verhindert werden, dass zu schnelle Sportler auf langsamere warten müssen, wobei auch der umgekehrte Fall vermieden werden soll: Dass Leistungsschwächere aus falsch verstandenem Ehrgeiz unbedingt mit der Spitze mithalten wollen und sich dabei überfordern. Dann wäre das Training kontraproduktiv, im schlimmsten Fall könnte das den Kreislauf belasten oder zu einer muskulären Verletzung führen. Damit das nicht passiert, achten die Trainer darauf, möglichst homogene Gruppen zusammenzustellen. Dafür ist in den ersten Trainingseinheiten genügend Zeit, denn anfangs drehen die Kursteilnehmer entweder ihre Runden im Otto-Dipper-Stadion oder laufen in dessen Peripherie gemütlich durch die Landschaft.

Die weiten Ausflüge in die umliegenden Wälder oder hoch zum Stausee Glems, wenn es also darum geht, eine Zehn-Kilometer-Strecke in etwa einer Stunde zu bewältigen, kommen später, wenn die Grundlagen dafür geschaffen sind, aber: Solche Trainingsläufe bleiben den stärkeren Gruppen vorbehalten. In denen fühlen sich Frauen und Männer wohl, die möglicherweise nicht komplett unerfahren sind, vielleicht sogar schon seit Jahren laufen, aber immer wieder an der eigenen Bequemlichkeit scheitern und dadurch nicht kontinuierlich dabei bleiben. Solche Läufer zeichnen sich durch eine Joe-Frazier-Mentalität aus. Wie der frühere Schwergewichts-Weltklasseboxer trainieren sie zwei, drei Monate fleißig und genießen dann monatelang andere schöne Dinge, die mit weniger Aufwand erreichbar sind. Chips und Bier, Fernsehen und Barbecue, um dann mit schlechtem Gewissen wieder ins Laufen einzusteigen. Trainingsrückstand inklusive, was dann dazu führt, dass erneut Grundlagen aufgebaut werden müssen, und das anstrengende Spiel von vorn losgeht.

Auch da hilft der Laufkurs der SÜDWEST PRESSE: Erstens läuft es sich in der Gruppe angenehmer, zumindest ist die Motivation höher, kein Training zu schwänzen. Zweitens, das zeigt die Erfahrung aus den Vorjahren, bilden sich durch den Kurs informelle Laufgruppen, die sich das ganze Jahr über zu lockeren Läufen treffen. Manche joggen sonntags durch den Wald, andere trainieren gemeinsam auf diverse Wettkämpfe. Einer böte sich geradezu an, denn eine Woche nach Ende des Laufkurses ist der Ermstal-Marathon. Da muss sich nicht jeder an die Königsdisziplin wagen, es werden auch Läufe über zehn Kilometer oder über die Halbmarathondistanz angeboten.

„Ermstal, da läuft was“ ist aber auch eine schöne Sache für Nordic Walker. Walken gilt ja als eine natürliche und vor allem gelenkschonende Art der Fortbewegung. Jogger ärgern sich hin und wieder über Nordic Walker. Insbesondere dann, wenn der Versuch, diese zu überholen, zu einer echten Herausforderung wird, die sich gerne mal in die Länge ziehen kann. Nordic Walker sind gar nicht langsam unterwegs, aber auch sie können einiges falsch machen. Denn wer die Technik nicht beherrscht, kann sich schnell die Gelenke verschleißen. Deswegen gibt es auch für die Nordic Walker eine ausführliche Technikschulung, ehe es dann in den darauffolgenden Trainingseinheiten auf die Piste geht.

Im vergangenen Jahr waren etwas mehr als 100 Teilnehmer bei „Ermstal, da läuft was“. Etwa 80 haben bis zum Schluss durchgehalten, 50 Läufer haben sogar den Zehn-Kilometer-Lauf beim Ermstal-Marathon geschafft. Aus den beiden Vorjahren existieren jetzt noch zwei Laufgruppen, die das ganze Jahr über trainieren.

Ihre Wintereinheiten haben sie mit Stirnlampen in den nachtdunklen Metzinger Weinbergen absolviert. Und weil sie sich gut verstehen, haben sie sich zu einer zünftigen Waldweihnachtsfeier getroffen, ausnahmsweise ohne Sport.

20 besonders ehrgeizige Kursteilnehmer waren in den vergangenen Wochen beim Albgold-Winterlauf-Cup dabei. Erfolgserlebnisse gibt es bei „Ermstal, da läuft was“ für jedes Leistungsniveau. Und zudem hat Laufen ja etwas Befreiendes. Man sollte es sich nicht entgehen lassen. Und sich anmelden.

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Anmeldung: Wie, wann, wo

Zu „Ermstal, da läuft was“ gibt es eine Auftaktveranstaltung am Dienstag, 13. März, um 19 Uhr in der Festkelter in Metzingen. An diesem Abend werden die Trainingsprogramme vorgestellt, zudem berichten Teilnehmer aus dem Vorjahr über ihre Erfahrungen.

Von der AOK gibt es einen Vortrag zum Thema gesunde Ernährung, und eine Bundesliga-Handballspielerin der Tussies referiert über Motivation im Sport. Die AOK bietet zudem eine Körperfettmessung an, die am Ermstal-Marathon am 8. Juli zu Vergleichszwecken wiederholt werden kann.

Anmelden kann man sich ab sofort unter „www.swp.de/metzingen“. Anmeldeschluss ist der Freitag, 16. März.

Trainingsauftakt ist Dienstag, 20. März, im Otto-Dipper-Stadion. Die Läufer treffen sich um 19 Uhr. Die zweite Trainingseinheit ist donnerstags (Wakler) und freitags (Läufer) jeweils um 19 Uhr.

Das Training der Läufer übernehmen wieder Übungsleiter der TuS-Leichtathletikabteilung, das der Nordic Walker übernehmen Übungsleiter der Skizunft Metzingen.

Die Teilnahmegebühr beträgt 49 Euro, dazu gibt es ein Teilnehmer-T-Shirt. Erstmals gibt es übrigens für Frauen T-Shirts mit speziellem Damenschnitt.

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