Das folgende Zahlenwerk war in den vergangenen Tagen im Rahmen der Vorberichterstattung zum Ermstal-Marathon schon des Öfteren ein Thema: 1:10,46 Stunden. Das ist die Zeit, die Markus Ruopp 2009 im Halbmarathon gelaufen ist. Zuvor war niemand schneller, danach auch (noch) nicht.

Kompetenzteam zusammengefunden

Um diesen Streckenrekord endlich zu knacken, hat sich ein Kompetenzteam zusammengefunden – allerdings nicht wissentlich, eher zufällig. „Ich wusste nicht, dass Timo Göhler und Lorenz Baum laufen“, sagt Simon Stützel und findet das prima. Unabhängig von den Mitstreitern ließ er aber schon bei der Anmeldung anklingen, dass er sich vorstellen könnte, die Bestzeit anzugehen. Und dafür gibt es gute Gründe. „Bei der Halbmarathon-DM in Freiburg bin ich 1:04,45 gelaufen, wurde Vierter. Diese Zeit hätte früher dicke gereicht, um Deutscher Meister zu werden“, blickt Stützel auf diesen extrem schnellen Lauf zurück. Die Zeit ist, siehe oben, aber bedeutend schneller als der ominöse Rekord.

Um bei schnellen Zeiten zu bleiben, die Stützel 2019 schon gelaufen ist: 2:18,58 Stunden wurden beim Marathon in Düsseldorf aktenkundig, den er als Zweiter in der DM-Wertung beendete. „Auf den letzten sieben Kilometern hatte ich schlimme Krämpfe und deshalb einige Zeit verloren“, sagt der Karlsruher. Wäre schon interessant zu wissen, wohin die Reise ohne Krampf gegangen wäre.

Das sieht man dann vielleicht in Berlin, wo der 32-Jährige erneut die 42,195 Kilometer in Angriff nimmt. Genau deshalb passt auch die halbe Distanz im Ermstal bestens in den Trainingsplan. Simon Stützel war zwar noch nie da, kennt sich aber aus. Seine Frau stammt aus Pliezhausen, deshalb erkundet er des öfteren die Umgebung. „Florian Neu ist ein guter Kumpel. Der hat mir schon viel den Ermstal-Marathon erzählt. Der Bezug ist also durchaus da.“ Und letztendlich ist es ja sowieso klar, was zu tun ist. Von Metzingen nach Bad Urach laufen und wieder zurück.

Viele Verletzungen

Laufen konnte Simon Stützel nicht immer. Nachdem die Karriere recht steil nach oben ging, bremsten ihn Verletzungen immer wieder aus. Ein Läuferknie war es 2015, 2017 eine Stressfraktur im rechten Mittelfuß. 2018 hatte er eine unliebsame Begegnung mit einem Radfahrer und dessen Gefährt. Eine schlimme Bauchverletzung war die Folge. Auch eine Stressreaktion im Wadenbeinköpchen zwang ihn zur absoluten Ruhe.

Der Renner

2019 geht es wieder voran, wie die gelaufenen Zeiten es dokumentieren. Und deshalb ist klar, dass mit Simon Stützel beim Ermstal-Marathon zu rechnen ist. Um es ein weiteres Mal zu erwähnen: Der Halbmarathon ist heuer dort der absolute Renner.

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Unternehmer und Fernseh-Kommentator


Simon Stützel ist in der Lauf-Szene nicht nur als Aktiver eine feste Größe. Mit seiner Firma Scholarbook vermittelt er Leichtathletik-Stipendien in die USA. „Die Sportförderung liegt mir sehr am Herzen. Deshalb habe ich es zu meinem Beruf gemacht und seit 2009 über 2500 Leute an Universitäten in die USA vermittelt. Dort werden sie gefördert, in Deutschland bekanntlich kaum“, sagt Stützel. Timo Göhler (Mehrstetten) hat er zum Beispiel ein Stipendium verschafft, aktuell studiert und trainiert Leah Hanle (Holzelfingen) in den Staaten – und wird immer schneller.
Ein paar Mal im Jahr ist Stützel zudem als Fernseh-Kommentator bei Eurosport tätig. Er widmet sich auch dort voller Hingabe den Langstrecken-Rennen.      wose