Metzingen / Wolfgang Seitz  Uhr

Das Leben eines Läufers schreibt schon manchmal unglaubliche Geschichten. Da hat der Dettinger Dominik Notz in der Heimat schon unzählige Trainingskilometer heruntergespult – und war trotzdem nur ein Mal beim Ermstal-Marathon dabei. Er weiß noch genau, wann das war. „Bei der ersten Veranstaltung überhaupt war ich mit dem Rad Führungsfahrer für den Marathon“, so Dominik Notz. Ohne Fahrrad hat es bisher nicht geklappt.  Immer wieder hatte das Langstrecken-Ass andere Verpflichtungen, beziehungsweise weilte in den USA, wo er per Stipendium seine Studien der Biochemie vorantrieb, die sportliche Karriere an einem College selbstverständlich auch.

Alles wird passend gemacht

Jetzt passt es, beziehungsweise es wird passend gemacht. „Die Bahnsaison ist bald vorbei, meine Vorbereitung auf den Frankfurt-Marathon beginnt am 21. Juli“, rechnete Dominik Notz flugs nach und kam zum Schluss, dass der Ermstal-Marathon eine Woche zuvor noch wunderbar in den Kram passt. Mit Notz ist nicht nur ein Lokalmatador, sondern auch ein Sieganwärter auf bekannten Pfaden unterwegs.

Sechs Monate war der Dettinger im vergangenen Jahr raus. Die Achillessehne bremste den schnellen Mann auf Null herunter. Mittlerweile läuft es (er) wieder ganz geschmeidig. Zum Beispiel im April bei der Deutschen Meisterschaft in Freiburg im Halbmarathon als Zweiter ins Ziel (1:04:27 Stunden). Nur denkbar knapp an der persönlichen Bestmarke vorbei (1:04:23). Über zehn Kilometer hat er 2019 29:25:96 Minuten stehen, gelaufen in Essen. Auf der Straße stehen als Bestzeit 29:42 Minuten. „Wenn ich beim Ermstal-Marathon mitmache ist es schon mein Anspruch, auch zu gewinnen“, sagt der 25-Jährige – und schiebt ein bisschen schüchtern nach, „auch mit Streckenrekord“. Den hat Timo Göhler (noch) inne: 31:02.

Göhler gehört zu den wenigen deutschen Läufern, vor denen Dominik Notz Respekt haben muss. Deshalb kommt es sicher nicht von ungefähr, dass sich die Beiden im Ermstal aus dem Weg gehen. Timo Göhler hat sich für den halben Marathon entschieden, wollte es sich aber noch einmal final durch den Kopf gehen lassen. Notz rennt den Zehner – egal was oder wer kommt.

Der Dettinger ist unterwegs für für die LG Telis Finanz Regenburg, pendelt derzeit. Als Biochemiker arbeitet er für ultraSports in Kusterdingen, dem Spezialisten für Sporternährung. „Ich bin dort wissenschaftlicher Zuarbeiter, beschäftige mich mit Forschung und Entwicklung“, umschreibt Notz den Job.

Freiräume fürs Laufen schafft er sich, wann immer es geht. Dieser Tage weicht er, der Vernunft folgend, auf den frühen Morgen und den späteren Abend aus. Die Umfänge werden demnächst hochgefahren. Für den 27. Oktober ist das Marathon-Debüt in Frankfurt geplant. Mit 26 Jahren könne man das ruhig einmal in Angriff nehmen. In Berlin (29. September) schnuppert Notz Marathon-Luft, ist als Tempomacher unterwegs.

Tempo kann er

Das kann er nun auch schon in Metzingen ein bisschen. Nach getaner Arbeit über zehn Kilometer wird er zumindest jenen zugucken, die den großen Kanten absolvieren. Das Tempomachen muss er nicht extra üben – weil er es kann. Bis er dies auf der Rennstrecke zwischen Bad Urach und Metzingen zeigen kann, will er noch Wichtiges erledigen. Seinen Bruder Florian, einen der besten deutschen Skilangläufer, würde er gerne zu einer Teilnahme überreden. „Das ist zwar noch weit weg für ihn, aber ich arbeite weiter daran“, verspricht der „kleine“ Bruder. Er kann ganz schön hartnäckig sein. Das haben Läufer so an sich.