Metzingen Ermstal- da läuft was

Metzingen / Anne Laaß 07.07.2018

Schwitzen, Zähne zusammenbeißen, das Ziel fokussieren und allem voran, den inneren Schweinehund überwinden: Das haben die Teilnehmer der SÜDWEST PRESSE-Aktion „Ermstal – da läuft was“ in den vergangenen Monaten gemacht. Sie haben seit März trainiert, und das bei Wind und Wetter. Ob Schnee, Schneeregen, Regen oder Sonnenschein, die Jogger und Nordic Walker haben sich nicht entmutigen lassen und den Witterungen getrotzt.

Fast vier Monate später scheinen die anfänglichen Strapazen und Schwierigkeiten wie weggewischt. „Manche konnten am Anfang vielleicht eine halbe Runde joggen, jetzt schaffen sie Kilometer“, sagt einer der Lauftrainer, Herbert Dobberstein. Und wer denkt, dass die Gesichter verbissen aussehen, der irrt. Nach den Trainingseinheiten strahlen viele der Teilnehmer. Ob es an den persönlichen Bestleistungen liegt oder an der viel gelobten Gruppendynamik, lässt sich nur mutmaßen. Fakt ist allerdings, dass beim Probelauf, von Bad Urach nach Metzingen, alle Jogger ins Ziel gekommen sind. „Wir haben sie begrüßt, als sie über die Ziellinie gelaufen sind, das war ein berührender Moment“, erzählt Dobberstein. Für einige Teilnehmer war es sogar das erste Mal, dass sie zehn Kilometer am Stück gelaufen sind. Die Ergebnisse lassen sich also sehen.

Die Läufer haben sich zu Beginn des Trainings in Gruppen eingeteilt. Bei rund 100 Teilnehmern eine gute Möglichkeit, um jedem die richtige Technik beizubringen. Oder auch, um sich gegenseitig zu motivieren. Neben einer Einsteigergruppe gibt es selbstverständlich auch welche für die erfahrenen Läufer. Unter den Teilnehmern gibt es schließlich auch Jogger, die bereits das zweite oder dritte Mal bei der Aktion mitmachen. Für sie sind die schnelleren Gruppen gedacht, um die Ausdauer weiter zu fördern, aber auch, um die Technik nicht außer Acht zu lassen.

Die Gruppendynamik

Da stellt sich die Frage, was bringt die Menschen dazu, sich mehrfach an der Aktion zu beteiligen? Beantwortet wird sie oftmals zunächst mit einem Lächeln. Dann folgt die Erklärung: Es geht um die Gemeinschaft, das Miteinander und darum, sich gegenseitig zu animieren. Die Läufer schwärmen von der ganz eigenen Gruppendynamik, die einen dazu verleitet, dass Beste zu geben. Die Ziele sind dabei ganz unterschiedlich.  So wollen die einen ihren persönlichen Rekord knacken, die anderen wiederum wollen statt der zehn Kilometer den Halbmarathon laufen. Vorbereitet werden sie dafür unter anderem von den Trainern Uwe Euchner, Sascha Tyralla und Herbert Dobberstein von den Leichtathleten der TuS Metzingen. Und die Männer haben ihre Gruppen im Griff. Während der innere Schweinehund sich lautstark zu Wort meldet, motivieren die stets gut gelaunten Trainer die Teilnehmer. Kein Wunder, denn Sport macht ­glücklich.

Grillfest zum Abschluss

Nach monatelangem Üben wurden die Jogger und die Nordic Walker mit einem Grillfest belohnt. Während die einen ihre Runden in und um das Stadion drehen, bereiten die Organisatoren alles vor. Die Bänke stehen, die Tische sind sauber und die Roten scheinbar gut. Die Schlange der Würstchen-Abhol-Station ist jedenfalls lang. An den Tischen wird bis in den Abend hinein über Sport, den bevorstehenden Ermstal-Marathon und die vergangenen Monate philosophiert.

Die Erkenntnis: Man ist schneller, fitter und hat neue Bekanntschaften gemacht. Warum dann eigentlich mit dem Sport aufhören? Herbert Dobberstein erzählt, das sei eines der Phänomene der Gruppendynamik. Die Laufaktion bringt Menschen zusammen und viele von ihnen trainieren bei Wind und Wetter. Das bestätigt auch einer der Läufer. „Wir sind das ganze Jahr über weitergelaufen“, sagt Robert Janz. Trotz allem hat er sich entschieden, wieder bei „Ermstal – da läuft was“ mitzumachen. Und er würde es auch 2019 wieder wagen. „Die Gruppe ist absolut toll“, begründet er seine Entscheidung. Dem stimmen Sabine und Kim Salzer zu: „Es ist irgendwie ein gewisser Druck da, auch hinzugehen, selbst wenn man keine Lust hat.“ Das Mutter-Tochter-Gespann ist das erste Mal dabei, und übt sich seit März im Nordic Walking.

Die Fortschritte bei ihnen sind sichtbar. Die Zeiten, in denen Trainerin Michaela Bühner neben Kim Salzer lief, und ihr das rhythmische Klackern der Stöcke, mit beschwingtem Gang demonstriert, gehören der Vergangenheit an. Nun geht es bergauf, bergab und kilometerweit durch die Metzinger Wälder. Gut trainiert starteten auch die Nordic Walker vor Kurzem ihren Probelauf von Dettingen nach Metzingen. Ebenso wie bei den Läufern, waren viele Teilnehmer freudig überrascht, die Distanz geschafft zu haben – und das ganz ohne Muskelkater. Diese Generalprobe zeigte den Teilnehmern, welche Fortschritte sie in den vergangen Monaten gemacht haben. Doch zuvor hieß es üben. Die Technik ist das A und O, und nicht leicht zu erlernen. Die Trainerinnen Michaela Bühner, Christine Koch, Hanna Boßler und Marianne Friessnig sind von der Skizunft Metzingen. Sie haben zu Beginn der Laufaktion vor allem darauf geachtet, dass die Abläufe korrekt ausgeführt werden. Was bei den Profis leicht, locker und nicht anstrengend wirkt, ist in der Praxis doch kniffelig. Schließlich ist der ganze Körper in Bewegung.

Sport statt Spaziergang

Für manche gehört Nordic Walking eher in die Sparte Spazieren statt Sport, doch derjenige täuscht sich. Bei hohem Tempo und richtigem Stockeinsatz „erreichen wir die Pulsfrequenz eines Joggers“, erklärt Michaela Bühner. Für die Frischlinge in dem Bereich war der Start dennoch etwas holprig. Anfangs raunten manche noch, „den Stock kann ich nicht loslassen“, „wie soll das denn alles gehen?“, „das lerne ich nie“. Mit reichlich Tipps, Erklärungen und viel Training hatte sich das Stolpern über die eigenen Stöcke aber alsbald erledigt. Mittlerweile haben wohl alle ihren eigenen Rhythmus gefunden.

Und das ist den Trainerinnen wichtig. „Jeder soll in dem Tempo laufen, in dem er sich wohl fühlt“, sagen Koch und Bühner. Zu Beginn wurden die 53 Teilnehmer ebenfalls in Gruppen eingeteilt. Wer noch unsicher war, ging zu den Technikern, wer bereits einen Kurs absolviert hatte, schloss sich den schnelleren an. Nach und nach haben sich diese Grenzen aber verschoben. Anfänger sprinten gekonnt nach vorn, zu denen, die bereits mehrfach an der Aktion teilgenommen haben.

„Wir sind ein großer Haufen geworden“, beschreibt Michaela Bühner die Gruppe. Auch bei den Nordic Walkern hat sich in kurzer Zeit eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Aus vormals Fremden sind nun Freunde geworden und die wöchentlichen Treffen ein fester Bestandteil. Aus den Überlegungen, was nach dem Ende der Laufaktion passiert, ist nun Klarheit geworden. Es geht weiterhin durch Metzingens Waldpfade.

Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Aktion funktioniert. Sie hat in diesem Jahr über 100 Teilnehmer auf den Ermstal-Marathon vorbereitet. Im Training standen aber nicht allein Technik und Disziplin im Fokus, sondern auch Spaß und Geselligkeit. Sowohl Jogger als auch Nordic Walker hoffen, wie sie sagen, auf eine Fortsetzung von „Ermstal – da läuft was“. Da ist es egal, ob sie leichtfüßig wie ein Jogger ihre Runden drehen oder mit einem Stockschub den Körper in Bewegung bringen. Letztlich zählt nur, die persönlichen Ziele erreicht zu haben. Für manche ist das morgen der Fall, beim zehnten Ermstal-Marathon.

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