Kommentar Erfreulich peinlich

 Nicole Wieden, niw Portrait
Nicole Wieden, niw Portrait © Foto: Peter Kiedaisch
St. Johann / Nicole Wieden 07.12.2018

Absurderweise hat es auf Journalisten eine ungemein beruhigende Wirkung, wenn im Berufsalltag auch anderen armen Seelen Tippfehler unterlaufen. Sie sind peinlich und führen stets zu einer beeindruckenden Flut an Kritik. Bei einer Finanzverwaltung kommt erschwerend hinzu, dass sich jede falsche Taste auf die Zukunft ihrer Gemeinde auswirkt. Das ist dann nochmal gesteigertes Leid. Für den Gemeinderat allerdings ist dieses Malheur ein Segen in doppelter Hinsicht: Zum einen befindet sich unverhofft ein Milliönchen mehr in der Kasse, zum anderen hat er nun die Gelegenheit, eine offensichtliche Fehlentscheidung rückgängig zu machen. Wäre aus der schicksalshaften Drei nicht nur eine Zwei, sondern gleich eine Eins geworden, möchte man sich gar nicht vorstellen, was dem Gremium noch so alles eingefallen wäre. Zumindest nicht, wenn man bedenkt, wie exzessiv so manches Mitglied bei den Beschlüssen seine Freude am Sparen zum Ausdruck bringt. Dass nämlich alles – auch des Schwaben größte Tugend – seine Grenzen hat, beweist der gegenwärtige Zustand der Würtinger Schule: Ausgerechnet einer jener Orte, die dem St. Johanner Leitbild zufolge junge Familien dazu bewegen soll, auf das Land zu ziehen. Für die Äußerung, dass nicht jede Milchkanne in Deutschland einen Anschluss an das 5G-Netz benötige, musste die Bildungsministerin erst kürzlich ordentlich Kritik einstecken. Die selbe gebührt auch dem Gemeinderat, wenn er an der Ausstattung seiner Schüler spart. Wer hätte vermutet, dass ein Tippfehler des großen Fehlers Lösung ist.

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