Vordere Alb Entscheidung zum Erlebnisfeld naht

Noch steht an den keltischen Grabhügeln nur eine Hinweistafel. Wenn der Zuschuss des Landes stimmt, entsteht hier das „Erlebniszentrum Heidengraben“.
Noch steht an den keltischen Grabhügeln nur eine Hinweistafel. Wenn der Zuschuss des Landes stimmt, entsteht hier das „Erlebniszentrum Heidengraben“. © Foto: Michael Koch
Vordere Alb / Michael Koch 07.12.2018

Es könnte ein schönes Weihnachtsgeschenk für die Region werden. Noch vor der Feiertagspause will das Regierungskabinett in Stuttgart einen Beschluss zur Förderung von keltischen Fundstätten in Baden-Württemberg fassen. Etliche Millionen Euro sollen sich in dem Fördertopf des kommenden Doppelhaushaltes befinden, über exakte Zuteilungen ist derzeit noch nichts bekannt oder es wird zumindest öffentlich nichts verraten. Ein wenig Geduld ist also noch gefragt.

Für die Region ist die Entscheidung deswegen spannend, weil, wie schon mehrfach berichtet, die Gemeinden Hülben, Grabenstetten und Erkenbrechtsweiler im Bereich des sogenannten Burrenhofes die Errichtung des „Erlebnisfeld Heidengraben“ planen. Schon 2015 haben die drei Gemeinderäte für die Planung die Signale auf grün gestellt. Schließlich befinden sich im Bereich der drei Kommunen die Überreste der größten keltischen Siedlung in ganz Mitteleuropa, mehr als 1000 Jahre alt. Um das Leben in der damaligen Zeit sicht- und erlebbar zu machen, dazu ist das Informationszentrum gedacht. Kernstück soll eine 70 Meter breite 3D-Wand werden, auf der die Szenerie von damals realitätsnah wiedergegeben wird. Aber auch interaktive Stationen soll das Erlebnisfeld beinhalten. Dazu einen Aussichtsturm, um die ganze Dimension des einstigen Oppidums erfassen zu können. Veranschlagt waren die Kosten einst mit rund 4,5 Millionen Euro, durch die Erhöhung der Baupreise wird man nun eher von einem Bereich von fünf Millionen Euro ausgehen müssen. Diese Summe hätten die drei Kommunen gerne als Zuschuss vom Land, haben sie selbst doch bereits mehrere hunderttausend Euro in die Projektierung gesteckt.

Zweistelligen Millionenbetrag

Einem an die Öffentlichkeit gelangten Papier nach sieht der Beschlussvorschlag für das Kabinett vor, für das Keltenzentrum Heuneburg (Kreis Sigmaringen) einen zweistelligen Millionenbetrag zur Verfügung zu stellen. Hier soll das Zentrum eines Netzwerkes entstehen, zu dem dann auch neben anderen Projekten der Heidengraben auf der Alb zählt. Für die anderen Projekte (der Ipf im Ostalbkreis, der Hohenasperg im Kreis Ludwigsburg und der Münsterhügel im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) sollen in Summe weitere fünf Millionen Euro für Investitionen zur Verfügung stehen. Ob dieses Geld allerdings komplett in das Erlebnisfeld Heidengraben fließen wird, ist noch offen.

Wir freuen uns zunächst mal, dass wir mit auf dem Zettel sind und usnere Bemühungen der Vergangenheit somit Berücksichtigung finden“, freut sich Hülbens Bürgermeister Siegmund Ganser. Zum jetzigen Zeitpunkt über Summen zu spekulieren, sei allerdings Kaffeesatzleserei. Ihm seien allerdings von den anderen Standorten keine Pläne für größere Investitionen bekannt. Die Hoffnung auf eine ordentliche Finanzspritze besteht also durchaus. „Ich gehe davon aus, dass wir die Mittel bekommen, die wir zur Umsetzung des Projekts benötigen“, wagt Ganser eine Prognose.

Gesamtkonzept für alle Kelten-Destinationen

Diesbezüglich noch nicht in die Karten schauen lassen will sich der CDU-Landtagsabgeordnete und Fraktionsvize Karl-Wilhelm Röhm. Er war zusammen mit seinem Grünen-Kollegen Andreas Schwarz dafür verantwortlich, dass in dem Beschlussvorschlag ein Gesamtkonzept für alle Kelten-Destinationen im Land Berücksichtigung findet. „Wir möchten, dass die Standorte miteinander vernetzt sind. Wer die Heuneburg besichtigt, soll dort auch auf den Heidengraben neugierig gemacht werden und umgekehrt“, erklärt Röhm die Überlegungen. „Voneinander profitieren statt konkurrieren“ lautet die Devise. An einem schlüssigen Konzept dazu, wie diese Vernetzung sinnhaft stattfinden könnte, fehle es augenblicklich noch. Außerdem sei die Frage der Übernahme von Folgekosten noch nicht geklärt, „wenn man Einrichtungen schafft, müssen die ja auch unterhalten werden“, stellt Röhm fest. Angeblich sind dafür 700 000 Euro aus Landesmitteln pro Jahr vorgesehen.

Die „Arbeitskreise Wissenschaft“ von Grünen und CDU (das Wissenschaftsministerium ist für das Thema „Kelten“ zuständig) befassen sich dieser Tage nochmals mit den offenen Fragen, „wenn alles gut läuft, dann geht schon nächste Woche eine Kabinettsvorlage raus“, so Röhm. Auf die dann folgende Abstimmung darf man entlang des Heidengrabens gespannt sein.

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