Metzingen / CAROLA EISSLER Überwältigt von der Spendenfreudigkeit der Metzinger ist der Arbeitskreis Asyl. Die Fahrradwerkstatt "Rad und Tat" konnte in den vergangenen Wochen mehr als 100 Fahrräder an Flüchtlinge weitergeben.

Vollgesteckt mit Fahrrädern ist die Werkstatt von "Rad und Tat", die Fahrrad-Werkstatt des Arbeitskreises Asyl. Zusätzlich stehen draußen vor der Tür eine Handvoll Räder, die nicht mehr in Schuss sind. "Das ist unser Ersatzteil-Lager", schmunzeln Martin Mages und Peter Flämig, die die Radwerkstatt betreuen.

Im Frühjahr ging "Rad und Tat" an den Start und eröffnete am alten E-Werk, kaum 300 Meter von den Asylbewerberunterkünften in der Friedrich-Münzinger-Straße entfernt, die 50 Quadratmeter große Werkstatt für Räder aller Art. Damen-, Herren- und Kinderräder, alte Dreigangräder und neuere Räder mit Mehrfachschaltung, Stadträder und Mountainbikes: kurzum, alles was zwei Räder hat, steht derzeit dort. "Die Spendenbereitschaft der Metzinger war enorm und ist immer noch ungebrochen", freuen sich Martin Mages und Peter Flämig, die "Rad und Tat" innerhalb des Arbeitskreises Asyl betreuen. Mehr als 100 Fahrräder konnten inzwischen weitergegeben werden. Für die Flüchtlinge bedeutet das Zweirad weit mehr, als nur einen fahrbaren Untersatz: Für sie ist es ein Stück Freiheit. "Besonders die Kinder freuen sich riesig."

Martin Mages hat das richtige Händchen und den richtigen Blick fürs Rad: Er richtet die Zweiräder her, macht sie verkehrssicher sofern Mängel bestehen. Und er hat bei den Asylbewerbern inzwischen sogar einen Mitstreiter gefunden: Igor aus Serbien, der seit acht Monaten mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Metzingen lebt, macht das Reparieren und Schrauben am Rad enorm Spaß. Er kümmert sich in der Unterkunft an der Friedrich-Münzinger-Straße um die Räder und hilft, wenn es ein technisches Problem gibt.

Hilfe bekam "Rad und Tat" aber nicht nur von Bürgern. Auch die lokalen Fahrrad-Geschäfte sehen in der Gruppe keineswegs eine Konkurrenz, sondern unterstützen großzügig. So kommt "Rad und Tat" über die Geschäfte günstig an Ersatzteile und so mancher Inhaber hat Räder auch schon an den AK Asyl verschenkt.

Vernetzung ist alles, das gilt auch für die Asylarbeit im gesamten Ermstal. "Rad und Tat" ist in Kontakt mit anderen Asyl-Arbeitskreisen, da werden dann auch schon mal Fahrräder nach Riederich oder Bad Urach gegeben. Man sei stets um gute Zusammenarbeit bemüht. "Jeder einzelne Arbeitskreis muss ja das Rad nicht neu erfinden", sagt Mages. Zumal die Kooperation den Flüchtlingen zugute kommt.

Fahrräder gibt es derzeit genügend, aber es fehlt noch immer an Mitarbeitern bei "Rad und Tat". Denn bislang ist die Werkstatt unregelmäßig geöffnet, je nachdem, wie die derzeit vier Mitarbeiter Zeit neben dem Berufsalltag finden. "Wir würden gerne regelmäßig öffnen, mindestens vierzehntägig. Optimal wäre natürlich, einmal pro Woche die Werkstatt zu öffnen", sagen Mages und Flämig. Eine solche Mitarbeit würde sich durchaus auch für jemanden anbieten, der bislang keinen Kontakt zum AK Asyl hatte, betonen Mages und Flämig.

Info Gesucht werden Leute, die Freude haben, bei "Rad & Tat" mitzuarbeiten. Interessenten melden sich unter der Mailadresse rad-und-tat@arbeitskreis- asyl-metzingen.de oder unter (0 71 23) 957 04 29 bei David Roth.