Grafenberg Eine kreisrunde Visitenkarte

Grafenberg / Anne Laaß 22.06.2018

Die scheinbar unendliche Geschichte wird wohl planmäßig abgeschlossen werden: Die Ortsumfahrung der B 313 ist bereits sichtbar. Das heißt für den Gemeinderat Grafenberg, sich den weiteren damit verbundenen Aufgaben zuzuwenden. In der jüngsten Sitzung des Rates wurde über die Lärmschutzwand und die nötigen Kreisverkehre gesprochen.

Zunächst berieten die Grafenberger über die Farbe der geplanten Lärmschutzwand. Vorgesehen ist sie im Bereich des Sportplatzes. Sie soll die Anwohner vor etwaigem Lärm schützen. Bürgermeisterin Annette Bauer und Oberbaurat Mathias Kröger vom Regierungspräsidium Tübingen informierten den Rat über die möglichen Varianten der Wand. Annette Bauer empfahl im Namen der Verwaltung, sich für einen beidseitig absorbierenden Lärmschutz zu entscheiden. „Die Kosten für den einseitigen und beidseitigen sind gleich“, erklärte die Bürgermeisterin. Außerdem, so ließ das RP mitteilen, würde der einseitige Schutz im Bereich des Sportplatzes zu Problemen.

Achat- und Lichtgrau

Ein weiterer Punkt, der vom Rat entschieden wurde, war die Farbe der Wand. „Im Sinne der Verkehrssicherheit sollte es nichts Auffälliges sein“, erklärte Kröger. Bürgermeisterin Bauer zeigte derweil Beispiele von Lärmschutzwänden aus der Region. Gemeinderätin Gabriele Ascher (SPD) fragte im Laufe der Präsentation nach, ob denn eine Holzwand in Frage käme. Kröger verneinte das. Diese Variante sei in der Unterhaltung zu teuer. Er empfahl dem Rat,sich für gedeckte, matte Farben auszusprechen. Eine Grünvariation stieß kaum auf Zuspruch, dafür aber die Achat- und Lichtgraue. Das Beispielexemplar ist auf der Bundesstraße 28 in der Nähe von Neuhausen zu sehen. Die Grafenberger Wand wird aus einzelnen ­Steckelementen bestehen, die auf einem Betonsockel angebracht werden. Einmal jährlich soll die Wand durch das RP geprüft werden, sagte Kröger. Rudolf Rampf (CDU) fragte noch nach, ob es die Möglichkeit eines Graffiti-Schutzes gebe. „Ich weiß nicht, wie die Graffiti-Szene bei Ihnen ist“, scherzte Kröger. Annette Bauer gab Entwarnung. Von einem solchen Schutz wird daher zunächst abgesehen.

Der Gemeinderat entschied sich einstimmig für diese Varian­te. Finanziert werden soll die Lärmschutzwand mit Mitteln aus dem Haushaltsplan. Bereitgestellt sind 400 000 Euro. Eingeplant sind zudem Fördermittel von 300 000 Euro aus dem Ausgleichsstock. Bewilligt wurden sie jedoch noch nicht. Die Kosten für die Lärmschutzwand sollen laut Berechnung des Regierungspräsidiums allerdings bei rund 412 000 Euro liegen. Da die Arbeiten noch nicht vergeben wurden, gibt es bislang keine genauen Angaben über die tatsächlichen Kosten. Baubeginn ist im Herbst.

Kreativer wurden die Ratsmitglieder und die Verwaltung beim Thema Kreisverkehr. Christof Weigel vom Architekturbüro Baldauf hatte zwei besondere Vorschläge im Gepäck. Zum einen orientierte er sich an der Silhouette der Gemeinde, die sichtlich vom Grafenberg dominiert wird. Daher schlug er vor, „eine Visitenkarte“ für die Gemeinde zu schaffen. „Es soll nichts Kleinteiliges sein“, so Weigel. Der Rat hatte sich für eine Magerrasenvariante ausgesprochen. Daher sei Folgendes denkbar: Rosen könnten einen Kreis um eine etwas weiter oben angepflanzte Hecke bilden. Der Vorschlag kam zunächst gut beim Rat an. Mit der Blumenauswahl schien Weigel den Geschmack der Grafenberger getroffen zu haben. Die Hecke jedoch wurde mehrfach als eher unschön betrachtet. Für Diskussionsstoff sorgte indessen die zweite Idee Weigels. Im unteren Bereich sind Wildrosen zu sehen, oben thronen Rebstöcke. Das Bild erinnert unweigerlich an das Wappen der Gemeinde. Gabriele Ascher lobte den Gedanken, die Kreisverkehre als Visitenkarte Grafenbergs zu nutzen.

Kreative Vorschläge

Aber es gab nicht nur Lob für die Weinreben. Im Herbst seien sie kein schöner Anblick, merkten einige Gemeinderäte an. Manfred Knöll (CDU) hingegen kritisierte die Idee der Rebstöcke gänzlich: „Das weckt bei Besuchern die Erwartung einer Weinbaugemeinde.“ Kontra gab es von einem Ratskollegen, der anmerkte, dass die Weinreben auf dem Wappen seien. Knöll konterte damit, dass der Bezug zum Wein aber nicht mehr den Tatsachen entspricht. „Es ist ein historisches Wappen“, erklärte er weiterhin. Einig waren sich die Räte jedoch darin, dass die künftigen Kreisverkehre den Auftakt der Gemeinde bilden, die Kosten für den Unterhalt aber gering gehalten werden und die Pflanzen jahreszeitenübergreifend sein sollen. Zudem müsse auch rechtlich alles abgestimmt werden. „Was, wenn im Herbst die Blätter fallen?“, fragte Fraktionskollege Wolfgang Held. Die Verkehrssicherheit dürfe bei all der Planung nicht außer Acht gelassen werden. Eine endgültige Entscheidung über das Aussehen der Kreisverkehre soll im Juli in der nächsten Sitzung des Gemeinderates getroffen werden.

Mit dem Bau der beiden Kreisverkehre für die Ortsumfahrung soll bereits im August dieses Jahres begonnen werden. Die Kosten für den Magerrasen liegen bei rund 1500 Euro.

Ein Symbol für Grafenberg

Das Bild zeigt einen der Vorschläge des Architektenbüros. Er orientiert sich am Wappen der Gemeinde, die vormals für den Weinanbau bekannt war. Der Kreisverkehr solle Grafenberg in gewisser Weise widerspiegeln.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel