Neckartenzlingen Eine wertvolle Spur hinterlassen

Hans Schäfer, der neue Ehrenbürger (Mitte), mit seiner Frau Rose und Bürgermeister Herbert Krüger.
Hans Schäfer, der neue Ehrenbürger (Mitte), mit seiner Frau Rose und Bürgermeister Herbert Krüger.
Neckartenzlingen / EVA FOCHT-RABEL 08.12.2012
28 Jahre Bürgermeister, seit fast 20 Jahren im Ruhestand: Jetzt hat Hans Schäfer das Ehrenbürgerrecht verliehen bekommen. Die anschließende Bürgerversammlung ging da fast unter.

Ehre, wem Ehre gebührt. Als Hans Schäfer unter sieben Bewerbern 1965 zum Bürgermeister gewählt worden war, hatte die Gemeinde gerade mal 3200 Einwohner. Als Schäfer im Jahr 1993 sein Amt abgab, hatte sich die Einwohnerzahl fast verdoppelt, nämlich auf über 6000. Und vieles hatte sich im Ort verbessert, wie Bürgermeister Herbert Krüger am Donnerstag in seiner Laudatio aufzählte, bevor er seinem Ex-Ex-Vorgänger das vom Gemeinderat beschlossene Ehrenbürgerrecht verlieh.

Nach dem musikalischen Auftakt durch den Musikverein Neckartenzlingen ging Krüger in der gut besetzten Melchiorfesthalle "in vier Kapiteln" auf das Wirken von Hans Schäfer ein. Das erste war der Blick zurück auf einen noch eher landwirtschaftlichen geprägten Ort, der sich wirtschaftlich entwickelte, dem aber in der Infrastruktur noch vieles fehlte. Damit war man schon beim zweiten Kapitel, nämlich den Aufgabenfeldern der Anfangszeit. Das waren vor allem die fehlende Weiterbildung für Schüler, nicht genügend Wohngebiete, die Notwendigkeit des Straßenausbaus mitsamt erforderlichen Kanälen.

Und eben die Schulbildung. Schäfer setzte sich ein für das Schulzentrum - wie er später berichtete, ging damals kaum ein Kind aus der Gemeinde auf eine weiterführende Schule. In den 60er Jahren legte er die Grundlagen für eine gemeinsame Schule mit den umliegenden Gemeinden. Deren Busversorgungssystem ist heute noch landesweit eine Ausnahme, auch wenn die Kostenbeteiligung für das Zentrum bis heute immer wieder Streitpunkte im Nachbarschaftsverband sind.

Das Maihochwasser 1978 - kurz nachdem der Gemeinderat eine entsprechende Schutzvorlage - abgeschmettert hatte, sorgte dafür, dass nach der Katastrophe relativ zügig der Hochwasserschutz angegangen wurde und man, auch vom Land gefördert, rund 15 Millionen Mark für die Sicherung aller Wohn- und Gewerbeanlagen beidseits im Neckartal und im Ortskern ausgab. Mit dem Erwerb des Melchior- und Junkersgeländes bekam die Gemeinde nicht nur wichtige Flächen für die Zukunft (Festhalle, Feuerwehr, jetzt Kita), auch konnten große Gewinne erwirtschaftet werden. Schäfers uneingeschränkter Verdienst war der Gemeindeverwaltungsverband, mit dem auch Altdorf, Altenriet, Bempflingen, Neckartailfingen und Schlaitdorf ihre Selbstständigkeit erhalten konnten.

Hans Schäfer war auch über die kommunalen Grenzen hinaus aktiv, Krüger erwähnte verschiedene Ämter, mit denen Schäfer "eine wertvolle, engagierte Spur hinterlassen hat". 1993 bekam der Bürgermeister a. D. dafür auch das Bundesverdienstkreuz. Nach der Tätigkeit als Bürgermeister engagierte sich Schäfer beispielsweise jahrelang am Aufbau des Kommunalen Sächsischen Rechenzentrums, übernahm die Geschäftsführung der Diakonie-Station Aich-Erms-Neckartal, als diese vor dem Zusammenbruch stand und brachte sie ebenso auf eine erfolgreiche Spur wie den TSV Neckartenzlingen, als dieser in viele Untervereine zu verfallen drohte. Und natürlich ist da auch noch der Kulturring, den das Ehepaar Schäfer mit aufbaute und die Interessengemeinschaft für Neckartenzlinger Ortsgeschichte (INO), wo sich Hans und Rose Schäfer engagieren.

In seiner Dankesrede fühlte sich Hans Schäfer "geehrt, dass man sich so lange nach Ende seiner Amtszeit noch seiner Person erinnert". Und es stärke ihn in dem Glauben, einiges richtig gemacht und Wegmarken gesetzt zu haben, auf die man aufbauen und weiterarbeiten konnte. Besonders auf das Schulzentrum ging er nochmals ein. Die Vorstellung war damals, dass 30 Prozent der Schüler weiterführende Schulen besuchen können, heute sind es in Neckartenzlingen 70 Prozent. Die große Frage nach der Bezahlung steht heute nach wie beim Gemeindeverwaltungsverband im Raum, wobei Schäfer feststellte, dass "wer großartige Baugebiete ausweisen kann, soll sich über Schülerkosten Gedanken machen".

In seinen 28 Bürgermeisterjahren hat sich fünf Mal die Zusammensetzung des Gemeinderats geändert. "Die Zusammenarbeit mit manchen Räten war sehr schwierig, manchmal schlicht nicht möglich. Die Kämpfe am Ratstisch waren zermürbend und gingen unter die Haut." Relativ gelassen kann Schäfer jetzt mit der Tatsache umgehen, dass er damals "ausgebrannt war, keine Kraft mehr hatte" und sich nicht mehr aufstellen ließ. Trotzdem engagierte er sich, abseits des Rathaus-Sessels weiterhin für die Gemeinde. "Ich denke, aus meiner Warte habe ich meine gestellten Ziele erreicht." Die Ehrung verstehe er auch nicht als für sich alleine, sondern für die Mannschaftsleistung, auch gemeinsam mit der Familie und vor allem seiner Frau Rose.

In Erinnerung an die Partnerschaft mit dem ungarischen Komló, für die Hans Schäfer ebenfalls mitverantwortlich war, spielte das Schulorchester ein Lied aus diesem Land, der Musikverein war für den schmissigen Abschluss zuständig.

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