Pliezhausen Eine unbeschreibliche Atmosphäre

Pliezhausen / Anne Laaß 19.06.2018

Die Anfeuerungsrufe im Schönbuchstadion in Pliezhausen nehmen kein Ende. Die Schüler stehen mit bunten Trikots am Geländer der Laufbahn, klatschen, schreien die Namen der Kameraden und hüpfen. Das 47. Kreis­finale für Leichtathletik hat begonnen. Im Stadion trainieren am Dienstag die Grundschüler, am Mittwoch die Realschüler und Gymnasiasten und am Donnerstag die Gemeinschaftsschüler der Landreise Tübingen und Reutlingen.

Die Zahlen sprechen für sich und sind immer noch ansteigend, wie Organisator Uli Singer erklärt. In diesem Jahr nehmen 89 Schulen mit insgesamt 216 Mannschaften teil, das sind rund 2200 Schüler. Uli Singer ist einer von vier Organisatoren, der sprichwörtlich den Staffelstab von Joachim Gommlich übernommen hat. Gemeinsam mit den Kollegen Doris Völter, Martin Beck und Susanne Sterr hat er das bewährte Erfolgsmodell vorbereitet. Singer ist seit rund 15 Jahren im EDV-Bereich tätig, um das Kreisfinale mit zu organisieren. Unterstützt wird „Jugend trainiert für Olympia“ zum einen durch die Gemeinde Pliezhausen, wie Singer sagt. Nicht nur finanziell, sondern auch durch die Hilfe des Bauhofs, der sich um das Stadion kümmert und die Hochsprunganlage stellt. Zum anderen gibt es noch Sponsoren, die Geld- oder Sachspenden für das Projekt bereitstellen.

Die Planung für das Pliezhäuser Sportereignis beginnt bereits: Die Termine für das kommende Schuljahr stehen fest, so kann das Organisations-Quartett schon festlegen, wann die Jugend 2019 wieder trainieren kann und wird. Richtig los geht es dann für die Vier im Januar, erklärt Singer. Dann gehen die ersten Anschreiben an die Schulen heraus. Nach den Rückmeldungen wird dann alles detailliert geplant. „Wir stehen im stetigen Austausch“, sagt Doris Völter. Sie hat die Helfer koordiniert und macht die Ansagen beim Kreisfinale. Völter plant die Wettkampfrichter und alle weiteren Helfer ein. Vertreten sind sieben Schulklassen, drei Achter und vier Neuner, der Gemeinschaftsschule Pliezhausen. Hinzu kommen Kollegen und Vereinsmitglieder, die die Wettkampfrichter stellen. „Und Kollegen, die bereits im Ruhestand sind“, sagt die 52-Jährige. Ohne die täglich rund 160 Helfer wäre das Leichtathletik-Spektakel wohl nicht zu stemmen. „Wir teilen uns die Organisation, aber Joachim Gommlich hat es 25 Jahre allein gemacht“, sprach sie und ergänzt: „Hut ab.“ Er habe dem Quartett eine unglaublich gute Organisation übergeben.

Und so wirkt es für die Besucher auch. Die Schüler, es sind am Dienstag zum Auftakt etwa 1100, tummeln sich im Pliezhäuser Schönbuchstadion. Die Verkehrshelfer weisen die Wege aus und der Förderverein sorgt für die Verpflegung. In den Pausen zwischen den Wettkämpfen nutzen die Grundschüler die Chance, sich etwas zu Essen zu holen oder einfach zu toben. Der Energiehaushalt scheint schier grenzenlos zu sein. Dann aber stehen die Wettkämpfe an, für manche Teilnehmer ist es der erste, der in einer solchen Atmosphäre ausgetragen wird. Die Mannschaft besteht aus zehn Schülern, die alle Disziplinen mitmachen. Dazu zählen Weitsprung, Ballwerfen und ein 50- Meter-Lauf. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, auf der Laufbahn zu stehen“, erklärt Doris Völter ihre eigenen Erfahrungen. „Ich habe als Kind hier angefangen“, sagt sie und zeigt mit der Hand auf die Rennstrecke. Es sei bei „Jugend trainiert für Olympia“ immer ein Miteinander gewesen und einfach eine tolle Atmosphäre. Genau das ist auch der Grund, warum sie sich bis heute engagiert. Ihr Kollege Uli Singer beschreibt sein jahrelanges Engagement ähnlich. „Jugend trainiert für Olympia“ sei eine Veranstaltung, die den Kleinsten bereits die Chance gibt, unter Wettkampfbedingungen ihre Leistungen zu zeigen. Solange die Schüler das Pliezhäuser Sportereignis begeistert feiern, stimmt das Konzept.

Das Miteinander wird auch dadurch deutlich, dass es Leistungssportler nach Pliezhausen ins Stadion verschlägt. Kerstin Abele war bereits zu Gast und hat den Schülern über ihre Erfahrungen berichtet. Aber auch Axel Ferdinand und Christina Holler vom Fachbereich Sport des Regierungspräsidiums Tübingen unterstützen das Kreisfinale, wie Völter bemerkt. Der Verein „Behinderte helfen Nichtbehinderten“ (BhN) ist jedes Jahr mit dabei. „Karl-Heinz Bauknecht und der BhN sind ein fester Bestandteil“, betont Völter. Die Schüler haben auch Zeit, Fragen zu stellen und die Menschen besser kennenzulernen. Die Zusammenarbeit kam durch Reiner Wahl zustande und ist nun „zum Selbstläufer geworden“, sagt die 52-Jährige. So ist es auch kein Wunder, dass die Rollstuhlfahrer den Abschluss für die Grundschüler einläuten. Während sich die Kinder auf dem Rasen der Rennstrecke versammeln, fahren die Rollstuhlfahrer des Vereins „Behinderte helfen Nichtbehinderten“ Runde um Runde. Danach erfolgt die Siegerehrung, wobei jedes Kind mit einer Urkunde bedacht wird.

Am heutigen Mittwoch werden rund 700 Gymnasiasten und Realschüler ihre leichtathletischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Am Donnerstag geht es mit 450 Schülern aus den Gemeinschaftsschulen weiter.

Grundschulen beteiligen sich

Am ersten Tag haben folgende Schulen der Region teilgenommen: GS Gniebel  Dörnach; GS Rulaman, Grabenstetten; GS Grafenberg; GS Rübgarten; GS Sieben Keltern, Metzingen; GS Hohbuch, Reutlingen; GS Laiblin, Pfullingen; GS Römerschanze, RT; GS Innenstadt, Tübingen; GS Uhland, Dettingen; GS Achalm, Eningen; GS Dorfacker+Köstlin, Tübingen; GS Freie Evangelische, Reutlingen; GMS Pliezhausen; GWRS Würtingen; GS Gutenberg, Riederich; Minna-Specht, GMS Reutlingen; GS Hermann-Kurz, Reutlingen; GWRS M.-Beger, Reutlingen; GMS Schiller, Dettingen; GS Schiller, Reutlingen; GWRS Schloss, Pfullingen; GWRS St. Wolfgang, Reutlingen.

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