Kommentar Eine Scheibe Salami

Peter Kiedaisch.
Peter Kiedaisch. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Von Peter Kiedaisch 04.08.2018

Das vermutlich spektakulärste Ereignis dieser Tage hat viele in Versuchung geführt.

Manche sind ihr gar erlegen. Ausgangs vergangener Woche wurde doch diese totale Mondfinsternis angekündigt. Als das Ereignis des Jahres schlechthin. Und klar, dass auch unser Fotograf Thomas Kiehl vollmundig ankündigte, ein Wahnsinnsfoto zu liefern. Er zog also los mit Kamera und Stativ und hoffte so sehr, zwischen sein Tele und den glutroten Mond schöbe sich im rechten Moment ein großes, vierstrahliges Großraumflugzeug. Oder eine Fledermaus. Was auch immer am Himmel unterwegs war, es schob sich jedenfalls nichts zwischen Mond und Linse. Das lag vor allem daran, dass sich der Blutmond hinter einer mit dem Staub des Sommers angereicherten Atmosphäre vor dem Fotografen so gut verbergen konnte wie ein Tarnkappenbomber vor der Radarerfassung. Man sah schlicht und einfach nichts. Also zog er wieder ab, etwas geknickt, doch mit einem Plan B im Hinterkopf. In diesem kommt sein Freund vor, der Pizzabäcker. Jenen bat er noch am selben Abend um eine Scheibe seiner glutroten italienischen Feuersalami. Die legte der Fotograf auf einen schwarzen Untergrund und knipste sie. Das Foto verschickte er als Gag über Whatsapp an die Redaktion. Einer unserer Kollegen fiel indes tatsächlich drauf rein und postete es via Facebook, wo es alsbald kopiert und unter Missachtung sämtlicher Urheberrechte weiterverbreitet wurde. Tage später erreichte es fast Kultstatus und rangierte noch gestern auf der Bildersuche bei Google unter dem Suchbegriff „Blutmond“ auf Platz sechs. So ist das mit der Wahrheit, und es stellt sich die Frage, ob viele dieser durchaus realistisch anmutenden Fotos nichts anderes sind als Fakes, entstanden mit Photoshop oder anderen Bildbearbeitungsprogrammen. Kein Fake allerdings war ein anderes Foto, das Thomas Kiehl am Mittwoch auf der Kreuzung Sannentalstraße/Weiherstraße in Metzingen schoss. Da ist Tempo 30 vorgeschrieben. Das sind gemeinhin nicht die Geschwindigkeiten, deretwegen geübte Autofahrer die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren. Nun war es aber so, dass es dort zu einem Unfall kam und eines der beteiligten Autos auf dem Dach landete, wie es mitunter im Wüstensand der Rallye Paris-Dakar vorkommen soll. Könnte es denn sein, dass in diesem Wohngebiet allgemein zu schnell gefahren wird? Spötter behaupten jedenfalls, nur der Mond schaut zu.

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