Mit der Aufnahme von 21 Flüchtlingen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan leistet die Gemeinde ihren Beitrag zur Bewältigung einer Aufgabe, die unter dem Stichwort "Flüchtlingskrise" die aktuelle Nachrichtenlage beherrscht. Die Zahl der Asylsuchenden, die in St. Johann eine neue Bleibe finden, wird im Oktober von 27 auf 48 steigen. Die Neuankömmlinge werden in einem umgebauten Einfamilienhaus in Upfingen unterkommen. Darüber informierten Ordnungsdezernent Dr. Claudius Müller vom Landratsamt und St. Johanns Bürgermeister Florian Bauer rund 130 Bürger, die zu der kurzfristig einberufenen Info-Veranstaltung ins Upfinger Sportheim kamen.

Vorneweg betonte Müller die gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die es aktuell zu meistern gilt. Entsprechend den "rapid" anwachsenden Flüchtlingsströmen und den geltenden Verteilungsschlüsseln, rechnet er mit rund 7000 Flüchtlingen, die der Landkreis bis Ende 2016 aufnehmen wird. Diese Zahl entspricht rund zwei Prozent der Kreisbevölkerung und ist gleichzeitig Richtschnur für die Aufteilung auf die Kommunen. Das bedeutet, dass sich die Zahl der Flüchtlinge auch in der rund 5000 Einwohner zählenden Gemeinde St. Johann weiter erhöhen wird. Müller geht von gut 100 aus. Gesucht werden also weitere Unterkünfte.

Bei der Zuweisung der Flüchtlinge hat sich das Landratsamt dabei einen Strategiewechsel auf die Fahnen geschrieben. Um beiderseitige Integrationsbemühungen, etwa nach einem negativen Asylbescheid, nicht ins Leere laufen zu lassen, sollen in Gemeinden wie St. Johann nur noch Bewerber mit einer hohen Bleibewahrscheinlichkeit untergebracht werden. Bei Syrern etwa, beträgt die Anerkennungsquote rund 90 Prozent. Die Behörde verspricht sich dadurch eine schnelle Integration und soziale Teilhabe der Ankömmlinge sowie eine Chance für ländlich geprägte Gemeinden, die oftmals über fehlenden Zuzug klagen, wie Müller anmerkte.

Einen zentralen Beitrag zur Integration leistet in St. Johann der Arbeitskreis Asyl mit seinen 20 Mitgliedern um Gabriele Marksteiner und die Kirchenvertreterinnen Maike Sachs und Katja Pfizer. Sie nutzten die Gelegenheit, ein positives Zwischenfazit ihrer ehrenamtlichen Arbeit in Würtingen zu ziehen und gleichzeitig für weitere Unterstützung zu werben. Um im gewohnten Umfang Sprachkurse, Fahrdienste oder sonstige Hilfestellungen leisten zu können, ist der Kreis angesichts der steigenden Flüchtlingszahl auf zusätzliche Mitstreiter angewiesen.

Ein Appell, der am Montagabend nicht fruchtlos blieb. Während sich die Besucher in einer durchweg konstruktiven Atmosphäre Fragen vom Podium beantworten ließen, notierten gut ein Dutzend Bürger ihre Adresse in die umlaufende Liste und bekundeten so spontan ihre Bereitschaft, bei der Bewältigung einer Aufgabe zu helfen, die Bürgermeister Florian Bauer zwar als "große Herausforderung" bezeichnete, die er bei den St. Johannern gleichwohl in guten Händen weiß: "Die St. Johanner sind offene und großherzige Menschen", so seine Erfahrung, als im Januar die ersten Flüchtlinge ankamen und auf bemerkenswerte Solidarität und großes Engagement stießen.

In seiner Einschätzung durfte er sich an dem Abend bestärkt gefühlt haben. Schon die Zahl derer, die ins Sportheim kamen, demonstrierte die Anteilnahme, die den aus der Not Geflüchteten zu Teil werden dürfte. Spontan wurde ein Treffen verabredet, um ein Willkommensfest zu organisieren. Am Dienstag, 29. September, um 18.30 Uhr sind ins Upfinger Dorfgemeinschaftshaus alle eingeladen, die daran und an der Arbeit des Arbeitskreises Asyl mitwirken wollen.

Info Weitere Informationen zur Arbeit des St. Johanner Arbeitskreises Asyl, zu Kontakt- und Spendenmöglichkeiten gibt es unter:

www.asylstjohann.wordpress.com