Riederich Eine Million für die Kleinsten

So siehts auf einer Computeranimation aus: Das neue Riedericher Kinderhaus, das im Garten der Gutenbergschule gebaut wird. Graphik: Architekturbüro Witt
So siehts auf einer Computeranimation aus: Das neue Riedericher Kinderhaus, das im Garten der Gutenbergschule gebaut wird. Graphik: Architekturbüro Witt
CHRISTINA HÖLZ 30.03.2012
Aufschlag zum Zweiten: Für das Kinderhaus muss Riederich weit mehr Geld ausgeben als erwartet. Die Baukosten liegen bei knapp 1,2 Millionen Euro. Ein Rechenfehler der Planer sorgt für Irritationen.

Ein Aha-Erlebnis der unangenehmen Sorte für die Riedericher Gemeinderäte: Das geplante Kinderhaus wird nochmals teurer. Nachdem die Verantwortlichen noch im Dezember mit Ausgaben von rund 750 000 Euro gerechnet hatten, beziffert das zuständige Architekturbüro Witt die Baukosten nun auf knapp 1,2 Millionen Euro. Bei der Vorstellung des ersten Entwurfs im November 2010 hatten die Planer gar noch von knapp 500 000 Euro für das neue Domizil gesprochen. Damals kalkulierten die Riedericher allerdings noch mit einer Nutzfläche von 455 Quadratmetern. Die heutigen Pläne gehen von 600 Quadratmetern aus.

Dennoch, wie kommt es zu diesem deutlichen Aufschlag? Riederichs Bürgermeister Klaus Bender sprach nach der Gemeinderatssitzung am Mittwoch von einem Rechenfehler der zuständigen Planer. In einer nicht öffentlichen Gemeinderatssitzung Mitte März habe "der Architekt eingeräumt, das die ursprüngliche Kostenannahme für den Entwurf zu tief lag und nicht realistisch war", teilte Klaus Bender gestern mit.

Während der Diskussion um die verschiedenen Varianten des Kinderhauses (wir berichteten) sei der Kostenansatz von den Planern nicht mehr überprüft und neu berechnet worden. "Das hat zu dieser überraschenden, aber doch marktgerechten Gesamthöhe geführt", so der Bürgermeister weiter.

Im Haushaltsplan für das Jahr 2012 haben die Verwaltungsvorderen bereits rund 600 000 Euro für das neue Kinderhaus eingestellt. Ermuntert durch steigende Einnahmen im laufenden Finanzjahr, ist Klaus Bender überzeugt, dass die Kommune das Großprojekt stemmen kann: "Wir blicken optimistisch in die Zukunft."

Auf die jüngsten Entwicklungen und Kritik aus dem Gremium haben Verwaltung und Planer dennoch reagiert: Statiker, Architekten und Fachingenieure für Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektrotechnik waren am Mittwoch angetreten, um dem Gemeinderat diverse Einsparmöglichkeiten aufzuzeigen: Räume verschieben, Pultdächer absenken, weitere Zugänge streichen und die Zahl der "Bullaugen" reduzieren - mit baulichen Veränderungen und weniger Arbeitszeit möchte die Verwaltung rund 40 000 Euro weniger ausgeben.

Ehe es ans Abstimmen ging, kochten dann aber die Emotionen hoch. "Mir stockte der Atem als ich die Baukosten sah", ärgerte sich Gemeinderat Dietmar Hacker. Er selbst habe über Monate immer wieder angeregt, die Kubaturen zu verkleinern und durch bauliche Änderungen Geld zu sparen. "Jetzt tut es den Knall - wir sprechen über doppelt so viel Geld wie am Anfang."

Hacker selbst sah sich nicht in der Lage, in der Sitzung über den Vorschlag der Verwaltung abzustimmen. "Ich brauche mehr Zeit", so der Gemeinderat. Von der Verwaltung forderte er, ebenso wie Ulrich Büttel, Gottfried Rich und Johanna Kruppa, eine aktualisierte und detaillierte Auflistung der Baukosten nebst aller Änderungen auf einem Formular. Das liege den Räten aber seit Februar vor, verteidigte sich Bürgermeister Klaus Bender. "Erst nach dem Beschluss kann die Liste weitergeschrieben werden."

Johanna Kruppa stellte den Antrag, den Beschluss um drei Wochen zu vertragen. "Von welchen Summen sprechen wir hier überhaupt?", fragte sie mit Blick auf die Gesamtkosten des Projekts. Die Zahl von 1,2 Millionen stellten Verwaltung und Planer übrigens erst nach gut einstündiger Diskussion - und auf Drängen von Gottfried Rich - öffentlich in den Raum.

Klaus Bender forcierte derweil einen schnellen Beschluss. "Die Kostenoptimierung soll Grundlage der weiteren Planung sein", sagte er und verwies auf den Zeitplan. Mitte des Jahres steht der Baubeginn an. Johanna Kruppas Antrag scheiterte schließlich. Bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung folgten die Räte dem Vorschlag der Verwaltung.