Metzingen/Grafenberg Eine Liaison für Lehrlinge

© Foto: Thoms Kiehl
Metzingen/Grafenberg / 21.01.2014

Es ist eine Handreichung, von der beide Seiten profitieren: Die Metzinger Realschüler sind auf der Suche nach Lehrstellen mit Zukunft – die Firma Rampf braucht dringend gute Azubis. Eine Partnerschaft soll’s regeln.

CHRISTINA HÖLZ

Bildungspartnerschaften zwischen Schulen und Betrieben sind eine Symbiose gleich gegen zwei Schwierigkeiten: Einerseits: Für viele Unternehmen wird es immer schwerer, motivierte und qualifizierte Auszubildende zu gewinnen – „und zwar gerade für die technischen Berufe“, betont Michael Rampf, Geschäftsführender Gesellschafter der Rampf-Holding. Anderseits gibt es durchaus fitte Jugendliche mit Lust auf eine Lehre.

Doch der Schritt gleich nach der Realschule in einen Betrieb zu wechseln, stelle für sie oft eine noch zu große Barriere dar, lässt Bettina Haag, Konrektorin und derzeit auch Interims-Schulleiterin an der Metzinger Schönbein Realschule durchblicken. Für manchen ist die weiterführende Schule ein willkommener Schonraum. Kooperationen wie jene zwischen den Grafenberger Chemie-Spezialisten der Firma Rampf und der Metzinger Realschule können dafür sorgen, dass der „Praxisschock“ bei Lehrlingen ausbleibt, und auch das Unternehmen bereits um die Stärken seiner neuen Auszubildenden weiß. Denn beide Seiten kennen sich in der Regel seit längerem. Meist haben die Schüler schon als Praktikanten in der Firma geschnuppert, zumindest aber bei Betriebsführungen hinter die Kulissen geblickt, erklärt Ida Willumeit-Reichenecker von der Industrie- und Handelskammer in Reutlingen (IHK).

Zwischen Rampf und der Realschule in Metzingen bestehen die Kontakte schon seit Jahren – jetzt ist aus der inoffiziellen Partnerschaft zwischen Schule und Betrieb eine weitere offizielle Kooperation unter dem Dach der IHK geworden: Geschäftsführer Michael Rampf und Interims-Schulleiterin Bettina Haag haben gestern den Partnerschaftsvertrag unterzeichnet.

Beide, Firmenchef und Pädagogin, sprachen denn auch von einer „Win-Win-Situation“ für ihre Seite. Michael Rampf („diese Partnerschaft ist eine super Sache“) möchte nicht nur Jugendliche für die betriebliche Ausbildung begeistern. Er wirbt auch ganz gezielt für eine bestimmte Sparte: für Berufe im chemischen Bereich.

Die seien in der Region wohl weniger bekannt – und deswegen bei den Bewerbern auch weniger beliebt, mutmaßt er. Denn zwei Drittel der Jugendlichen drängen bei Rampf in die kaufmännischen Jobs – lediglich ein Drittel der Lehrlinge interessiert sich für die technischen/chemischen Berufe. Laut Sabrina Rall, zuständig für Personalfragen, werden bein Gießharz-Spezialisten momentan vor allem Auszubildende für den Beruf des Chemikanten gesucht – Aufstiegschancen inbegriffen.

Gerade die naturwissenschaftlichen Fächer stehen auch im Unterricht bei vielen Schülern weniger hoch im Kurs, bestätigen Bettina Haag und ihr Lehrer-Kollege, Alexander Weiß, Beauftragter für die berufliche Orientierung an der Schönbein Realschule. Der Blick in die betriebliche Praxis und praktische Unterrichtseinheiten im Fach Chemie stacheln aber oft das Interesse der Schüler an einer naturwissenschaftlichen Ausbildung an, haben die Pädagogen beobachtet. Und das ist ganz im Sinne von Konrektorin Haag: „Wir wollen als Realschule nicht nur Abiturienten produzieren. Es ist uns wichtig, gute Leute in eine Ausbildung zu bringen“. Nur noch 30 Prozent der Realschüler streben diese Ausbildung überhaupt nach der zehnten Klasse an – der Rest geht weiter zur Schule.

Ein Grund mehr für die Bildungspartnerschaften zwischen Schule und Betrieb. Die Schüler selbst ziehen nach ersten Betriebspraktika übrigens eine positive Bilanz: „Der Beruf des Chemielaboranten hat mir gar nichts gesagt – jetzt bin ich schlauer“, sagt Fabienne. Und Marvin erklärt: Er möchte auf jeden Fall mal in die Automobilindustrie, freut sich aber auf die Einblicke bei Rampf.

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