Grafenberg Eine Frage der Selbstverständlichkeit

Das Projekt „ehrenamtlicher Fahrdienst“ ist angelaufen und hat bereits eine Reihe von positiven Rückmeldungen gebracht. Dementsprechend gut gelaunt sind die Beteiligten, für die diese Hilfe selbstverständlich ist.
Das Projekt „ehrenamtlicher Fahrdienst“ ist angelaufen und hat bereits eine Reihe von positiven Rückmeldungen gebracht. Dementsprechend gut gelaunt sind die Beteiligten, für die diese Hilfe selbstverständlich ist. © Foto: Anne Laaß
Grafenberg / Anne Laaß 15.06.2018

Für die Mitbürger etwas Gutes tun, das ist das Ziel von neun Grafenbergern. Sie haben sich, gemeinsam mit der Verwaltung, des Themas Mobilität angenommen. Vor ein paar Jahren versuchte die Gemeinde durch den Bürgerbus einen Zugewinn zu schaffen. Das Konzept wurde abgewandelt, umgedacht und nun neu aufgelegt. Im Rahmen der „Gesunden Gemeinde“ haben sich diverse Arbeitskreise gebildet. Einer davon befasst sich mit der Mobilität. „Grafenberg ist groß, es ist nicht so leicht von einem Ende zum anderen zu gelangen“, sagte Bürgermeisterin Annette Bauer.

Daher kam der Wunsch, wieder eine Art Bürgerbus zu haben, in der Gemeinde auf. In einer offenen Runde wurden dann die notwendigen Informationen eingeholt und von dem Arbeitskreis ein Konzept entwickelt. Wichtig war, zu erfahren, wo die Grafenberger im Ort hin möchten. Gar nicht so einfach bei der Vielzahl an Angeboten. Aber neben der Sitzgymnastik und den Festen in der Rienzbühlhalle, sind vor allem die Besuche auf dem Friedhof für viele wichtig.

Das bestätigt auch Siegfried Früh. Er ist einer der Ehrenamtlichen, der solche Fahrten bereits gemacht hat. „Die Menschen sind einfach froh, wenn man sie zu Hause abholt“, erzählt Früh. Aber es gehe nicht allein darum, die Grafenberger Senioren von A nach B zu bringen, sondern auch mal die Gießkanne zu tragen. Wo Hilfe gebraucht wird, packt Siegfried Früh mit an. „Wenn die Kanne voller Wasser zu schwer ist, dann trägt man sie einfach zum Grab und geht wieder zum Auto“, berichtet er. Hauptamtsleiterin Sophia Schelkle und Bürgermeisterin Annette Bauer hören gespannt zu und tauschen anerkennende Blicke aus. Nachbarschaftshilfe ist in der Gemeinde an der Tagesordnung. Während die Bürgermeisterin ansetzt, um den ehrenamtlichen Fahrer zu loben, erwidert dieser schlicht: „Das ist doch eine Selbstverständlichkeit.“ Alle weiteren vier Mitglieder des Fahrdienstes nicken zustimmend. Die Fahrten werden schlicht für die Menschen maßgeschneidert.

„Sie sind alle keine Unbekannten, sie engagieren sich bereits in der Gemeinde“, sagt Sophia Schelkle. Sie und Bürgermeisterin Bauer haben sich um die rechtlichen Belange dieses Projektes gekümmert. Die bisherigen Rückmeldungen seien durchweg positiv, betont die Hauptamtsleiterin. „Wir wünschen uns, dass es bleibt“, sei oft von den Nutzern des Fahrdienstes zu hören. Das freut die Verwaltung, denn dann könnte aus dem Projekt ein fester Bestandteil werden. Zunächst soll der ehrenamtliche Fahrdienst bis in den Herbst hinein bestehen bleiben. Dann wird erst eine endgültige Entscheidung getroffen. „Uns ist dabei aber wichtig, nicht in Konkurrenz mit Taxiunternehmen zu treten“, sagt Annette Bauer. Das sei weder die Intention noch gewünscht.

Ein weiterer Befürworter des vormaligen Busses und nun auch einer der ehrenamtlichen Fahrer ist Angelo Miotto. Der ehemalige Gemeinderat macht deutlich, wie sehr ihm das Projekt am Herz lag und immer noch liegt. Die älteren Menschen der Gemeinde sollten die Chance haben, ihre Besuche bei Bekannten zu machen. Zudem gebe es viele Angebote für Senioren, bei denen der Fahrdienst Halt macht. Allerdings sei die Hemmschwelle bei manchen Grafenbergern wohl noch hoch, mutmaßen die Beteiligten. „Wenn dich die Menschen kennen, ist es einfacher“, sagt Siegfried Früh. Daher erhoffen sich alle Fahrer, dass mehr Bürger das Konzept in Anspruch nehmen.

Doch wie funktioniert der Dienst eigentlich? Fahrpläne gibt es nicht und die Männer sind auch kein Ruftaxi. Die Termine, die angefahren werden, veröffentlicht die Gemeinde regelmäßig. Anmelden kann man sich auch noch einen Tag vor der Veranstaltung, allerdings bis spätestens 12 Uhr. Und zwar telefonisch bei Stefanie Maisch unter (0 71 23) 93 39 11 oder im Bürgerbüro bei Vanessa Matzner unter (0 71 23) 93 39 15.

Info Der Gemeinderat wird am kommenden Dienstag, 19. Juni, um 19.30 Uhr über ein Bürgerauto für die ehrenamtlichen Fahrdienste beraten.

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Ehrenamtliche beteiligen sich: Angelo Miotto, Jörg Mayer, Siegfried Früh, Martin Link, Günter Walter, Manfred Knöll, Rudolf Putz, Horst Failenschmid und Peter Krivic.

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