Metzingen Ein Wohn-Traum für alle Generationen

Zum Infotag im ehemaligen Kindergarten Sannental kamen rund 50 Männer und Frauen, die sich fürs neue Wohnprojekt interessierten.
Zum Infotag im ehemaligen Kindergarten Sannental kamen rund 50 Männer und Frauen, die sich fürs neue Wohnprojekt interessierten. © Foto: Kirsten Oechsner
KIRSTEN OECHSNER 02.03.2015
Mit viel Enthusiasmus und einer großen Portion Mut hat eine Bürgergruppe an der Verwirklichung ihres Traumes eines Mehrgenerationenhauses gearbeitet. Nun wurde das Konzept vorgestellt.

Der einstige Gruppenraum des leer stehenden Kindergartens Sannentalstraße war fast zu klein für die vielen Interessierten, die sich dort zu einer Informationsveranstaltung eingefunden hatten. Sie wollten erfahren, was hinter dem "Wohn-Traum", dem gemeinsamen Leben in einem Mehrgenerationenhaus steckt: Initiiert und konzipiert wurde es von Metzingern für ihre Mitbürger und für solche, die das noch werden wollen. Ein Projekt, dem auch Stadtplaner Albrecht Reuß seinen Respekt zollt: "Sie setzten sich wahnsinnig intensiv mit dieser Form des Zusammenlebens auseinander", sagte der Fachmann. "Die Gruppe denkt sehr innovativ und kommt auch zu entsprechenden Lösungen."

Denn verwirklicht werden soll eine Form des Zusammenlebens, die es so in Metzingen noch nicht gibt: Geplant ist ein lebendiges Miteinander der Generationen und sozialen Gruppen bei gleichzeitigen Rückzugsmöglichkeiten in dem Haus mit immerhin 27 bis 30 Wohneinheiten. Individuelle Lebensvorstellungen der einzelnen Bewohner sollen gewahrt bleiben, und doch wird die Gemeinschaft gepflegt, beispielsweise auf gemeinsamen Freiflächen, in einem Gruppenraum mit kleiner Küche oder einem Foyer, das für eine Willkommenskultur steht und bewusst ein Ort der Begegnung sein soll: "Man befindet sich sofort im Herzen des Gebäudes", beschreibt Reuß die Intention. Denn eben dieser zentrale Eingangsbereich war der Baugruppe besonders wichtig, sämtliche Wohnungen sind über einen gemeinsamen Aufgang zu erreichen. Das schaffe Nähe und ermögliche die durchaus erwünschte soziale Kontrolle: "Man bekommt als Nachbar mit, wenn sich jemand nicht mehr bewegt", erklärt Albrecht Reuß, der mit seinem Büro citiplan die Projektentwicklung übernommen hat und sich in dieser Funktion als Hausverwalter für die Planungsphase sieht. Für die Generalplanung des Gebäudes hat die Baugruppe das Ulmer Architekturbüro Casa Nova verpflichtet.

Diese Mischung zwischen Distanz und Nähe zeichne das Mehrgenerationenhaus aus, in das auch eine Tagesmütter-Gruppe und eine inklusive Wohngemeinschaft der Bruderhaus-Diakonie einziehen soll. Aber, so Reuß: "Die künftigen Bewohner erwartet keine Wohngemeinschaft", betont er. "Aber jeder einzelne bekommt ein Mehr an Gemeinschaft." Und das sei einer der wesentlichen Unterschiede zu einem herkömmlichen Bauträgermodell. Außerdem werden keine anonymen Verkaufsgespräche geführt, sondern die künftigen Bewohner von Anfang an zusammengebracht: Regelmäßig trifft man sich zu Sitzungen. Ein Einstieg ins Projekt sei jederzeit möglich, das Konzept noch nicht endgültig festgezurrt und Mitgestaltungsmöglichkeiten gebe es noch genug: "Es wird sich vieles noch entwickeln und den Bedürfnissen der Bewohner anpassen." Denn, so Reuß: "Wichtiger als die Hülle des Hauses ist, was darin passiert."

Gebildet hat sich die Baugruppe 2011 im Rahmen einer von der Stadt Metzingen initiierten Zukunftswerkstatt zum Thema "Soziale Lebenswelt", dort wurde die Idee zum Mehrgenerationenhaus geboren und intensiv weiterverfolgt. Nun liegen erste Planungen vor, und ein Gelände ist auf dem Areal am Kindergarten Sannentalstraße gefunden. Familienvater Matthias Weidlich ist mit dabei: "Weil ich es wichtig finde, eine Wohnwelt zu schaffen, die sozial ist und die Generationen mitnimmt." Michael Giehrl, sozusagen Mann der ersten Stunde, sagt zu seiner Intension: "Ich kann nicht über Demographie reden und mich nicht damit beschäftigen."

Wenn alles nach Plan läuft, kann laut Albrecht Reuß nach den Sommerferien die Baugenehmigung beantragt werden. Ein möglicher Baubeginn hänge von verschiedenen Faktoren ab, Fakt sei aber eines: "Wir sind umso schneller, je schneller wir die Interessenten zusammen haben."

Info Interessierte können sich an Fabian Eisenbarth vom Büro citiplan, Telefon: (0 71 21) 92 66 26 wenden. Informationen - unter anderem über Kosten und Rechtsform - gibt es auch im Internet unter www.wohntraum-metzingen.de