Wer die Pfingstfeiertage genutzt hat, um einen Spaziergang durch die Ermstäler Streuobstwiesen zu unternehmen, dem dürfte es beim Anblick mancher Apfelbäume ein wenig mulmig geworden sein. Unterhalb des Dettinger Calverbühls etwa sind auf zwei Flächen zahlreiche Bäume komplett eingesponnen, berichtet Roland Lieb, der Vorsitzende des Dettinger Obst- und Gartenbauvereins. Auch in der Buchhalde sowie auf den Obstwiesen in der Kelternstadt und in Bad Urach hinterließ die Apfelbaumgespinstmotte sichtbare Spuren. „Entsprechende Meldungen kommen aus dem gesamten Ermstal“, weiß Roland Lieb.

Es ist bereits das dritte Jahr in Folge, in dem sich die Apfelbaumgespinstmotte derart massiv ins Bewusstsein der Öffentlichkeit drängt, teilte der Landkreis Reutlingen am Dienstag in einer Presseerklärung mit. Das Gespinst, das ganze Bäume einzuhüllen vermag, dient dabei dem Schutz der Raupen. Sie können unter dem Netz ungehindert von hungrigen Feinden die Blätter der Bäume fressen. Sind die Bäume kahl, seilen sie sich ab, erklärt Roland Lieb. Zu Tausenden lassen sich die Raupen an langen Fäden auf den Boden herab: „Teilweise mussten die Spaziergänger Zickzack laufen.“ Zu erkennen sind die Raupen an ihrer fahl-gelblichen Farbe mit seitlichen schwarzen Punktreihen. Sie werden etwa drei Zentimeter groß und haben einen schwarzen Kopf.

Im Augenblick können die Gütlesbesitzer kaum etwas gegen den Schädling unternehmen. Spritzmittel sind wirkungslos. Wer die Schädlinge nachhaltig bekämpfen möchte, der muss im kommenden Jahr auf der Hut sein. „Es ist ganz wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen“, sagt Roland Lieb. Der ist im Frühjahr zur Blütezeit gekommen. Mit einer Lupe bewaffnet, sollten die Blattknospen auf kleine, frisch geschlüpfte Räupchen untersucht werden. Wer sie entdeckt, sollte zu Spritzmitteln greifen, die den Bacillus thuringiensis enthalten, wie das Landratsamt rät. Dieses biologische Pflanzenschutzmittel wirkt als Fraßgift und wird auf das Laub ausgebracht. Es schädigt nur die Raupen, die das Laub fressen, bleibt also für andere Tierarten ungefährlich.

Wie das Landratsamt betont, hat die Apfelbaumgespinstmotte nichts mit dem Eichenprozessionsspinner gemein, der bei Menschen heftige allergische Reaktionen auslösen kann. Für den Menschen sind weder die Raupen der Apfelgespinstmotte noch die Gespinste selbst gefährlich. Indessen, so das Landratsamt, seien die eingesponnenen Bäume ein klares Zeichen dafür, dass Streuobstwiesen eine Kulturlandschaft bilden, die der Obhut und Pflege des Menschen bedürfe.