St. Johann Ein Tippfehler lässt das Geld regnen

Fachlehrer Heiner Hägele (MItte) und Gemeinderat Rolf Rist (rechts) neben einem waschechten Astrolux. Tageslichtprojektoren gehören in vielen Schulen bereits der Vergangenheit an.
Fachlehrer Heiner Hägele (MItte) und Gemeinderat Rolf Rist (rechts) neben einem waschechten Astrolux. Tageslichtprojektoren gehören in vielen Schulen bereits der Vergangenheit an. © Foto: Fachlehrer Heiner Hägele (links) und Gemeinderat Rolf Rist (rechts) neben einem waschechten Astrolux. Tageslichtprojektoren gehören in vielen Schulen bereits der Vergangenheit an. Foto: Nicole Wieden
St. Johann / Nicole Wieden 07.12.2018

Es weihnachtet sehr in St. Johann, und zwar frühzeitig und in Form einer stolzen Summe: Bei der Planung der zu erwartenden Einnahmen aus dem Einkommenssteueranteil hat sich die Finanzverwaltung um eine Ziffer vertan – und prompt eine Million Euro weniger ausgewiesen, als der Gemeinde tatsächlich zur Verfügung steht: „Aus einer Drei wurde eine Zwei“, erklärt Lucia Seynstahl. Aufgefallen ist ihr der Fehler am Dienstag bei einer Überprüfung des Haushaltes. Der Gemeinderat wurde umgehend informiert und konnte sich noch vor der Sondersitzung am Mittwochabend auf den unverhofften Geldsegen einstellen. Schließlich stellt sich auf einmal die schlichte Frage: Was nun?

Erst in der vergangenen Woche hatte das Gremium nämlich – wenn auch nur mit knapper Mehrheit – einen strengen Sparkurs verordnet. Zusätzlich zu den Maßnahmen der Verwaltung wurden auf Anstoß der Freien Wähler gleich drei Projekte auf Eis gelegt, die die Würtinger Grund- und Werkrealschule betreffen.

Eine Besichtigung des Gebäudes vor der gestrigen Sitzung offenbarte allerdings, weshalb das Abstimmungsergebnis für heftige Empörung unter den Lehrkräften und Elternbeiräten gesorgt hatte: Neben einer mangelhaften Ausstattung ist auch das Haus selbst in die Jahre gekommen, weshalb grundlegende Sanierungsarbeiten vom Putz bis zu den Heizkörpern fällig sind. In Bedrängnis gerät die Gemeinde aber vor allen Dingen, weil seit der Zusammenlegung mit der Lonsinger Schule der Platz nicht mehr ausreicht. Das Problem wird durch steigende Schülerzahlen und dem Umstand verschärft, dass die Nachfrage nach der Ganztagsbetreuung auf dem Vormarsch ist. Momentan findet die nachmittägliche Schulkindbetreuung der Gemeinde im Keller des Schulhauses statt. Dem Mangel an Klassenzimmern versuchen die Lehrer mit einer straffen Organisation beizukommen. So werden etwa die Fachräume für Naturwissenschaften und Musik parallel auch als Klassenzimmer genutzt; die betreffenden Schüler müssen also zu gegebenen Stunden für andere Klassen weichen. Die doppelte Nutzung hinterlässt ordentliche Abnutzungsspuren, wie zum Beispiel beschädigte Tische. „Ich beiße seit fünf Jahren in dieses bittere Brot“, bemerkte die Deutschlehrerin Silke Koch im Physikraum, in dem auch Chemie und Biologie unterrichtet werden. Von Bürgermeister Florian Bauer war mit Blick auf den Tageslichtprojektor der Begriff „Kreidezeit“ zu vernehmen. Gerade die technische Ausstattung sorgt im Kollegium für Frustration: Ein WLAN-Netz besteht erst seit 2017 – und das allein im Lehrerzimmer. Dabei macht der Lehrplan eine brauchbare, digitale Ausstattung unumgänglich. „Heute sitzt man nicht mehr vor Excel“, erklärte der Fachlehrer Heiner Hägele im Computerraum, in dem die Gemeinderäte vor Rechnern mit Windows 7 Platz nahmen. „Die Schüler befassen sich mit dem Kodieren, dem Thema Vernetzung oder Algorithmen.“ Wenn aber in 45 Unterrichtsminuten zunächst einmal Probleme mit den PCs behoben werden müssten, bleibe am Ende kaum noch Zeit für den eigentlichen Lehrstoff.

Betretene Mienen zeigten auf der Besichtigung nicht zu Letzt die Freien Wähler. Swen Schober verteidigte die Entscheidung vor einer Woche, lenkte jedoch ein und bestätigte, dass auch aus Sicht seiner Fraktion ein umfangreiches Sanierungskonzept von Nöten sei.

Einen bereits beschlossenen Antrag kann das Gremium nicht zurücknehmen. Weil aber die Ausgangslage sich maßgeblich verändert hat, sind neue Verhandlungen möglich. Diese wurden für die nächste Sitzung am 19. Dezember angesetzt, weil am Mittwochabend mehrere Gemeinderäte nicht anwesend waren.

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