Selbsthilfegruppe Ein steiniger Weg

Yvonne Mayer leitet die neue Selbsthilfegruppe ADHS Neckar-Alb, die am Freitag im Haus Matizzo startet. Eltern von betroffenen Kindern, aber auch betroffene Erwachsene sind willkommen.  Foto: Thomas Kiehl
Yvonne Mayer leitet die neue Selbsthilfegruppe ADHS Neckar-Alb, die am Freitag im Haus Matizzo startet. Eltern von betroffenen Kindern, aber auch betroffene Erwachsene sind willkommen. Foto: Thomas Kiehl © Foto: Kiehl
CAROLA EISSLER 23.01.2017

Sie fallen meist als Träumer oder Zappelphilipp auf, haben Probleme im Umgang mit anderen Kindern, unterliegen Stimmungswechseln und haben extreme Konzentrationsprobleme: Kinder mit ADHS fallen durch multiple Verhaltensweisen auf, noch vor einigen Jahren wurde ihr Verhalten gar nicht als Erkrankung diagnostiziert. Nicht nur die Kinder leiden, auch ihre Eltern sind oft ratlos, geraten nicht selten in die soziale Isolation. Vor allem auch deshalb, weil ADHS so viele Gesichter hat, dass man nicht weiß, wie man dem Gegenüber in zwei Sätzen diese Krankheit erklären soll. Im Haus Matizzo trifft sich ab kommenden Freitag, 27. Januar, 20 Uhr, erstmals eine neue Selbsthilfegruppe  für Betroffene aus der Region Neckar-Alb.

Yvonne Mayer ist schon seit vielen Jahren bei einer ähnlichen Selbsthilfegruppe in Nürtingen mit dabei, die nun aufgelöst wurde. Da der Großteil der Beteiligten aus dem Raum Reutlingen und Tübingen kommt, lag es nahe, in der Umgebung nach neuen Räumlichkeiten zu suchen, die dann auch prompt im Haus Matizzo gefunden werden konnten. Dessen Geschäftsführerin Manuela Seynstahl freut sich ihrerseits, dass mit der ADHS-Selbsthilfegruppe ein weiteres Angebot im Haus Matizzo stattfindet. Yvonne Mayer, die die Gruppe leiten wird, hat selbst ein ADHS-Kind im Grundschulalter. Sie gehe offen damit um, sagt sie. Und weiß doch um die Schwierigkeit der Eltern, die Krankheit nach außen zu kommunizieren. Was sie im Laufe der Jahre festgestellt hat: „Die Eltern von ADHS-Kindern bleiben häufig unter sich.“ Aus gutem Grund, reagiert doch das Umfeld nicht selten ablehnend, zumindest mit mangelndem Verständnis auf das Verhalten von ADHS-Kinder. „Man sucht den Kontakt zu den Menschen, von denen man auch verstanden wird“, sagt Yvonne Mayer.

ADHS ist nicht heilbar. Es wird auf eine Regulationsstörung im Gehirn zurückgeführt, ist genetisch bedingt. Oft leiden Betroffene im Laufe der Jahre an weiteren Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. Bereits seit vielen Jahren werden Medikamente zur Linderung der Auswirkungen eingesetzt. „Aber der Weg bleibt steinig“, sagt Yvonne Mayer. Auch als Erwachsene bleiben ADHS-Betroffene ein Leben lang krank.

Dass die neue Selbsthilfegruppe im Metzinger Haus Matizzo eine Bleibe findet, wertet Yvonne Mayer geradezu als Glücksfall. Denn absolute Vertraulichkeit sei ein Muss bei solchen Treffen. Und dazu gehöre eben auch, dass die Räume nicht eingesehen werden können, dass Menschen, die zu den Gesprächsgruppen kommen, sich wohlfühlen, weil auch das Ambiete stimmt. Willkommen sind in Metzingen sowohl Eltern betroffener Kinder als auch Erwachsene, die an ADHS leiden. Je nach Gruppenkonstellation kann auch eine Splittung vorgenommen werden.

An den Abenden können Betroffene von ihrer Lebenssituation erzählen, sich gegenseitig unterstützen, Probleme und Nöte teilen. Oder einfach nur zuhören. Ebenso will Yvonne Mayer regelmäßig Referenten in die Gruppe holen, damit über die Krankheit und über neue Erkenntnisse berichtet werden kann. Die Gruppe trifft sich zukünftig immer am vierten Freitag im Monat, erstmals am Freitag, 27. Januar, um 20 Uhr. Yvonne Mayer hofft, dass die Treffen vielen Betroffenen neue Hoffnung geben.

ADHS

Als ADHS wird das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom bezeichnet. Eine Diagnose richtet sich nach international festgelegten Kriterien. Aufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulskontrolle spielen dabei eine zentrale Rolle. Oft können Begleiterscheinungen wie Rechtschreib- und Rechenschwäche, Tourette, Autismus, Zwänge, Depressionen hinzukommen sowie Störungen des Sozialverhaltens. Nicht außer acht lassen darf man, dass ADHS-Betroffene auch positive Eigenschaften haben, so sind sie nicht selten hochbegabt in gewissen Sparten, zeigen besondere Kreativität, sind hilfsbereit und begeisterungsfähig. Die Regionalgruppe ADHS Neckar-Alb trifft sich in der Regel jeden vierten Freitag im Monat (außer Schulferien) um 20 Uhr im Haus Matizzo in Metzingen, Christophstraße 20. Ansprechpartnerin ist Yvonne Mayer, ☎ 01522-3663203 oder adhs.neckaralb@gmail.com. Eine vorherige Anmeldung für das erste Treffen am Freitag, 27. Januar, ist aus Planungsgründen von Vorteil.