Ermstal Ein Rosenkrieg mit Folgen

Ermstal / SIMON WAGNER 29.11.2013
Ist es der Nebenschauplatz eines Rosenkriegs? Oder sind es stichhaltige Vorwürfe, die eine Ehefrau gegen ihren Mann erhebt? Das Amtsgericht Reutlingen klärt, was dran ist am Vorwurf der Vergewaltigung.

Der 42-jährige aus einer Ermstalgemeinde sieht sich nicht nur dem Vorwurf der Vergewaltigung in der Ehe gegenüber, auch soll er seine Frau mehrmals tätlich angegriffen haben. Die von Staatsanwältin Rotraud Hölscher vorgebrachte Anklage geht von einem innerehelichen Klima der "Angst und der Gewalt" aus.

Bereits seit 2008 habe dieses zu wiederholten Demütigungen und Misshandlungen geführt, bis der Angeklagte im Januar 2012 seine Ehefrau schließlich mit Drohungen und körperlicher Gewalt - gegen ihren Willen - zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe.

Diese Anschuldigungen kamen jedoch erst im Juli 2012 ans Licht, nachdem sie sich auf der Flucht vor ihrem wütenden Ehemann in die Speisekammer ihres Hauses eingeschlossen und von dort die Polizei gerufen habe. Am Tag zuvor soll er sie mit einem Marmeladenglas auf den Kopf geschlagen haben. Die Anklage lautet auch auf gefährliche Körperverletzung.

Zu den Vorwürfen selbst äußerte sich zunächst der Verteidiger Manuel Rogge. Der nannte sie "frei erfunden" und erklärte, dass sich das Ehepaar momentan in einer "heftigen familiengerichtlichen Auseinandersetzung" befinde. Rogge geht davon aus, dass das Strafverfahren der Ehefrau Vorteile verschaffen soll - auch hinsichtlich ihres alleinigen Anspruchs auf die beiden gemeinsamen Kinder: "Sie kämpft mit härtesten Bandagen", so Rogge.

Anschließend war es der Angeklagte selbst, der die Chronologie einer seit 2004 existenten Ehe aufschlüsselte: Kennengelernt hatten sie sich vor rund 13 Jahren an ihrem Arbeitsplatz in Reutlingen. 2002 zogen sie in das Haus ihrer Eltern ins Ermstal. 2004 folgte die Heirat. Seine Pläne in eine Eigentumswohnung zu ziehen, seien an ihrem Wunsch gescheitert, in der Nähe ihrer Eltern zu bleiben. "Sie ist eine willensstarke Frau", charakterisierte er sie: "Ich habe meistens nachgegeben."

2007 wurde ihr ersten Kindes geboren. Seitdem habe sie sich zunehmend von ihm separiert und immer mehr Zeit bei ihren Eltern verbracht. Die Ehe? "Die plätscherte vor sich hin." Zärtlichkeiten habe es nicht mehr gegeben.

Nach drei Jahren Pause habe sie ihn 2010 dennoch aufgefordert mit ihr zu schlafen um ein zweites Kind zu zeugen. Nur Monate später habe sie ihre Liebe für erloschen erklärt. Die Kinder habe sie ganz für sich beansprucht. Die Ausgrenzung sei soweit gegangen, dass er nur Tage zuvor von der Taufe ihres zweiten Kindes erfahren habe. Im Mai 2012 dann ihre Ankündigung, sie wolle sich scheiden lassen. Sie habe ihm bedeutet, sofort aus dem gemeinsamen Haus auszuziehen. Unterdessen habe sie mit ihrem Vater seine Sachen aus dem Haus geräumt. Es kam zum Streit, ehe sie sich in die Speisekammer eingeschlossen und die Polizei gerufen hatte: "Ich dachte, es war ein Scherz", sagte er. Er habe lediglich den Biomüll auf den Boden geworfen.

Die zuständigen Polizeibeamten beschrieben den Mann als "recht unbeschwert" und wenig kooperativ. Ein weiterer Beamter, spezialisiert auf häusliche Gewalt, sagte zu dem Gespräch mit seiner Ehefrau, Tage nach dem Vorfall: "Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so offensiv Angst ausgestrahlt hat."

Die Frau soll am 9. Dezember gehört werden. Voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

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