Neuffen Ein Ort mit weitem Blick in den Südwesten

swp 31.07.2018

Nach dem Ende der NS-Diktatur und des Zweiten Weltkrieges wurden die drei südwestdeutschen Länder Baden, Württemberg und Hohenzollern 1945/46 nicht entlang ihrer bisherigen Grenzen in Besatzungszonen aufgeteilt. Aus den drei alten Territorien entstanden die nördliche amerikanische Zone mit Namen Württemberg-Baden und die südliche französische Zone, die (Süd-)Baden und Württemberg-Hohenzollern umfasste. Ab 1948 trieb der württemberg-badische Regierungschef Reinhold Maier den Zusammenschluss dieser drei Länder voran. Und das Treffen zu einer ersten Annäherung – das fand auf den Hohenneuffen statt. Die südbadische Delegation wurde hierbei von Leo Wohleb angeführt, einem kompromisslosen Verfechter der Wiederherstellung Gesamtbadens. Württemberg-Hohenzollern war durch seinen Innenminister Viktor Renner vertreten.

Dass die Wahl ausgerechnet auf den Hohenneuffen fiel, war kein Zufall: Der weite Blick in den angestrebten Südweststaat sollte allen Beteiligten vor Augen führen, dass die Grenze zwischen der amerikanischen und der französischen Besatzungszone ein Konstrukt war, das trennte, was eigentlich zusammengehörte. Denn diese verlief genau hier und nur wenige Kilometer entfernt in Sichtweite zwischen den Landkreisen Reutlingen und Nürtingen. Doch auch die Abgeschiedenheit der ehemaligen Festung sollte zum Erfolg der Konferenz beitragen: Weitab von der Öffentlichkeit und jeglichen Einmischungen sollten die maßgeblichen Männer sachlich und in Ruhe diskutieren können.

Legendärer Täleswein wirkte

Nach den Diskussionen folgte eine großzügige Bewirtung, „die im gemeinsamen Singen volkstümlicher Lieder und einem kräftigen Trinkgelage“ endete, so der Innenminister von Württemberg-Hohenzollern. Dabei spielte der „Täleswein“, der an den Hängen unterhalb der Festungsruine auch heute noch wächst, eine entscheidende Rolle. Das Trinkgelage und der romantische Tagungsort trugen dazu bei, dass die Zusammenkunft auf dem Hohenneuffen zu einer Legende wurde. Eine Einigung konnte bei dieser ersten Annäherung freilich noch nicht erzielt werden. Weitere Konferenzen und Treffen folgten. Am 9. Dezember 1951 kam es zur Volksabstimmung. Im folgenden Jahr konnte – basierend auf dem gesamten Ergebnis der Volksabstimmung – das Land Baden-Württemberg gegründet werden.

Geschichte vom Mittelalter an

Die Dreiländerkonferenz bedeutet für den Hohenneuffen ein neues Kapitel von historischer Bedeutung, das in der Gegenwart spielt: Seine geschichtliche Bedeutung erstreckt sich somit nicht nur auf die uneinnehmbare mittelalterliche Burg und später die Zeit als frühneuzeitliche Festung, sondern auch auf das 20. Jahrhundert. Heute ist der Hohenneuffen ein beliebtes Ziel für Wanderer und Kulturtouristen. Weithin sichtbar, bietet die größte Festungsruine der Schwäbischen Alb immer noch den eindrucksvollen Blick ins Land, der schon 1948 die Verhandlungen befruchtet haben mag. Seit 2017 gehört die Festungsruine zu den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg, die sich die bessere Erschließung des historischen Ortes auf die Fahnen geschrieben haben.

Seit diesem Jahr gibt es regelmäßige Führungen für alle, die mehr über die bewegte Geschichte der größten Festungsruine der Schwäbischen Alb erfahren möchten.

Führungen auf dem Hohenneuffen

Karten für die öffentlichen Führungen können vor Beginn am Kiosk im Oberen Burghof  erworben werden.
Termine
Von April bis Oktober werden die Führungen jeden Samstag, Sonntag und Feiertag um 15 Uhr angeboten. Treffpunkt ist die Alte Schmiede im Oberen Burghof.
Mehr Informationen
erhält man über die Schlossverwaltung in Bad Urach, Bismarckstraße 18, Telefon (0 71 25) 15 84 90.
Mail: info@festungsruine-hohenneuffen.de, Homepage: www.festungsruine-hohenneuffen.de

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