Dettingen Ein neues Entwicklungszentrum für die Mobilität der Zukunft

Dettingen / Von Christina Hölz 25.09.2018

Die Cashcows von heute werden nicht die Cashcows der Zukunft sein. Jedenfalls nicht in der Automobilindustrie – und auch nicht für die Dichtungsspezialisten der Elring-Klinger AG. Daran lässt Dr. Stefan Wolf, Vorstandsvorsitzender des Weltkonzerns mit Sitz in Dettingen, keinen Zweifel. „Wir erleben momentan einen extremen Wandel in der Automobilindustrie. Hersteller und Zulieferer müssen sich in Position bringen“, sagte Wolf gestern vor geladenen Gästen aus Wirtschaft und Politik.

Anlass seiner Rede: Ein Neubau, der für Elring endgültig die Weichen in Richtung Automobilbau der Zukunft stellen soll. Für 20 Millionen Euro erstellt der Zulieferer derzeit ein Entwicklungszentrum für die Elektromobilität. Die neue Halle mit Büros und Laboren wächst direkt hinter dem Stammsitz in der Dettinger Max-Eyth-Straße in die Höhe.

Elring expandiert

Gerade neun Monate nach der Einweihung des topmodernen Logistikzentrums beim Werk II nun erneut ein millionenschweres Bauprojekt in Dettingen. Elring expandiert, und das nicht nur räumlich. Weil die technologische Revolution mitsamt nachhaltiger Mobilität längst „Bestandteil der Unternehmensstrategie“ sei (Stefan Wolf), laufen die Geschäfte in Sachen Brennstoffzellen-Technologie und Batterietechnik.

So sei den Dettinger Entwicklern im Mai der Durchbruch mit einem Lithium-Ionen-System gelungen. „Wir liefern ein ganzes Batteriemodul an ein Münchner Start-up, das damit ein Elektrofahrzeug entwickelt“, erklärte der Konzernchef weiter.Aber die Transformation vom traditionellen Automobilzulieferer (Elring gilt nach wie vor als ein Weltmarktführer im Bereich Zylinderkopfdichtungen) hin zur Elektromobilität benötigt Manpower. Die hat Elring in jüngster Zeit ausgebaut. „Wir haben jede Menge Menschen eingestellt“, so Wolf. Das Personal braucht Platz und zieht ins neue Innovationszentrum, wenn dieses 2020 fertig wird.

Geforscht und entwickelt wird im Neubau dann vor allem an Batteriemodulen und Brennstoffzellen. Zwei Sparten, in denen die Entwickler bei Elring eng zusammenarbeiten müssen, sagte beim Ortstermin Theo Becker, Vorsitzender des neu geschaffenen Geschäftsbereichs Elektromobilität.

Prototypen von Batterien vorgefertigt

Für längere Strecken, etwa Lastkraft-Transporte, setzen die Experten auf die Brennstoffzelle. Im Stadtverkehr und auf kürzere Distanzen sei eher die Batterie gefragt – die Akkus sind noch nicht für lange Reisen ausgelegt.“Wir gehen davon aus, dass sich beide Technologen anwenden lassen“, urteilt Becker.

Wegen der Diesel-Skandale glaubt der Fachmann jedoch,  dass die Batterien schneller auf den Markt kommen. In der neuen Entwicklungshalle in Dettingen werden künftig auch Prototypen von Batterien und Brennstoffzellen vorgefertigt.

Mehr als 300 Mitarbeiter will Elring in den geplanten Büros, Laboren und einer mehr als 6300 Quadratmeter großen Entwicklungshalle beschäftigen. Und: „Wir schaffen weitere Arbeitsplätze“, kündigte Vorstandschef Wolf an. Denn obwohl die E-Mobilität derzeit noch keine große Rolle auf unseren Straßen spielt: „Wir müssen jetzt investieren, vor allem in China.“

In dem asiatischen Land spielt für Stefan Wolf klar die Musik, was das E-Auto angeht. „Dort wurden 2017 rund 400 000 Fahrzeuge mit elektronischem Antrieb verkauft.“

Sein Unternehmen sieht der Firmenchef für die Zukunft gut aufgestellt, auch was die althergebrachten Techniken betrifft. Ja, auch Verbrennungsmotoren werden in 40, 50 Jahren noch gebaut, urteilt Stefan Wolf. „Nur eben in kleinerer Stückzahl.“Florieren Unternehmen am Ort, sehen das auch die Kommunalpolitiker gerne. Für sie sprach Dettingens Bürgermeister Michael Hillert, der sich über die Investition in neue Technologien und Elrings Bekenntnis zum Standort freute.

„Ich teile aber Ihre Ansicht, dass die klassischen Antriebe nicht völlig verschwinden“, sagte Michael Hillert in Richtung Stefan Wolf.

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Die Grundfläche des Elring-Neubaus beträgt knapp 14 000 Quadratmeter. Beherbergen wird das Entwicklungszentrum Büros, Labore und eine Fertigungshalle.

Elring und die neuen Technologien

Elring-Klinger forscht seit rund 20 Jahren in der Brennstoffzellentechnologie. Für die Mobilität von morgen sieht das Unternehmen die Brennstoffzelle – neben der Batterietechnik sowie elektrischen Antriebssystemen – als zentrales Zukunftsfeld an, so Konzernchef Dr. Stefan Wolf.

Für Fahrzeuge biete der Brennstoffzellenantrieb Vorteile hinsichtlich hoher Reichweiten und zudem kurzer Auftankzeiten.

Im neuen Entwicklungszentrum will das Unternehmen den modernen Technologien Rechnung tragen. Bis 2020 soll das 17,5 Meter hohe Gebäude mit einer Grundfläche von knapp 14 000 Quadratmetern fertig sein.

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