Bad Urach Ein Lichtermeer für die Ermstalklinik

Rund 150 Demonstranten kamen zusammen, um „Lichter für die Ermstalklinik“ zu zeigen. Sie fürchten eine schleichende Schließung des Standortes.
Rund 150 Demonstranten kamen zusammen, um „Lichter für die Ermstalklinik“ zu zeigen. Sie fürchten eine schleichende Schließung des Standortes. © Foto: Thomas Kiehl
Bad Urach / Alexander Thomys 12.12.2018

Als die Pläne zur Schließung der unfallchirurgischen Abteilung an der Ermstalklinik zum Jahresende an die Öffentlichkeit kamen, formierte sich in der Kurstadt rasch der Widerstand, zumal viele Bad Uracher eine schleichende Fortsetzung der Verkleinerung der Klinik in der Kurstadt befürchten – und im Blick auf die Vergangenheit auch anprangern. Seither hat sich einiges getan: Die Bürgerinitiative „Pro Ermstalklinik“ hat sich gegründet, am Dienstagabend fand die erste publikumswirksame Veranstaltung mit einem „Lichtermarsch“ zur Ermstalklinik statt.

Rund 150 Menschen kamen dabei zusammen, um mit ihren Lichtern ein Zeichen gegen die von ihnen befürchtete schleichende Verkleinerung der Ermstalklinik zu setzen. „Der Umzug wurde von uns als stiller Protest geplant“, erklärt Michael Schweizer. Der Bad Uracher Gemeinderat engagiert sich in der Bürgerinitiative und hat zusammen mit seinem Ratskollegen Axel Steinhart die Organisation des Lichtermarsches federführend übernommen. Ein stiller Protest passe besser in die Adventszeit, sagt Schweizer. „Da wollten wir keine Reden schwingen und nicht mit Pauken und Trompeten auftreten.“ Mit der Teilnehmerzahl zeigte sich Schweizer zufrieden: „Es war ein starkes Zeichen im Kampf für den Erhalt der Grundversorgung an unserer Ermstalklinik.“

Abteilung schließt am Freitag

Gleichwohl ist das Datum des stillen Protestes mit Bedacht gewählt. „Am Freitag dieser Woche wird die stationäre unfallchirurgische Abteilung der Ermstalklinik geschlossen“, weiß Schweizer. „Deshalb wollten wir heute ein Signal setzen.“ Damit auf diese bereits beschlossene Schließung, die nach Angaben des Landkreises auf dem Defizit der Abteilung in Bad Urach beruht, keine weiteren folgen, engagiert sich die Bürgerinitiative in erster Linie. Und die Gruppe war in den vergangenen Wochen durchaus nicht untätig.

So wurde eine Unterschriftensammlung organisiert, in welcher die Unterzeichnenden ihren Unmut über die Schließung der Unfallchirurgie und ihren Willen zum Erhalt der Ermstalklinik bekräftigen. Auf dem Marktplatz und in den Einkaufszentren war die Bürgerinitiative in den vergangenen Wochen präsent, auch in vielen Geschäften in der Kurstadt liegen die Unterschriftenlisten aus. Inzwischen sind über 6200 Unterschriften zusammengekommen. „Die Rückmeldungen der Bürger sind groß und gut, es ist fast schon erstaunlich“, bilanziert Schweizer. Würden die Menschen bei Unterschriftensammlungen sonst eher skeptisch und distanziert reagieren, trifft die Bürgerinitiative mit ihrem Anliegen viel eher auf Aufmerksamkeit. „Wir rennen offene Türen ein“, sagt Schweizer.

Seit der Gründungsversammlung im Rathaus habe sich eine engagierte Gruppe organisiert, zu der Gemeinderäte, aber auch Klinikmitarbeiter gehören und sich viele weitere Bürger beteiligen. „An unseren wöchentlichen Treffen kommen regelmäßig an die 30 Personen“, sagt Schweizer, der gerade im Hinblick auf den beginnenden Kommunalwahlkampf betont, dass es sich bei der Bürgerinitiative um „keine Michael-Schweizer-Show“ handeln würde. In der BI „Pro Ermstalklinik“ würden vielmehr „alle Beteiligten an einem Strang“ ziehen.

Drei Arbeitsgruppen hätten sich in den vergangenen Wochen gebildet: Michael Schweizer und Axel Steinhart kümmerten sich um die Organisation des Lichtermarsches, Irmgard Naumann um die Unterschriftensammlung und bei Martin Lorenz laufen die Fäden für eine geplante Podiumsdiskussion zusammen, bei welcher die Bürgerinitiative Mitte Januar kommenden Jahres ein klares Statement von Landrat Thomas Reumann erwartet. „Wir haben aber noch keine Zusage von Landrat Reumann erhalten“, weiß Schweizer. Wie überhaupt sich weder die Klinik noch die Verantwortlichen im Landratsamt bisher gemeldet hätten, um Kontakt mit der Bürgerinitiative herzustellen. „Von offizieller Seite kam noch nichts“, sagt Schweizer etwas enttäuscht. Vielmehr würden sich vor allem auch viele Aufsichtsräte der Kreiskliniken auf ihre Verschwiegenheitsverpflichtung zurückziehen. Immerhin: Inzwischen hat die Kreiskliniken Reutlingen GmbH angekündigt, am 20. Dezember ein „Bürgergespräch“ in Bad Urach zu veranstalten. Um 20 Uhr dürfte dann in der Festhalle durchaus hitzig diskutiert werden.

Den Druck erhöht die Bürgerinitiative dennoch bei jeder sich bietenden Gelegenheit, etwa als der Bundestagsabgeordnete Michael Donth (CDU) auf Facebook postete, als Aufsichtsratsmitglied der Kreiskliniken in einer Sitzung gewesen zu sein. Prompt wurde Donth in den Kommentaren gefragt, ob er sich dort auch für die Ermstalklinik einsetzen würde.

Dies bejahte Donth, ohne in den Sozialen Medien ins Detail zu gehen. „Der Erhalt des Standortes Urach ist mir als häufigem Nutzer des Hauses wichtig“, schreib Donth. „Das erfordert manchmal Veränderungen, leider.“ Der Bundestagsabgeordnete schlug daraufhin vor, der CDU-Fraktion im Uracher Gemeinderat Rede und Antwort zu stehen. Dies lehnte sein Parteifreund Schweizer ab: „Ich möchte keine Antworten oder Diskussionen hinter verschlossenen Türen. Sondern eine Diskussion mit und für die Bürger, die unter den erneuten schweren Einschnitten an der Ermstalklinik zu leiden haben.“

Keine ambulanten Operationen?

Die Bürgerinitiative „Pro Ermstalklinik“ jedenfalls, das wurde am Dienstagabend erneut deutlich, will in Sachen Zukunft des Bad Uracher Krankenhauses nicht klein bei geben. Zumal es inzwischen ernstzunehmende weitere Gerüchte gibt, wie Schweizer sagt. So würden auch ambulante Operationen künftig in der Ermstalklinik nicht mehr möglich sein. „Das wäre ein weiterer Schlag gegen die wohnortnahe medizinische Versorgung“, sagt Schweizer kopfschüttelnd.

Nächstes Treffen im ehemaligen Hotel Krone

Das nächste Treffen der Bürgerinitiative „Pro Ermstalklinik“ findet am heutigen Donnerstag, 13. Januar, im ehemaligen Hotel Krone in Bad Urach statt. Die Sitzung der Bürgerinitiative beginnt um 19 Uhr, Interessierte sind den Aktiven willkommen.

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