Bempflingen / Alexander Thomys  Uhr

Zu Helfen, das gehört für Florian Matuschowitz ganz klar zu seinem Leben. Deshalb engagiert sich der Bempflinger beispielsweise bei der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatort und ebenso in der Wehr in Tübingen, wo der 20-Jährige im Rahmen seiner Ausbildung zurzeit lebt.

Ehrenamtlich engagiert

Matuschowitz lässt sich zum operationstechnischen Assistenten ausbilden, während er auf seine Studienzulassung wartet: Der Bempflinger will Medizin studieren. Vor allem die Notfallmedizin hat es dem 20-Jährigen angetan. Kein Wunder also, dass Matuschowitz auch beim Malteser Hilfsdienst ehrenamtlich engagiert ist und sich dort zum Rettungssanitäter ausbilden ließ.

Das Engagement bei den Maltesern führte den jungen Mann auch zu seinem bisher größten Abenteuer. Im Rahmen eines Auslandsprogramms reiste der damals 19-Jährige nach Albanien, um vor Ort Rettungskräfte zu schulen. Einen Bezug zu dem Balkanstaat hatte der Bempflinger bis dato nicht. Und plötzlich war der Malteser-Helfer voll gefordert.

„Ich war alleine in Albanien und bis dahin gar nicht daran gewöhnt, als 19-Jähriger komplett im Mittelpunkt zu stehen“, erzählt Matuschowitz. „Und plötzlich wurde ich, der Deutsche, zum Kaffeetrinken beim Uni-Professor und beim Feuerwehrkommandanten eingeladen.“ An der Universität werden in einem der ärmsten europäischen Staaten übrigens auch Krankenschwestern ausgebildet. Allerdings „viel zu theoretisch“, wie Matuschowitz aufgefallen ist.

Lebensrettende Sofortmaßnahmen

Im Auftrag der Malteser vermittelte Matuschowitz vor Ort und etwa auch die stabile Seitenlage an die angehenden Krankenschwestern und an Mitarbeiter der Rettungsdienste und der Feuerwehr. Dabei musste auch improvisiert werden: Übungsmaterial gab es kaum, Verbandsmaterial war vor Ort nicht aufzutreiben. Kurzerhand nahm Matuschowitz seinen Erste-Hilfe-Kasten aus dem Auto. „Drei Wochen lang haben wir mit demselben Material immer wieder geübt, die Binden waren am Ende total ausgeleiert“, berichtet der Bempflinger schmunzelnd.

Vom stellvertretenden Feuerwehrkommandanten von Shkodra, Edison Suma, wurde Matuschowitz damals eingeladen, eine 24-Stunden-Schicht mit der dortigen Berufsfeuerwehr zu absolvieren. Die dortige Wehr ist für ein 900 Quadratkilometer großes Gebiet zuständig, in dem mehr als 200 000 Menschen leben. Zur Verfügung haben die zehn Männer pro Schicht nur wenig Material: Zwei Löschfahrzeuge, gespendet aus Schweden und Italien sowie eine alte Drehleiter, eine Spende aus Österreich. „Freiwillige Feuerwehr Bregenz“, steht noch auf dem in die Jahre gekommenen Fahrzeug. Die Kupplungen der Schläuche aus verschiedenen Ländern passen nicht zusammen – Improvisation ist ständig gefragt. Zudem gibt es in Albanien kein Hydrantennetz zur Löschwasserversorgung, weshalb die Feuerwehr stets auch mit zwei 8000-Liter-Tankwagen ausrückt.

Es fehlt am nötigsten

Bei der Shkodraner Feuerwehr fehlt es am nötigsten. Für Matuschowitz war sofort klar, helfen zu wollen. „Dann ist mir eingefallen, dass bei uns in Bempflingen demnächst neue Feuerwehrhelme beschafft werden sollten. Das war perfektes Timing“, erzählt Matuschowitz. Feuerwehrkommandant Martin Neumann war spontan bereit, das auszumusternde Material zu spenden. Ein Aufruf über Facebook brachte weitere Spenden: Daniel Keifenheim von der Helfer-Hilfsorganisation „Safers“ spendete weiteres Material, ebenso Christian Kowalik mit der Freiwilligen Feuerwehr Donnersdorf im Landkreis Schweinfurt.

Eine Frage blieb offen: Wie sollte das Material nach Shkodra kommen? Auch dafür fand Matuschowitz eine Lösung: Sein WG-Mitbewohner Mischa Fritz, ebenfalls bei der Freiwilligen Feuerwehr Tübingen aktiv, stellte seinen Landrover zur Verfügung – und bot sich zugleich als Mitfahrer an. Mit einem vollgepackten Auto machten sich die beiden Unistädter auf den Weg. Um prompt vom Zoll in Bosnien-Herzegowina aufgehalten zu werden. Ein Umweg, ein anderer Grenzübergang – und schon ging die Reise weiter. 22 Stunden waren die beiden am 18. Juni unterwegs, die Rückfahrt fünf Tage später dauerte 24 Stunden. Das Auto lenkte das Duo abwechselnd.

Vor Ort war die Freude groß. „Jetzt hat jeder Berufsfeuerwehrmann auf der Schicht eine vollständige persönliche Schutzausrüstung“, freut sich Matuschowitz. Bis dato war dies keine Selbstverständlichkeit. Sogar das albanische Fernsehen kam, um über die Spende zu berichten. Die Berufsfeuerwehrleute in Shkodra verdienen übrigens umgerechnet 250 Euro netto im Monat. „Die Reparatur unserer Ölwanne vor Ort hat 60 Euro gekostet“, erzählt Matuschowitz zum Vergleich. Vor Ort nahmen die beiden deutschen Feuerwehrleute erneut an einer 24-Stunden-Schicht teil, ehe sich die beiden jungen Männer noch einen kleinen Urlaub gönnten: Im Bergdorf Theth.

Gerne würde Matuschowitz die entstandenen Freundschaften nach Albanien weiter ausbauen und der dortigen Feuerwehr auch in Zukunft helfen. Auf seine Initiative hin wurde dort inzwischen auch begonnen, Freiwillige Feuerwehrleute auszubilden. Neue Spenden wären zu organisieren, weiß der Bempflinger. So hat beispielsweise die Freiwillige Feuerwehr Großbettlingen dem 20-Jährigen einen ausgemusterten Rüstsatz mit hydraulischem Rettungsgerät angeboten – allerdings fehlt den Albanern für das schwere Gerät der nötige Stromerzeuger.

Und Matuschowitz hat noch ein weiteres Problem: Den Transport. „Die komplette Fahrt haben wir aus eigener Tasche gezahlt, das können wir nicht jedes Mal leisten“, weiß der 20-Jährige und kann ob so mancher Diskussion nur noch den Kopf schütteln. Und so bleiben dem jungen Bempflinger zunächst nur die Erinnerungen an herausragende Erlebnisse: So sicherte er mit der Feuerwehr Shkodra auch ein Fußball-Länderspiel zwischen Albanien und Schottland ab.

Die Augen geöffnet

Zugleich, sagt Matuschowitz, habe ihm die Reise nach Albanien die Augen geöffnet. „Wir diskutieren hier allzu oft nur die Probleme einer Wohlstandsgesellschaft“, weiß der 20-Jährige. In Albanien, einem der ärmsten Länder Europas, sind viele Fragen dagegen existenziell. In Shkodra konnte Dank des Bempflingers nun ein wenig Abhilfe geschaffen werden.

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Hilfe für Helfer: Der Verein Safers

Der eingetragene Verein „SAFeRS“  (Support Association for Fire- and Rescue Services) ist ein gemeinnütziger Verein, der national und international Feuerwehren und Rettungsdienste mit Material und Know-how unterstützt. „Wir stellen sicher, dass ausgemustertes Material ein zweites Leben bei engagierten ehrenamtlichen Wachen weltweit erhält“, heißt es in einer Beschreibung des Vereins. Gesucht werden ständig Materialspenden, aber auch Geldspenden, um den Transport des Materials zu den Helfern in aller Welt zu finanzieren. Das Spendenkonto lautet: IBAN: DE90 5765 0010 0098 0531 27.